Freundeskreis Polozk blickt auf beachtliche Bilanz

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Karl Bachmann und Rotraut Binder unterzeichnen im Mai 2008 mit der Chefin der Polozker Kinderpoliklinik, Galina Waitkewitsch, di
Karl Bachmann und Rotraut Binder unterzeichnen im Mai 2008 mit der Chefin der Polozker Kinderpoliklinik, Galina Waitkewitsch, di
Schwäbische Zeitung

Mit dem 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen den Städten Friedrichshafen und Polozk in diesem Jahr begeht der Freundeskreis Polozk sein 15-jähriges Vereinsjubiläum. Mit der Herausgabe des Lesebuchs zur Partnerschaft „Polozk -- Gibt es da auch einen Urwald?“ hat der Verein schon gefeiert. Er weist zudem eine beachtliche Bilanz vor.

„Wir wollen als Verein die vielfältigen Aktivitäten der Bürger und Vereine in der Stadt bündeln, ein breites Engagement fördern, unbürokratisch und verwaltungsunabhängig handeln.“ Mit diesem Anspruch traten im Juni 1995, fünf Jahre nach dem Partnerschaftsbeschluss, Karl Bachmann, Fritz Sorg und Rotraut Binder an die Öffentlichkeit. Bis dahin existierte zur Pflege der Partnerschaft mit Polozk ausschließlich der städtische Arbeitskreis, in dem ausgewählte Personen eine beratende Funktion einnahmen.

Von 62 Interessenten wurde am 21. Juni 1995 der eingetragene Verein „Freundeskreis Polozk Friedrichshafen“ gegründet. 15 Jahre später sind es nun 230 Mitglieder und darüber hinaus 125 Paten, die über das ganze Bundesgebiet verstreut sind. Das Vereinsengagement hat sich auch finanziell enorm gesteigert: Seit 1995 summiert sich der Sach- und Geldspendentransfer des Vereins auf 531 000 Euro, davon 146 000 Euro für Patenschaften. Kindergärten und Schulen allein spendeten in den vergangenen sieben Jahren 11 000 Euro für die Aktion „Haste mal ‘nen Euro?“, mit denen vom Verein Vitaminpräparate beschafft wurden. 115 Tonnen gut erhaltener gebrauchter Kleidung wurden in der Verantwortung des Vereins nach Polozk expediert. Die Ehrenmitglieder Alwine und Horst Stoll hatten dabei den allergrößten Anteil beim Anliefern und Verpacken der Kleiderspenden.

Der Kontinuität verheißende Vereinsvorstand – Karl Bachmann und Rotraut Binder sind seit Vereinsgründung gleichberechtigte Vorsitzende – überdachte immer wieder neu die Art der Hilfe und Kooperation: „Was ist als zeitgemäß, verhältnismäßig und vor allem nachhaltig anzusehen?“ Auch aus diesem Grund wurden 2009 die Hilfslieferungen eingestellt. Dafür setzte man gezielt auf höherwertige Sachgüter wie medizinische Geräte. Sport- und Winterkleidung für bedürftige Kinder wurde vor Ort eingekauft.

Die Sorge des Vereins gilt vor allem den Jüngsten in der Partnerstadt: den Diabeteskindern, den behinderten und besonders benachteiligten Kindern. 127 persönliche Patenschaften wurden dazu geschlossen, die nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem auch Kontakte zwischen deutschen und Polozker Familien bewirken. Mit dem Projekt „Hör mal!“ ging der Freundeskreis Polozk ganz neue Wege: Im Mai 2008 wurden in einem feierlichen Akt schriftliche Vereinbarungen von Rechten und Pflichten unterzeichnet zwischen der Kinderpoliklinik in Polozk und dem Freundeskreis Polozk. 42 Kinder und Jugendliche erhielten in der Folge neue Hörgeräte und die notwendige logopädische Unterstützung. Andreas Wolter als Fachmann aus Friedrichshafen übernahm ehrenamtlich die Anpassung der Hörgeräte.

Größter Aktivposten in den Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen den Städten sind für den Freundeskreis Polozk die gesellschaftlichen Organisationen: der Frauenrat, der Verein „Strumok“ für Eltern behinderter Kinder, der Verein „Tschernobylhilfe“ und die Rollstuhlfahrervereinigung in Polozk. Sie gewährleisten laut Verein die korrekte Verteilung der Güter.

Im Sinne von Völkerverständigung und Friedensarbeit standen zahlreiche Begegnungen in Friedrichshafen und Polozk. Zug- und Flugreisen und drei Campingreisen brachten immer neue Menschen in die Partnerstadt. Umgekehrt ist der Freundeskreis oft und gerne Gastgeber für Privatpersonen, bürgerschaftlich Engagierte und Musikgruppen aus Polozk. Unzählige dauerhafte Freundschaften wurden so schon geschlossen.

Mit dem deutsch-russischen Kinderbuch vom „Schwanenkind Pauline, das den Mond fangen wollte“, das kostenlos an Büchereien und Schulen in Polozk wie auch im Bodenseekreis verteilt wurde, gelang ein besonderes kulturelles Projekt der Völkerverständigung. Nicht zuletzt mit dem „Lesebuch zur Städtepartnerschaft“ von Rotraut und Jürgen Binder hofft der Freundeskreis Polozk, weitere Sympathien zu gewinnen.

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