Mit einem glanzvollen Jubiläumskonzert begeistert das Sinfonieorchester Friedrichshafen unter der Leitung von Joachim Trost.
Mit einem glanzvollen Jubiläumskonzert begeistert das Sinfonieorchester Friedrichshafen unter der Leitung von Joachim Trost. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

In überwältigendem Klangrausch ist am Sonntagabend im vollen Graf-Zeppelin-Haus das Jubiläumskonzert des Sinfonieorchesters Friedrichshafen zu Ende gegangen. Glanzvoll hat das von Amateur- und Berufsmusikern getragene Orchester zu seinem 100-Jährigen bewiesen, welch hohes Niveau es unter seinem langjährigen Dirigenten, Musikdirektor Joachim Trost, erreicht hat, welch hervorragende Solisten es beherbergt.

Kühn wie das Werk selbst war es, Hector Berlioz’ brillante „Symphonie fantastique“ op. 14 mit ihrem programmatischen Furor aufzuführen, die Berlioz komponierte, um die rasend verehrte Schauspielerin Harriet Smithson auf sich aufmerksam zu machen. Als „idée fixe“ seiner Besessenheit geistert ihr Thema durch das Werk, erst schuberthaft, zuletzt wüst karikiert, zur Grimasse verzerrt als Hexe in der Walpurgisnacht. Wunderbar ließ das Orchester unter Trosts inspirierendem Dirigat die Stimmungen dieser „Episode eines Künstlerlebens“ erleben, angefangen beim zarten Liebestraum, dem sogleich in den tiefen Streichern dunkle Schatten begegnen. Aufmerksam reagierten die Register aufeinander, malten die nervöse Spannung, die über dem süßen Traum liegt.

In beschwingtem Miteinander war im zweiten Satz der Ball mit der Geliebten zu erleben, zwei Harfen und flirrende Geigen begleiteten eine schöne Walzermelodie. Eindrucksvoll beschworen Englischhorn und Oboe in der poetischen „Szene auf dem Lande“ den Dialog der Hirten, bestens war der Kontrast zwischen lyrischer Stimmung und latenter Bedrohung getroffen, die zuletzt kulminiert, wenn dem Englischhorn nur noch Donnergrollen antwortet. In einer Horrorvision erlebt der Unglückliche, der sich mit Opium vergiftet hat, wie er nach Ermordung der Geliebten zum Richtplatz geführt wird, wie das Beil des Henkers auf ihn herabfällt. Schwere Tritte und markerschütternde Trommelschläge markierten den Gang zum Schafott, Trompeten bliesen zum Gericht, wuchtig steigerte sich der Aufruhr im Tutti. Noch schauriger war die Vision vom Geistertreiben der Walpurgisnacht, wo das Thema der Geliebten grässlich verzerrt durch die Szene geistert, bis der Hexentanz sich mit dem Dies Irae der Tuben vermischt, bis alles in geordnetem Chaos übereinander herfällt. Es dauerte Momente, bis Applaus einsetzte und das Orchester den Schluss der Suite zu Charles Gounods Oper „Faust“ zugab.

Einfach und klar war dagegen die Gedankenwelt in Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25. Empfindsam war der Charakter des Werks, dem die russische Pianistin Varvara Nepomnyashchaya Seele gab. Fröhlich und kokett sprühte ihr Presto vor dem Klangteppich des Orchesters, vitale Läufe fanden ihre Antwort bei Bläsern und Streichern, furios war das gemeinsame Finale.

Köstlich komödiantisch hatten die Musiker das Konzert mit dem schwirrenden Wespenschwarm in der Ouvertüre zur Bühnenmusik „Die Wespen“ eröffnet. Für eine Aufführung der Aristophanes-Komödie an der Universität Cambridge hat der englische Komponist Ralph Vaughan Williams die Bühnenmusik geschrieben. Die Ouvertüre erklärte sofort den Titel „Die Wespen“ – gemeint waren Juristen.

Herrlich, wie Joachim Trost seine Spieler mit Elan antrieb, wie aus dem Tutti immer neue Soli hervorbrachen.

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