Hat nach dem Gewinn des U17-Europameistertitels fußballerisch noch einiges vor: Giulia Gwinn aus Friedrichshafen..
Hat nach dem Gewinn des U17-Europameistertitels fußballerisch noch einiges vor: Giulia Gwinn aus Friedrichshafen.. (Foto: Michael Tschek)
Schwäbische Zeitung
Michael Tschek

Der Titel von Borisov ist ihr bisher größter sportlicher Erfolg: Die 16-jährige gebürtige Ailingerin Giulia Gwinn ist mit der U17-Juniorinnen-Nationalmannschaft in Weißrussland Fußball-Europameisterin geworden. Doch das ist dem jungen Talent noch nicht genug: Sie will in die Nationalmannschaft, ihr Abitur machen und Sport studieren.

Die Eltern Gabi und Florian Gwinn freuen sich ebenso wie die Brüder Leon und Manuel, wenn Giulia ein paar Tage über die Pfingstferien im elterlichen Haus in Krehenberg verbringen kann. Solche Tage sind seit ihren Umzug im vergangenem Jahr ins Internat des FC Freiburg, verbunden mit einem Profivertrag für die erste Frauenbundesliga, selten geworden. Für Giulia bedeuten die Tage im Kreise der Familie und Freunden Erholung, aber gleichzeitig auch, die vergangenen Monate in Ruhe Revue passieren zu lassen. Höhepunkt war für sie der 3:2-Sieg im Elfmeterschießen im Endspiel der U17-Europameisterschaft gegen Spanien. 10200 Menschen haben im Stadion zugeschaut. „Ich habe den ersten Elfmeter verwandelt“, erzählt sie. Von ihrer Trainerin Anouschka Bernhard wurde sie bei dem Turnier, das die U17-Spielerinnen ohne Niederlage beendeten als „Führungsspielerin“ hervorgehoben. Im Vorfeld hatte sie seit September 2015 an vier Vorbereitungslehrgängen teilgenommen. Dazu war sie zehnmal in der Bundesliga im Einsatz. Zwei Tore hat sie für den FC Freiburg geschossen, der die Saison auf Tabellenplatz vier beendete. Weitere zwei Tore hatte sie dann im DFB-Pokal geschossen. „Im Halbfinale gegen den späteren Pokalsieger VfL Wolfsburg habe ich den 1:2-Anschlusstreffer erzielt, zu mehr sollte es aber nicht reichen“, erinnert sie sich.

Ihre beiden älteren Brüder haben die 16-Jährige zum Fußball gebracht. „Meine Mama war zum Anfang nicht dafür, aber ich habe mich dann doch durchgesetzt“, erzählt sie lachend. Ihr Weg führte sie dann 2007 von der F-Jugend in Ailingen über die E-Jugend beim VfB Friedrichshafen bis zum FV Ravensburg, bei dem sie fünf Jahre gespielt hatte. Nach einem Turnier um die süddeutsche Meisterschaft lud der Württembergische Fußballverband das vielversprechende Talent zu einem Sichtungslehrgang an die Sportschule Kaiserau ein.

Bayern-Angebot abgelehnt

Nachdem Giulia den Sprung in den U15-Kader geschafft hatte, bestritt sie ihr erstes Länderspiel im April 2013 in Kevelaer gegen Holland. „8:0 haben wir das Spiel gewonnen“, erinnert sie sich. Ihr erstes Länderspieltor erzielte sie im zweiten U15-Jahr am 30.Oktober 2013 gegen Schottland in Mühlheim am Main. Nach einem Jahr in der U16 wurde sie dann in die U17 berufen, wo sie im April 2015 an der EM-Qualifikation in Siena/Italien teilnahm. „Im EM-Halbfinale in Island sind wir dann gegen die Schweiz gescheitert“, erinnert sich die damals jüngste EM-Teilnehmerin. Trotzdem wurde sie bei diesem Turnier als eine von drei deutschen Spielerinnen in das UEFA-Team gewählt. Und vor dem EM-Turnier in Weißrussland im Mai dieses Jahres wurde sie vom Veranstalter als einer der acht Spielerinnen vorgestellt, die eine herausragende Rolle während des Turniers spielen könnten. Ab Juni beginnt für Giulia und die anderen Mädchen der U17-Nationalmannschaft die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im September und Oktober in Jordanien.

Trotz Angeboten von Bayern München, aus Potsdam, Hoffenheim und Wolfsburg hat sich Giulia entschieden, beim FC Freiburg ihre Fußballkarriere fortzuführen. Die sowohl in der Nationalmannschaft als auch bei den Breisgauern im rechten Mittelfeld spielende Giulia hat aber neben dem Fußball auch ein anderes großes Ziel vor Augen, nämlich ein gutes Abitur im nächsten Jahr hinzulegen.

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