Genau lesen, exakt beobachten, gut spielen

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Schwäbische Zeitung

Beim Volleyballsport sind Statistiken und Videoanalysen das tägliche Brot. Doch was nützt es einem Trainer, wenn die Spieler die Vorgaben nicht umsetzen? Diese Sorgen hat Vital Heynen, seit der Saison 2016/2017 Trainer des VfB Friedrichshafen eher nicht. Wohl auch, weil beim VfB eine andere alte Weisheit zutrifft, nämlich, dass ein Trainer zur Mannschaft passen muss – und umgekehrt.

Bevor Vital Heynen beim VfB Friedrichshafen seinen Vertrag unterschrieb, hatte er sich die Rückkehr von Markus Steuerwald gewünscht. Der 28-Jährige ist am Bodensee aufgewachsen, machte in Friedrichshafen sein Abitur und wurde beim VfB auch einer der besten Liberos Deutschlands. In Paris, wo er dann sechs Jahre spielte, reifte er zu einem der besten Abwehrspieler Europas – nun ist er eine der Schlüsselfiguren in Heynens defensiver Spielweise.

Simon Tischer musste nicht zurückkehren, der Kapitän war schon da, als Heynen kam. Tischer ist Zuspieler, so wie einst auch Heynen. Er und Steuerwald, „meine beiden Alten“, wie Vital Heynen sie liebevoll nennt, sind die verlängerten Arme des Trainers auf dem Parkett. Sie spielen nicht nur gut, sie beobachten auch scharf, im Spiel, wie auch im Training. Und die Erkenntnisse werden mit dem Trainer diskutiert. „Sie helfen auch den jungen Spielern mit ihrer Erfahrung“, meint Vital Heynen. Und vor allem in kritischen Situationen.

Heute gegen Sastamala

Wenn nun am Mittwoch in der ZF-Arena das Champions-League-Spiel gegen den finnischen Meister Sastamala ansteht (20 Uhr), geht es für den bereits für die K.o.-Phase qualifizierten VfB vor allem darum, vorzeitig den Gruppensieg klarzumachen. „Es wird kein einfaches Spiel, weil wir müssen und Sastamala nicht“, betont Simon Tischer. Im Hinspiel gewannen die Häfler mit 3:0 und hatten nur in Satz eins ihre Probleme. Danach dominierten sie das Spiel.

Seither sind zwei Monate vergangen, in denen der VfB seine Spiele sowohl in der Bundesliga, wie auch in der Champions League dominiert hat. „Vital Heynen gibt uns vor jedem Spiel ein 20-seitiges Booklet zu lesen. Darin sind viele Bilder, aber auch wichtige Informationen zum Gegner und vor allem auch die Aufgaben für jeden Spieler. Ich bin überzeugt, dass ich seine Anweisungen in dieser Saison genauer lese“, benennt Markus Steuerwald eines der Erfolgsgeheimnisse. Und weiter: „Wir haben alle die Spielweise unseres Trainers verinnerlicht. Wer einmal verstanden hat, was Vital Heynen will, der hat es im Blut“, betont Steuerwald. Er schmunzelt dabei und fügt hinzu: „25 Siege in Serie hat keine andere Mannschaft in Europa geschafft. Aber wir genießen nur den Augenblick, denn gewonnen haben wir noch nichts.“

Und wenn es anders kommt? „Dann leben wir mit der neuen Situation“, sagt Tischer. Irgendwann wird die Siegesserie des VfB zu Ende gehen, doch Bange machen gilt nicht. „Es wird spannend sein, zu sehen, wie wir dann mit der neuen Situation umgehen“, meint Steuerwald. Auch Simon Tischer glaubt nicht ernsthaft daran, dass die Mannschaft danach schwächeln könnte.

Weil die beiden der Mannschaft helfen. Weil die übrige Mannschaft ihnen hilft, wenn sie Fehler machen, so wie etwa im Bundesligaspiel gegen Berlin. Im dritten Satz hatte der VfB sieben Matchbälle, den sechsten hätten sie schon verwandeln müssen. Simon Tischer wollte erstes Tempo spielen, doch Mittelblocker Philipp Collin erkannte es zu spät und der Ball fiel zwischen Tischer und Collin auf den Boden. Tischer hätte sich am liebsten im Boden vergraben, doch alle Spieler halfen ihm auf. Der nächste Matchball saß dann.

Vital Heynen erwartet von seiner Mannschaft wenig Fehler und eine starke Leistung im Block und Abwehr. Es ist sehr schwer gegen den VfB zu punkten. Doch alle Vorgaben sind Makulatur, wenn die Spieler es nicht umsetzen können. Das Training ist hart, die Vorbereitung intensiv und das Spiel ist die Belohnung für die Mühen. „Bisher haben wir die Sache gut gemacht. Nun müssen wir weiter gut arbeiten, damit wir uns weiter verbessern und dann da sind, wenn die Titel vergeben werden“, sagt Markus Steuerwald. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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