Friedrichshafen soll eine Kulturszene für alle Bürger bekommen

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Kultur ist ein weiter Begriff. Nicht einfach, dazu ein Konzept zu erstellen, das alle zufrieden stellt.
Kultur ist ein weiter Begriff. Nicht einfach, dazu ein Konzept zu erstellen, das alle zufrieden stellt. (Foto: (Archiv) Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Der Sachstandsbericht des Kulturentwicklungskonzeptes, einschließlich der Stärken/Schwächen-Analyse und des Ausblicks auf die weitere Arbeit, ist am Mittwoch vom Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderates einstimmig zur Kenntnis genommen worden. Damit beginnt laut Bürgermeister Köster jetzt die eigentliche Arbeit.

Es gab ein Präludium: Bürgermeister Andreas Köster stimmte es an und erklärte darin nicht nur den Arbeitssprozess, der zu diesem ersten Sachstandsbericht geführt hatte, sondern auch die Besonderheiten und die Umstände, unter denen er entstanden ist. Zeitgleich mit diesem Bericht wurde die Wiederbelebung des Bahnhof Fischbachs, die Professionalisierung des Kulturhauses Caserne sowie das Thema Kultur im ISEK-Prozess und die Neugestaltung der Kulturvereinsförderrichtlinien bewerkstelligt.

Köster hatte sich dafür zusammen mit einem Team eine Bestandsaufnahme vorgenommen, die sehr umfangreich ist. Mitgewirkt haben daran nicht nur Mitarbeiter des Kulturbüros, sondern maßgeblich seine persönliche Referentin Sabine Wiggenhauser sowie Matthias Klingler, Chef des Graf-Zeppelin-Hauses und Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH, sowie Akteure der Kulturszene und Vertreter des Kulturforums Fallenbrunnen. Diese Bestandsaufnahme erhebt zwar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, stellt aber auch nur den Beginn der eigentlichen Arbeit dar, wie Köster es betonte.

So geht es weiter

Nach diesem ersten Bericht und der enthaltenen Stärken/Schwächen-Analyse sollen in einem zweiten Schritt Ideen gesammelt werden, die Schwächen zu beheben und die formulierten Ziele zu erreichen.

Es soll eine Kulturszene für alle Bürger der Stadt geschaffen werden. Das Angebot soll sich an Zielgruppen orientieren, um auch für Jugendliche und junge Erwachsene ein attraktives Angebot zu bieten und die im ISEK-Prozess bereits angeführten Freiräume für neue Ideen zu schaffen. Eine erneute Bürger-Beteiligung über die Online-Plattform „Sag’s doch“ ist in diesem Schritt ebenfalls vorgesehen. Nach den Sommerferien soll es dann einen Expertenworkshop mit den in der Kulturszene Friedrichshafens aktiven Beteiligten geben. Daraus und aus den Ergebnissen der Online-Beteiligung soll bis Ende des Jahres ein Zwischenbericht erstellt werden, der dann in weiteren Schritten diskutiert und zu einem Konzept verarbeitet werden soll.

Damit einher geht unter anderem die Prüfung einer Stelle oder Funktion eines Beauftragten für Kulturkoordinierung in der Verwaltung und die Hinzuziehung einer externen Beratungsstelle für die Erstellung des Konzeptes.

Das sagen die Fraktionen

Letzteres hält Bürgermeister Andreas Köster nicht für nötig, die anderen Beteiligten und auch mehrheitlich der Ausschuss sehen darin aber einen gangbaren Weg, unabhängig und neutral zu einem Kulturentwicklungskonzept zu kommen – auch wenn dadurch Kosten in fünfstelliger Höhe entstehen können.

Dieter Stauber (SPD) begrüßte vor allem die Einrichtung einer Stelle für den „Kulturbauftragten“. Die Kulturspielstätten aber sollten auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit überprüft werden, so Stauber. Für Regine Ankermann (Grüne) stand die Schaffung eines gemeinsamen und verbindlichen Veranstaltungskalender an erster Stelle und Hans-Jürgen Bauer (CDU) mahnte, auch an die „Kultur nach der Kultur“ zu denken.

Dafür, so Bürgermeister Andreas Köster, seien Fachleute wie Stadtmarekting-Chef Thomas Goldschmidt mit an Bord. Generell aber habe die Gastroszene in Friedrichshafen sicher auch noch „viel Luft nach oben“.

Angelika Drießen (Freie Wähler) lobte bei diesem ersten Sachstandsbericht vor allem die von Stadtdiakon Ulrich Föhr ins Spiel gebrachte Einrichtung einer Kultur-Tafel. „Zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einer Stadt gehören sowohl gesellschaftliche und kulturelle als auch sportliche Veranstaltungen“, so Ulrich Föhr. Eine Kulturtafel Friedrichshafen könnte für Menschen mit geringerem Einkommen trotzdem Karten für Kulturveranstaltungen bereithalten und ihnen den Besuch ermöglichen.

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