Gegen Schließung von ZF-Standort regt sich weiter Widerstand

Lesedauer: 4 Min

ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich bei der Kundgebung an der Spitze des Proteszuges durch Gelsenkirchen.
ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich bei der Kundgebung an der Spitze des Proteszuges durch Gelsenkirchen. (Foto: Olaf Ziegl)
Ressortleiter Wirtschaft
Jörn Stender und Benjamin Wagener

Das alte TRW-Logo ziert noch immer die Arbeitskluft von Markus Spies. Der Techniker arbeitet in der Instandhaltung in der Fabrik auf Schalke, die der Friedrichshafener Autozulieferer ZF im Zuge der Übernahme des amerikanischen Konzerns im Jahr 2015 in die eigene Produktion eingegliedert hat. Wut und Frust spiegeln sich am Mittwoch im Gesicht des Arbeiters, als er aus der Betriebsversammlung kommt, um sich mit seinen Kollegen zu einem Protestzug durch den Norden Gelsenkirchens aufzumachen. „Es sind Versprechungen gemacht worden, die nicht eingehalten werden“, sagt Spies.

Aber wir werden um jeden Arbeitsplatz und um jede Ersatzfertigung in Schalke kämpfen."

Ein Kampf, der aus Sicht des Traditionsunternehmens vom Bodensee aussichtslos ist. „Die Produktion zum Jahresende 2018 voraussichtlich einstellen zu müssen, haben wir nicht leichtfertig angekündigt, sondern wohlüberlegt. An den betriebswirtschaftlichen Argumenten dafür hat sich heute nichts geändert“, sagte ein Sprecher der „Schwäbischen Zeitung“. Seit gut einer Woche ist klar, dass ZF für das Werk in Gelsenkirchen keine Perspektive mehr sieht, wo vor allem mechanisch und hydraulisch geprägte Lenkungen hergestellt werden, die die Konkurrenten von ZF seit Langem im billigeren Ausland herstellen.

Für die Unternehmensführung ist der Fall Schalke der eines einzelnen Werkes, das seit Jahren nicht profitabel ist und schon lange keinen substanziellen Auftrag mehr gewonnen hat. IG Metall und Betriebsrat machen den Kampf um den Standort in der Schalker Freiligrathstraße zu einem grundsätzlichen: Die Arbeitnehmervertreter sehen die Zukunft der Produktionsarbeitsplätze von ZF in Deutschland insgesamt bedroht.

Die Unruhe ist groß in der gesamten ZF-Familie. Es kann nicht sein, dass erstmals in der über 100-jährigen Geschichte ein Standort in Deutschland geschlossen wird. Hier auf Schalke habt ihr gezeigt, wie Qualität und Liefertreue gehen. Der Vorstand muss die Entscheidung ändern, lieber Gesichtsverlust als Arbeitsplatzverlust“,

rief Gesamtbetriebsratsvorsitzender Achim Dietrich bei der Kundgebung seinen Kollegen zu, bevor er sich gemeinsam mit der Delegation des Friedrichshafener Betriebsrats den marschierenden Demonstranten anschloss. Mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt ZF in Schalke, davon 350 in der Produktion.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski richtete auf der Kundgebung einen Appell an den Vorstand von ZF. „Die Forderung wird genau so lauten, wie es nötig ist: Verzichten Sie auf die Schließung dieses funktionierenden und leistungsfähigen Werkes! Überdenken und revidieren Sie diese Entscheidung – zum Wohle der Beschäftigten, ihrer Familien“, sagte Baranowski. ZF erklärte, zu seiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern zu stehen. „Wir bieten allen Mitarbeitern an, auf Arbeitsplätze an anderen deutschen ZF-Standorten zu wechseln“, sagte ein Sprecher. „Erste Anfragen von Mitarbeitern liegen uns bereits vor – und wir sind auch in der Lage, konkrete Angebote zu unterbreiten.“

Für Markus Spies kommt das gar nicht infrage. „Wir wollen hier arbeiten“, sagte der Mann aus der Instandhaltung. Hier, auf Schalke.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen