Friedrichshafens Klinikum-Chef will Informationen haben, statt zu jammern

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Friedrichshafens Klinikum-Chef will Informationen haben, statt zu jammern
Friedrichshafens Klinikum-Chef will Informationen haben, statt zu jammern
Schwäbische Zeitung

Sparzwang im Gesundheitssystem ist an der Tagesordnung. Als Johannes Weindel, Geschäftsführer des Klinikum Friedrichshafens, im Oktober die Pläne des neuen GKV-Strukturgesetzes (betrifft die Struktur der G esetzlichen K ranken v ersicherungen und damit auch die Krankenhäuser) auf dem Tisch liegen hatte, nahm er Kontakt mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen auf. Der Fachmann in der Gesundheitspolitik und nahm die Einladung gerne an. Mit ihm kam Thomas Bareiß, CDU-Abgeordneter aus dem Zollernalbkreis - Sigmaringen ans Klinikum.

„Wir wollten nicht ins Jammern verfallen, sondern wissen, was dieses neue Gesetz und die Zukunft im Gesundheitswesen für die Klinik bedeutet“, meint Johannes Weindel.

Die Themen des Gesprächs drehten sich zu einen um die steten Steigerungen der Kosten, die durch die demografische Entwicklung, die höheren medizinischen Anforderungen und nicht zuletzt die Tarifvereinbarungen für die Mitarbeiter zustande kommen. Ganz unabhängig, wie diese Tarifeinigung ausgehe, sieht Weindel eine immer größer werdende Schere zwischen den gesetzlich geregelten Einnahmen eines Krankenhauses und seinen nötigen Ausgaben. Das Klinikum Friedrichshafen habe sich in den vergangenen Jahren mit einer Strategie zu finanzieren gewusst, die zu einem Drittel aus Einsparungen, zu zwei Dritteln aus Erlössteigerungen zustande gekommen seien. Solche Erlössteigerungen sind unter anderem auch dadurch erreicht worden, dass das hiesige Klinikum Zusatzleistungen erbringt, die aufgrund der Qualifikation und der Ausstattung auch gerechtfertigt sind, zu denen ein kleines Landkrankenhaus allerdings nicht unbedingt in der Lage wäre. Der Vorschlag von Lothar Riebsamen zur Sicherung der Krankenhausfinanzierung sieht vor, dass medizinische Leistungen, die nötig sind, nach wie vor bezahlt werden, dass Zusatzleistungen wie die Hüft-Operation eines 50-Jährigen oder andere nicht unbedingt nötige Leistungen jedoch nur zu 70 Prozent finanziert würden. Hintergrund ist, dass es in ganz Deutschland eine Menge dieser medizinischen Eingriffe gebe, die in vielen Fällen allein zur Finanzierung von Einrichtungen dienen würden.

Die Lage der Kliniken malt Riebsamen nicht sonderlich rosig. Zum einen kämen die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nicht nach, was die Häuser zu „unangemessenen Mengensteigerungen zwingt. Die Betten müssen gefüllt werden.“ Zum anderen drehe die Tarifrunde an der Kostensteigerung.

Für Johannes Weindel stellen die Aussichten keine Dramatik dar, er sieht darin viel mehr eine höhere Planungssicherheit. Wenn das Klinikum heute 150 Neuerkrankungen im Brustkrebsbereich verzeichne und diese Zahl durch das Brustzentrum versorgt werden könnten, dann stelle das keine Zusatzleistung dar, die nicht nötig wäre, sondern die originäre Aufgabe des Klinikums.

Zwischen den Zeilen drückt der Riebsamen-Vorschlag die Problematik aus, die in der Gesundheitsdebatte immer wieder thematisiert wird. Medizinische Leistungen sollen vermieden werden, wenn sie nicht nötig sind und der Patient, dem eine teure Operation empfohlen wird, sollte sich statt dessen eine weitere Meinung einholen, statt sich gleich unters Messer zu begeben. Das spare im Jahr rund 400 Millionen Euro, schätzt Riebsamen.

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