Gesamtkirchengemeinde verabschiedet Haushalt

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Mehr Kosten als geplant wird die Sanierung des Canisius-Turms verursachen.
Mehr Kosten als geplant wird die Sanierung des Canisius-Turms verursachen. (Foto: Picasa)
Wilfried Geiselhart

Der mäßig rückläufige, aber immernoch stabile Konjunkturverlauf sorgt auch für einen Anstieg der Kirchensteuereinnahmen. So wird sich die Kirchensteuerzuweisung der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen für 2020 erhöhen – um knapp 3,5 Prozent auf 2,6 Millionen Euro. Eine gute Nachricht, die Ulrike Weiß in der Haushaltssitzung des Gesamtkirchengemeinderats verkündete.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. „Mit der Kirchensteuer allein könnte die Gesamtkirchengemeinde nicht die Fülle an Aufgaben erledigen, die im vorliegenden Haushaltsplan benannt sind“, konstatiert die Kirchenpflegerin. Hilfreich seien hier vor allem auch die von der Zeppelinstiftung zur Verfügung gestellten Mittel für die sozialen Einrichtungen. Der jetzt von den Räten bestätigte Etat für 2020 umfasst im Verwaltungshaushalt ein Volumen von 17,6 Millionen Euro. Der Vermögenshaushalt liegt bei rund 934 000 Euro. Große Teile entfallen wie immer auf den Bereich „Personal“ und sind überwiegend Ausgaben für das pädagogische Personal in den Kindergärten.

„Leider können unsere mehrjährigen Bauvorhaben nicht in dem Tempo abgewickelt werden, wie es wünschenswert wäre“, betont Ulrike Weiß. Geschuldet sei dies dem gesättigten Mark, einem enormen Preisanstieg bei einzelnen Gewerken und der Tatsache, dass die Auftragsbücher der Firmen in der Baubranche meist prall gefüllt seien. Entsprechend negativ fielen manche Ergebnisse von Ausschreibung und Vergabe aus. Beispielhaft seien hier die Turmsanierung St. Magnus, die Sanierung der Friedhofskirche St. Maria und der Haldenbergkapelle zu nennen.

Am Horizont zeigen sich aber auch schon wieder zwei Großbaustellen: So hat sich herausgestellt, dass die Sanierung des gesamten Kirchendachs der Jettenhausener St. Maria Gemeinde unumgänglich ist. Ursache des Übels seien offenbar marode „Bimsstegdielen“. „Die Gefährdungslage ist noch nicht akut, aber wir müssen an das Dach ran“, erklärt Ulrike Weiß unmissverständlich. Erste Kostenschätzungen gingen von einem Mindestbetrag von 500 000 Euro aus. Jetzt seien Überlegungen gefragt, wie die Maßnahme „nachhaltig“ umgesetzt werden könne – vor allem auch angesichts der Tatsache, dass die St. Maria Kirche für die Anzahl der derzeitigen Gottesdienstbesucher mittlerweile viel zu groß geworden sei. Mehr Kosten als erwartet dürfte die Sanierung des eingerüsteten Turms von St. Petrus Canisius verursachen. Bisher waren 322 000 Euro vorgesehen. „Im Verlauf des Baugeschehens ist leider deutlich geworden, dass es nicht genügen wird, wie geplant nur die schadhaften Stellen zu behandeln, sondern dass der Turm komplett neu verfugt werden muss“, erklärt die Kirchenpflegerin. „Hier steht ein Betrag von zusätzlichen 460 000 Euro im Raum.“ Deswegen habe man in Erwägung gezogen, im Augenblick nur die Westseite des Turmes in Angriff zu nehmen, und den Rest der Sanierungsmaßnahme auf 2024 zu verschieben, so Weiß.

Nicht zuletzt müssen sich die Kirchen mit einer Änderung des Umsatzsteuerrechts auseinandersetzen. Demnach sind ab 2021 juristische Personen des öffentlichen Rechts – und damit auch die Kirchengemeinden – umsatzsteuerpflichtig. Betroffen sind davon zum Beispiel die Bewirtschaftung der Gemeindesäle, die Erlöse von Gemeindefesten, Basaren, oder auch der Kaffeeausschank. „All das wird im Wesentlichen von Ehrenamtlichen gestemmt. Wie die neuen Anforderungen des Umsatzsteuerrechts damit in Einklang zu bringen sind, wird zu einer großen Herausforderung werden“, blickt Ulrike Weiß mit Sorgenfalten in die Zukunft.

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