Gewitter war gestern, Miteinander ist heute

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Der Förder- und Betreuungsbereich lädt die Besucher zum Basteln ein.
Der Förder- und Betreuungsbereich lädt die Besucher zum Basteln ein. (Foto: Stiftung Liebenau)
Schwäbische Zeitung

Zum fünften Mal wurde vergangenen Samstag das Mittendrin-Fest gefeiert, an dem sich in diesem Jahr 30 Einrichtungen der Hilfen für Menschen mit Behinderungen im Bodenseekreis mit rund 250 Helfern aktiv beteiligten. Das Fest soll das Bewusstsein der Bevölkerung stärken und auf die Situation von Menschen mit Einschränkungen aufmerksam machen. Aber vor allem sollen Begegnungen, Spaß und Freude im Vordergrund stehen. Mit von der Partie waren auch Klienten und Mitarbeiter der Stiftung Liebenau: mit der Bewirtung in der Mittendrin-Lounge sowie mit Bühneneinlagen, Aktionen und Informationen.

In der morgendlichen Hitze widmen sich Helfer aller Couleur den letzten Vorbereitungen. Auch der Teil der insgesamt rund 90 Engagierten der Stiftung Liebenau der Mittendrin-Lounge, die zu dieser Schicht eingeteilt sind, ist emsig. Zu erkennen sind sie an ihren dunkelroten T-Shirts und knallgelben oder schwarzgestreiften Schürzen. Die Pfandrückgabe wird bestückt, letzte Hygiene-Instruktionen gegeben, Getränkekisten platziert. Miteinander werden alle dafür sorgen, dass die Gäste zu essen und, bei den heißen Temperaturen, vor allem auch zu trinken haben.

Buntes Völkchen

„Wenn man das sieht, geht einem das Herz auf“, meint Friedrichshafens Bürgermeister Andreas Köster, als er bei der Begrüßung in die buntgemischte Besuchermenge blickte. Die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis würden genau dieses Miteinander ausmachen. „Inklusion ist grenzüberschreitend“, begrüßt er auch Organisationen aus Österreich und der Schweiz. Inklusion sei ein Lernprozess, den die Menschen im Bodenseekreis lebhaft angehen, ist der Erste Landesbeamte Joachim Kruschwitz überzeugt. Er geht auch auf die erfreuliche Wetterwende ein nach dem Motto: Gewitter war gestern, Inklusion ist heute.

Von der Konzertmuschel erklingt das Glockenspiel „Morning has broken“ des Glockenchors Föhrenbühl und Hermannsberg. Den ganzen Tag über gibt es weitere inklusive Programmpunkte: Darunter auch der Liebenauer Chor, die Theatergruppe „Die Außergewöhnlichen“, die Sportgruppe „Rakete“ sowie Bauchtanz und Akkordeon-Musik. Die Einrichtungen zeigen an ihren Ständen Produkte aus den Werkstätten, Mitarbeiter geben Interessierten Auskunft. Beim Tischkicker-Turnier der Stiftung Liebenau gibt es begehrte Billard- und Kino-Gutscheine zu gewinnen, Kinder können sich mit Schminke verzaubern lassen und die Besucher haben Gelegenheit, Schafe zu streicheln.

Knapp ein Jahr lang geplant

„Wir haben die Arbeit so aufgebaut, dass jeder mithelfen kann“, erklärt Nils Pasternak von den Ambulanten Diensten. Er und Franz Völk sind die Hauptorganisatoren der Mittendrin-Lounge, zusammen mit Sabine Striegel und Henriette Hengge. Die Planung startete bereits im vergangenen August. Die Umsetzung ist eine gemeinsame logistische Meisterleistung. Um die Arbeit zu schultern, braucht es ein engagiertes Team, das Pasternak und Völk hinter sich wussten: Beschäftigte und Mitarbeiter der Stiftung Liebenau packen gleichermaßen mit an. Jeder konnte sich im Vorfeld seine Aufgabe auswählen, gemeinsames Training inbegriffen.

Zum Motto „Wir hinterlassen Spuren“ kann sich jeder – ob groß, ob klein – in Farbe mit der eigenen Hand oder dem persönlichen Fußabdruck auf einer großen Leinwand verewigen.

Das Kunstwerk wird gerahmt und geht auf Wanderschaft. In Räumen der Stiftung Liebenau, im Landratsamt oder bei anderen Interessierten soll es an das Mittendrin-Fest und seinen Hintergrund erinnern und so nachhaltig wirken.

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