Der Theaterspielclub 18+ zeigt die Eigenproduktion „4444 oder der immer wieder kehrende Kevin“.
Der Theaterspielclub 18+ zeigt die Eigenproduktion „4444 oder der immer wieder kehrende Kevin“. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Wer möchte schon gerne wissen, wann es zu Ende geht? Der Theaterspielclub 18+ hat mit seiner Eigenproduktion „4444 oder der immer wieder kehrende Kevin“ das etwas morbide Thema mit Witz und Charme in Anlehnung an den Film „Das brandneue Testament“ umgesetzt. Dort war es ein Mann, der am Computer Gott spielt. In der Version des Theaterspielclubs ist es die Machthaberin, beraten von dem ebenso boshaften „Brain“, die ihre Spielchen mit den Menschen treiben.

Es ist ein kurzes Stück, das die Gruppe unter Anleitung von Jutta Klawuhn und Hannah Rech auf die Bühne des Kiesel gebracht haben, das unter anderem dem kurzfristigen Ausfall zweier Darsteller geschuldet sei, erklärte Hannah Rech zum Beginn der Premiere am Mittwochabend. Aber die 45 Minuten haben es dennoch in sich. Inspiration haben sich die Kursleiterinnen unter anderem von aktuellen Filmen wie „In time“ und „Das brandneue Testament“, Canettis Theaterstück „Die Befristeten“ und dem finnischen Roman „Der wunderbare Massenselbstmord“ geholt. Zugrunde liegt die Frage: Wenn alle Menschen ihr Todesdatum wüssten, würde das ihr Leben verändern?

Im Stück des Theaterspielclubs hat „Little“, die Tochter der Machthaberin, von den eigenmächtigen und grausamen Entscheidungen ihrer Mutter die Nase voll. Ihre Mutter stellt Regeln auf, die die Menschen unverzüglich zu befolgen haben. Sollten sie das nicht tun, droht sie damit, ihnen Lebenszeit zu entziehen. Diese Macht hat sie gar nicht, aber das wissen die Menschen nicht. Als der junge „Viktor“ durch Zufall einen Weg in die Schaltzentrale der Macht findet, türmt er mit Little in die Welt der Menschheit. Doch zuvor haben beide als böse gemeintes Abschiedsgeschenk für die Machthaberin via Mail allen Menschen ihren Todeszeitpunkt verraten und die Welt gerät aus den Fugen.

Was will man noch tun, bevor man stirbt? Sich vielleicht nochmal verlieben, heiraten oder vielleicht einen Menschen töten? Skurriles, Morbides, Rührendes und Witziges passiert auf der Bühne im Kiesel.

Obwohl anscheinend der „Wurm“ in dieser Produktion war und kurzfristig eine Teilnehmerin des Ravensburger Spielclubs eingesprungen ist, um die Aufführungen zu garantieren, machen das die Darsteller mit ihrem engagierten Spiel wett. Hinzu kommen aussagestarke Videoeinspielungen, die die Teilnehmer zuvor selbst gefilmt hatten oder Anleihen aus Comic-Strips und Filmen entnommen haben, um die Szenen auf der Bühne zu unterstreichen. Die Machthaberin ist böse, ihr „Brain“ ist hinterhältig, Little ist rechtschaffen und ihr Vater unterwürfig. Viktor ist der nette Junge, Luisa schön aber einsam, der Mörder verliert zum ersten Mal sein Herz und Kevin – tja, Kevin ist unbelehrbar. Das alles und noch mehr ist in 45 Minuten kurzweilige Unterhaltung verpackt. Es wird gestorben, gelebt und geliebt und letztendlich stellt sich dann für den Zuschauer noch eine abschließende Frage: Ist es vielleicht ein Stück Freiheit, nicht zu wissen, wie lange man lebt?

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen