Gewerkschaftsjugend nimmt Berufsgesetz aufs Korn

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Gewerkschaftsjugend nimmt Berufsgesetz aufs Korn
Gewerkschaftsjugend nimmt Berufsgesetz aufs Korn (Foto: IGM)
Schwäbische Zeitung

Um ihre Position zur Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) klarzumachen, hat die Gewerkschaftsjugend in Friedrichshafen zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD habe sich für die laufende Legislaturperiode vorgenommen, das Berufsbildungsgesetz (BBiG) zu erneuern. Doch die Änderungspläne greifen nach Auffassung der jungen Gewerkschafter viel zu kurz.

Das BBiG bilde die Grundlagen für gute Ausbildung in Deutschland, schreibt die IG Metall in einer Pressemitteilung. Der bisherige Gesetzesentwurf, vorgelegt von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), entspreche jedoch in keiner Weise den gewerkschaftlichen Vorstellungen einer vernünftigen Reform des BBiG.

Die Forderung nach gesetzlichen Regelungen für dual Studierende sei der Gewerkschaftsjugend besonders wichtig: „Dual Studierende benötigen endlich einen rechtlichen Rahmen für den praktischen Teil ihrer Ausbildung im Betrieb“, stellte Fabian Fink, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, klar. „Duale Studienmodelle bewegen sich oft im rechtsfreien Raum. Das hat zur Folge, dass dual Studierende ihre Ausbildungsmittel häufig selbst finanzieren oder hohe Fahrtkosten tragen müssen. So bildet man keine Fachkräfte der Zukunft aus!“, erklärte Fink weiter. Die Anzahl der dual Studierenden habe sich laut Statistiken des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt. Für mehr als die Hälfte dieser zukünftigen Fachkräfte finde der betriebliche Teil ihrer Ausbildung aufgrund der fehlenden Regelung im BBiG ohne rechtlichen Rahmen statt. Statt Praxiserfahrung im Betrieb zu sammeln, würden sie viel zu häufig als billige Arbeitskräfte im Betrieb eingesetzt. Daher solle das Ministerium sie endlich in den Geltungsbereich des BBiG mit aufnehmen. Der Referentenentwurf lasse dieses wichtige Zukunftsthema bisher unbeachtet.

Unzufriedenheit mit Vergütung

Auch mit der geplanten Einführung einer Mindestausbildungsvergütung ist die Gewerkschaftsjugend nicht zufrieden. Das Bundesministerium plane die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 504 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Diese orientiere sich am Schüler-BAföG. Laut Gewerkschaftsjugend führe dies zu einer Verschlechterung für viele junge Menschen in den Betrieben.

Laut aktueller Rechtsprechung müsse eine angemessene Ausbildungsvergütung mindestens 80 Prozent der branchenüblichen tariflichen Ausbildungsvergütung betragen. Diese Regelung sei durch die geplante Gesetzesänderung in Gefahr und würde die größte finanzielle Umverteilung in der beruflichen Bildung, die es je gegeben habe, zu Ungunsten der Auszubildenden einleiten, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine weitere Gefahr für zukunftssichere Ausbildungsplätze sehen die jungen Gewerkschafter in der geplanten Auflockerung des Durchstiegs bei Stufenausbildungen: „Künftig sollen Auszubildende in vielen Bereichen nach erfolgreichem Ablegen der Abschlussprüfung Teil eins bereits einen zweijährigen Berufsabschluss erwerben“, sagt Hygert Doci, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung der MTU Friedrichshafen. „Dadurch werden wir erpressbar, unsere Ausbildung frühzeitig abzubrechen: Wenn der Arbeitgeber zu uns kommt und sagt, er kann mich jetzt mit dem zweijährigen Berufsabschluss übernehmen, nächstes Jahr sieht es vermutlich schlecht aus – wie würden sich die meisten wohl entscheiden? Der Arbeitgeber spart da natürlich Geld, denn wer nur eine zweijährige Ausbildung vorzuweisen hat, verdient meist weniger und hat schlechtere Weiterbildungsmöglichkeiten. Gerade vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Transformation der Arbeitswelt ist eine gute, dreijährige Ausbildung unverzichtbar“, ergänzt Bartu Bekar, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei der ZF Friedrichshafen AG.

Riebsamen sagt Unterstützung zu

Der CDU-Bundetagsabgeordnete Lothar Riebsamen, der sich den jungen Gewerkschaftern stellte, halte die Forderung nach der Aufnahme von dual Studierenden in den Geltungsbereich des BBiG „berechtigt und nachvollziehbar“. Er wolle sich in der Landesgruppe der CDU Baden-Württemberg sowie in der Fraktion der CDU/CSU im Bundestag für einen Großteil der Forderungen der Gewerkschaftsjugend einsetzen, schließt die Pressemitteilung.

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