Glutvoller Gesang und ein Kontrabass in Hochform

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Im Konzert „Bassissimo“ der Stuttgarter Philharmoniker unter Dan Ettinger wirken zuletzt beide Solisten zusammen: Kontrabassist
Im Konzert „Bassissimo“ der Stuttgarter Philharmoniker unter Dan Ettinger wirken zuletzt beide Solisten zusammen: Kontrabassist Ödön Rácz und Bassbariton Luca Pisaroni. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Enthusiastisch haben die Zuhörer am Samstag die Stuttgarter Philharmoniker gefeiert, die mit ihrem Programm „Bassissimo“ ins Graf-Zeppelin-Haus gekommen waren. Zwei ungewöhnliche Solisten färbten das Konzert tiefschwarz: der italienische Bassbariton Luca Pisaroni und Ödön Rácz, der ungarische Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker und der Wiener Staatsoper.

Ganz zuletzt traten sie zusammen auf, denn mit „Per questa bella mano“ (für diese hübsche Hand) hat Mozart eine bezaubernde „Baß-Aria mit obligaten Contra Baß“ hinterlassen, in der sie mit dem Orchester um die Wette schmeichelten. Dan Ettinger, Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker und Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Stuttgart, hatte sie bei den Salzburger Festspielen bei der gemeinsamen Arbeit an Mozarts „Le nozze di Figaro“ kennengelernt und eingeladen.

Der Tod als warmherziger Freund

Mit Schubert-Liedern, von Reger, Brahms und anderen für Orchester bearbeitet, führte sich Luca Pisaroni mit geschmeidig geführter Stimme von großem Tonumfang ein. Mit zurückgenommenem, leise wiegendem Orchester schuf Ettinger den Hintergrund für die Huldigung an die „holde Kunst“. Umso dramatischer gestalteten die Musiker den Auftakt zur „Erlkönig“-Ballade. Differenziert unterschied der Sänger mit tröstendem Bass den Vater und mit verängstigtem Ton den Sohn, suggestiv war das Locken des Erlkönigs. Immer beherrschender wurde das Grauen, bis der Sänger mit Grabesstimme den Tod des Kindes verkündete. Todesstimmung lag auch über Matthias Claudius’ „Der Tod und das Mädchen“, doch hier zeichnete der Sänger den Tod berührend als warmherzigen Tröster und Freund. So zogen kontrastreich bis zur stürmischen Lebensfahrt mit Goethes „An Schwager Kronos“ die Lieder vorüber.

Eine ungewöhnliche Rarität war Serge Koussevitzkys Konzert für Kontrabass und Orchester fis-Moll op. 3 von 1902. Bestechend die Geschmeidigkeit des Instruments, das im Kopfsatz in bebender Episode die Höhen und Tiefen durchmaß, lyrische Melodiebögen ausbreitete, sich in innigen Duetten mit Horn, Flöte oder Harfe höher und höher schraubte und wieder still in sich zurückzog. Mit einem furiosen Tanz über die Saiten und strahlender Festfreude endete das Konzert, in dem Koussevitzky die russisch-spätromantische Klangsprache auf die Klangfarben des Kontrabasses übertragen hat. Eine leidenschaftliche Sprache, die Ödön Rácz vielfarbig herüberbrachte. In zwei Solo-Zugaben lotete er noch einmal die extreme Bandbreite des Instruments aus.

Mit der kontrastreich ausgemalten Ouvertüre zur Oper „Die Entführung aus dem Serail“ führte das Orchester in den Mozart-Teil, hochdramatisch interpretierte es Richard Strauss’ Interludio zu Mozarts Oper „Idomeneo“. Noch einmal begeisterte der Bassbariton: als schmeichelnder Verführer, als von Schuld Verfolgter oder als Liebender, dem ein Abschied das Herz zerreißt. Ein bezaubernder Abschluss war die Aria mit dem Kontrabassisten.

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