Gasleitung getroffen: 100 Menschen in Sicherheit gebracht

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Um 17.34 Uhr geht bei der Freiwilligen Feuerwehr der Alarm los. Bei vorbereitenden Erduntersuchungen in der Goldschmiedstraße, wo demnächst die Kanalisation saniert werden soll, ist eine Gasleitung angebohrt worden. An der Schadensstelle, mitten in der Fußgängerzone, tritt Erdgas aus. Binnen weniger Minuten nach Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr ist der Bereich um die Bohrstelle durch Absperrbänder großräumig abgeriegelt, Stadtverwaltung und Polizei beschließen, die umliegenden Häuser zu evakuieren. Rund 100 Menschen, die in der Goldschmied-, Wilhelm- und Dammstraße wohnen, sind davon betroffen.

Für all jene, die auf die Schnelle nirgends unterkommen, richten die Schnelleinsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes und die Johanniter Unfallhilfe auf dem Adenauerplatz eine Notunterkünft ein, bestehend aus zwei Zelten. Das geht ratzfatz. Die ersten Evakuierten bekommen schon kurz vor 19 Uhr ihre Registrierungsnummer angeklebt, eine halbe Stunde später sind‘s schon mehr als 30 Anwohner, die in den Zelten ein Plätzchen gefunden haben.

„Das war ein ganz schöner Schreck, als plötzlich die Polizei vor der Tür stand“, erzählt Hella Jürgens, die sich mit Ehemann Roland und Pudel Benny in die Obhut der Helfer begeben hat. Schnell ein bisschen Geld, Ausweis und Handy geschnappt, und raus aus dem Haus. Beim DRK und bei den Johannitern fühlt sich das Ehepaar fürs Erste zwar gut aufgehoben, ein bisschen mulmig ist den beiden aber immer noch. „Es hieß, dass es mindestens zwei Stunden dauern wird, bis wir wieder nach Hause können“, berichten sie. Wo sie die Nacht verbringen würden, falls sich die Reparatur der Gasleitung deutlich länger hinzieht, wissen sie nicht.

Blasen stoppen den „Gasfluss“

Wie lange es dauern wird, können auch die Experten zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen, denn erstens ist die Größe des Lecks noch nicht bekannt und zweitens ist die Reparatur auch unabhängig davon sehr aufwändig. Wie Hans-Peter Klesel von den Technischen Werken Friedrichshafen erklärt, lässt sich der „Gasfluss“ nicht einfach unterbrechen, da es keine Absperrvorrichtung gibt. Deshalb muss die Leitung auf beiden Seiten der Schadensstelle angebohrt werden, um luftballonartige Gummiblasen hineinpumpen zu können, die das Gas dann blockieren. Um an die etwa einen Meter tief gelegene Leitung überhaupt ranzukommen, muss erstmal das Pflaster und der darunter liegende Bitumenbelag aufgebrochen werden. Erst wenn die Gummiblasen das Gas aufhalten, kann das Loch untersucht und geflickt werden – mittels einer Schelle, die drumherum gespannt wird.

Um 22.30 Uhr ist es schließlich geschafft. Die Leitung ist wieder dicht, und die Anwohner dürfen in ihre Wohnungen zurückkehren.

Fotos vom Einsatz der Rettungskräfte sehen Sie hier.

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