Germania-Pleite: Im Reisebüro am Flughafen laufen die Telefone heiß

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Im Krisenmanagement gefordert: Julia Finger (links) und Kerstin Hans vom Alltours-Reisebüro am Flughafen.
Im Krisenmanagement gefordert: Julia Finger (links) und Kerstin Hans vom Alltours-Reisebüro am Flughafen. (Foto: Jens Lindenmüller)

Als Kerstin Hans am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr auf ihr Smartphone schaut, ist ihr sofort klar, was sie an diesem Arbeitstag im Alltours-Reisecenter am Bodensee-Airport erwarten wird. Gleich zur Öffnung des Schalters bildet sich eine Traube aus Kunden, die mit Germania in den Urlaub fliegen wollten. Und auch per Mail und Telefon werden Hans und ihre Kollegin Julia Finger mit Anfragen bombardiert.

„Seit 9 Uhr bin ich hier, seit 9 Uhr klingelt das Telefon“, berichtet Julia Finger, als besagtes Telefon um die Mittagszeit dann doch mal für ein paar Minuten stumm bleibt. Abgesehen von einer Anfrage sei es in allen Gesprächen des Vormittags um Germania und die Folgen der Insolvenz für die eigene Reise gegangen. Die meisten Kunden seien besorgt, einzelne aber auch richtig sauer. Wer fliegt mich statt Germania in den Urlaub? Und von welchem Flughafen aus? Das sind Fragen, die Finger und Hans zu diesem Zeitpunkt aber selbst noch nicht beantworten können. „Alles ist noch offen“, sagt Kerstin Hans. Denn zunächst sind die Reiseveranstalter gefordert, Lösungen für den Transport ihrer Kunden zu finden. Priorität haben dabei logischerweise jene, die in ihren Urlaubsgebieten festsitzen oder innerhalb der nächsten Tage fliegen wollen. Der erste Germania-Flieger ab Friedrichshafen, der nicht mehr abheben wird, ist jener nach Gran Canaria am Mittwochmittag.

Richtig fies betroffen sind die, die direkt über Germania gebucht haben

Passagierin

Eine der letzten Maschinen, die planmäßig am Bodensee gestartet ist, flog am Freitag nach Teneriffa. An Bord saß auch ein Paar aus Friedrichshafen, das sich am Dienstag nach einem entsprechenden Aufruf per E-Mail bei der Schwäbischen Zeitung gemeldet hat. „Wir selbst sind relativ entspannt, da wir genau aus solchen Gründen über einen Reiseveranstalter und ein Reisebüro buchen“, schreibt die 45-jährige Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Trotzdem sei sie leicht verunsichert, da sie noch nicht wisse, wie, wann und über welche Umwege sie wieder nach Hause kämen. Aber: „Richtig fies betroffen sind die, die direkt über Germania gebucht haben.“

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Zu denen gehört eine 31-jährige Häflerin, die im Mai mit Freund und Clique nach Sardinien fliegen will. „Wir haben bewusst bei Germania gebucht, weil wir von Friedrichshafen abfliegen wollten. Jetzt haben wir wohl Pech gehabt“, sagt sie. Mit einer Freundin, die ihren Flug noch nicht gebucht hat, habe sie noch am Montagabend auf die Homepage von Germania geschaut, um Preise zu vergleichen. Flüge seien da bereits nicht mehr buchbar gewesen. Glück für die Freundin.

Kunden, die direkt bei Germania gebucht haben, melden sich am Dienstag auch am Alltours-Schalter am Häfler Flughafen. Kerstin Hans und Julia Finger bleibt aber nichts anderes übrig, als sie mit ihren Fragen an den Info-Schalter des Flughafens zu verweisen. Die Fragen, die sich die beiden Mitarbeiterinnen des Reisebüros selbst stellen, sind andere: Was bedeutet das Germania-Aus für den Flughafen? Und für sie selbst? „Unser Umsatz wird deutlich einbrechen“, sagt Kerstin Hans. Denn gebucht würden am Flughafen fast ausschließlich Reisen mit Flug ab Friedrichshafen – entsprechend hoch sei der Anteil, der auf Germania-Flüge entfiel. Hans befürchtet, dass vor allem viele ältere Kunden ihre Reisen nicht umbuchen werden, sondern gleich komplett stornieren, weil sie nicht erst zu einem anderen Flughafen fahren möchten.

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