Gas-Fracking ist "äußerst problematisch"

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Umweltminister Untersteller im Gespräch mit Journalisten auf der Bodensee-Fähre Euregia. (Foto: Hagen Schönherr)
Schwäbische Zeitung
Regionaler Online-Redakteur

Die Angst vor Erdgasförderung in der Bodenseeregion mit neuartigen Fördermethoden („Fracking) und die Folgen möglicher neuer Grenzwerte für Schadstoffe in Gewässern sind am Freitag Themen eines Besuchs des Baden-Württembergischen Umweltministers Franz Untersteller auf der Bodensee-Fähre Euregia gewesen.

Die vierstündige Fahrt auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) diente als Plattform für Fachgespräche von Wasserexperten, Politik und Journalisten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Auch die Technischen Werke Friedrichshafen gehören zur AWBR.

„Die Landesregierung steht dem Thema Fracking kritisch gegenüber“, sagte Untersteller in seinem Vortrag zur Haltung der Politik gegenüber Erdgas-Förderplänen der Industrie. Hintergrund ist die bestehende Verunsicherung von Behörden und Bevölkerung der Seeregion, nachdem das Freiburger Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) eine Konzession an einen irischen Gasförderer verlängern will.

Die Genehmigung erlaubt dem Unternehmen und einem weiteren Konzessionsinhaber aber lediglich das Sammeln geologischer Informationen in der Region und schließt weiterreichende Arbeiten – zum Beispiel Förderbohrungen – aus.

Ziel der Unternehmen könnte tatsächlich sein, in der Seeregion zwischen Singen, Konstanz, Laupheim und Isny Erdgas mit der sogenannten Fracking-Methode zu gewinnen. Dabei wird ein Cocktail aus Wasser und chemischen Hilfsmitteln unter hohem Druck in den Untergrund gepumpt. Die Flüssigkeit soll dann Gesteine „aufbrechen“, die sonst unlösliches Erdgas enthalten. Die Fördermethode ist wegen ihrer unbekannten Folgen für Umwelt und Grundwasser stark umstritten.

Konzession für 2500 Euro

Laut den Ausführungen von Umweltminister Untersteller und Experten auf der Euregia gilt es aber eher als unwahrscheinlich, dass eines Tages tatsächlich Fracking-Gas in der Seeregion gefördert wird. Der Landtag hatte bereits im Juni ein Moratorium für Gas-Fracking gefordert. Untersteller sprach zusätzlich auch von schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Fracking-Versuche.

„Die Gasvorkommen am Bodensee halten sich in überschaubaren Grenzen“, sagte der Minister. Experten glauben zudem, dass die Gasförderer die Konzessionen eher auf Verdacht erworben hätten, um Konkurrenten zuvorzukommen. Eine Konzession in der derzeitigen Form kostet laut LGRB lediglich 2500 Euro pro Fördergebiet.

Für brisante Diskussionen an Bord der Euregia sorgten auch Pläne der EU-Kommission, neue und scharfe Grenzwerte für sogenannte „Spurenstoffe“ in Gewässern einzuführen. Dazu gehören unter anderem Arzneimittelrückstände und Industriechemikalien, die bisher nicht scharf überwacht wurden. Das Land fördert den Bau neuer Kläranlagen zum Filtern dieser bislang unbeachteten Schadstoffe derzeit mit sieben Millionen Euro.

Spurenstoffe im Fadenkreuz

Heinz-Jürgen Brauch vom Karlsruher „Technologiezentrum Wasser“ (TZW) nannte die Pläne der EU „nicht richtig“, auch wenn Spurenstoffe grundsätzlich ein wichtiges Thema seien. Die Wasserwirtschaftler auf der Euregia fürchteten unter anderem, dass der Bodensee künftig zum „roten See“ werden könnte. Das sei der Fall, wenn die Wasserqualität auf Karten durchgehend rot, also stark belastet, markiert würde.

Das könnte passieren, da bereits die Überschreitung eines einzelnen Schadstoff-Grenzwerts zur ungenügenden Bewertung eines Gewässers führen würde – und der Bodensee trotz relativ sauberen Wassers etwa mit der Rhone oder dem stark verschmutzten italienischen Po gleichgestellt würde.

„Wir haben ein Problem mit dieser Herangehensweise“, sagte Untersteller jetzt – er will sich für eine Regelung einsetzen, die Unterschiede in der Sauberkeit von Gewässern deutlicher aufzeige.

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