Gebürtige Häflerin erlebt den Brand von Notre-Dame hautnah mit

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Auch wenn als Brandursache eher ein Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten an der Fassade vermutet wird – die Bilder der in Flammen stehenden Kathedrale Notre-Dame haben am Montagabend bei vielen Menschen Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und am 13. November 2015 in Paris geweckt.

Auch bei Melina Garnier. Die gebürtige Häflerin lebt in Paris und hat den Großbrand unfreiwillig aus nächster Nähe miterlebt.

Auf der Rue d’Arcole pulsiert das Leben. Die Straße führt vom Hotel de Ville direkt zur Kathedrale Notre-Dame, der nach dem Eiffelturm meistbesuchten Pariser Sehenswürdigkeit. Schon allein deshalb zählt sie zu den touristischen Hauptadern der französischen Metropole.

Ein Ladenbesitzer klärt sie auf: "Notre-Dame" brennt

Auch als Melina Garnier am Montag um kurz vor 18.30 Uhr auf dem Weg zum Arzt durch die Rue d’Arcole schlendert, tummeln sich dort Heerscharen von Besuchern aus aller Welt. Eine Dreiviertelstunde später erkennt Garnier die Straße kaum wieder. Sie ist wie leergefegt und fast alle Geschäfte sind geschlossen.

Sie fragt einen Ladenbesitzer, der gerade am Absperren ist, was passiert sei. „Notre-Dame brennt“, sagt er. Und dann sieht sie die gigantische gelb-weiße Rauchwolke selbst. Garnier ist fassungslos.

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Ein Polizist fordert sie auf, die abgesperrte Zone zu verlassen. Vom Platz vor dem Hotel de Ville aus, wo sich bereits Hunderte Menschen versammelt haben, sieht sie dann erstmals auch die Flammen, die aus dem Spitzturm von Notre-Dame schlagen.

Mir gingen sofort die Bilder vom 11. September durch den Kopf

Melina Garnier

„Das war ein richtig krasser Moment. Mir gingen sofort die Bilder vom 11. September durch den Kopf“, sagt Melina Garnier. Nachdem sie das Unfassbare mit der Handykamera eingefangen hat, will sie vor allem eines: So schnell wie möglich nach Hause. Denn auch Erinnerungen an die Pariser Terroranschläge vom November 2015 werden wach.

Den stundenlangen Kampf der Pompiers gegen das Feuer verfolgt Garnier schließlich am Fernseher. „Was die geleistet haben, ist schon krass“, sagt sie. Zum Glück sei keiner der Einsatzkräfte schwer verletzt worden.

Am Telefon berichtet Melina Garnier am Tag danach, dass die Stimmung in der Stadt vergleichbar gelähmt sei wie nach den Ereignissen vor dreieinhalb Jahren. Natürlich sei es ein Unterschied, ob Menschen getötet oder ein Gebäude zerstört würden, dennoch: „Alles steht still.“

Nicht unbedingt, weil es Befürchtungen gebe, dass es erneut ein Anschlag gewesen sein könnte, sondern eher wegen des Stellenwerts von Notre-Dame für die Stadt.

Denn nicht wenige Pariser sehen in dem 800 Jahre alten Bauwerk nicht nur ein bedeutendes Monument und Wahrzeichen des Glaubens, sondern das wichtigste Wahrzeichen der Stadt überhaupt. „Es tut echt weh, diese Bilder zu sehen“, sagt Melina Garnier. Und nicht nur sie fragt sich: Wie konnte das passieren?

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