Fraktur, Walburn, Poynter – die Schriftarten der SZ

Lesedauer: 4 Min
Mit oder ohne Serifen, fett, kursiv, normal – die SZ nutzt viele unterschiedliche Schriften.
Mit oder ohne Serifen, fett, kursiv, normal – die SZ nutzt viele unterschiedliche Schriften. (Foto: mps)
halm und Hassan Al Mohtasib

Auch wenn diese Zeitung morgen auf Bilder gänzlich verzichten würde – was schmerzlich für Journalisten und Leser zugleich wäre – würde dieses Blatt eine seiner Hauptaufgaben erfüllen: Sie gut informieren. An jenem Dienstag, dem 4. Dezember 1945, erschien die Schwäbische Zeitung auf acht Seiten und ohne ein einziges Bild. Das stimmt jedoch genau genommen nicht. Schriften sind nämlich codierte Bilder. Jede Schriftart sagt dem Leser mehr als das, was das Geschriebene sinngemäß vermitteln möchte. Fangen wir mit dem Kopf dieser Zeitung an: Viele Zeitungen in der Welt tragen ihren Namen – auch Kopf genannt – in Fraktur gesetzt. So nennt man diese Art von Schriften, die von der Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum war. Sie heute noch einzusetzen, knüpft an diese lange Tradition und drückt damit eine Selbstverpflichtung dieses Blatts aus.

Unsere Überschriften werden jedoch in einer moderneren Schriftart gesetzt, die jedoch genauso traditionsbewusst ist. Die Schrift heißt Walburn. Der Name verrät schnell, dass sie eine moderne Abwandlung der berühmten Schrift Walbaum ist, die um 1800 entworfen war. Sie war die deutsche Antwort auf die französische Didot und die italienische Bodoni. Diese drei Schriftarten sind die weltbekanntesten Vertreter der sogenannten klassizistischen Antiquaschriften. Sie vermitteln durch ihre stolzen vertikalen Linien und selbstbewussten Kurven Autorität und Glaubwürdigkeit. Die Schrift, in der die langen Texte dieser Zeitung gesetzt sind, heißt Poynter. Sie fällt nicht besonders auf. Sie wirkt nicht besonders „extrovertiert“ wie die Walburn. Das ist richtig so. Denn Grundschriften sind nicht dafür da, starke Überschriften zu tragen. Sie müssen robust, lesbar, druckbar sein und sie müssen einen großen digitalen Satzkasten enthalten, damit man Wörter vieler Sprachen setzen kann. Für die kürzeren Texte, Info-Kästen, Tabellen und Grafiken benutzt diese Zeitung eine Schwester der Poynter gothic, die keine Serifen besitzt. So nennt man die kleinen Endungen an den Buchstaben. Diese serifenlosen Schriften sind pragmatisch, flexibel und man kann damit praktischere Informationen vermitteln. Somit spricht die Zeitung zum Leser mit verschiedenen Stimmen und zeigt viele Gesichter ohne ein einziges Bild zu gebrauchen. Aber wer von uns freut sich nicht am Anblick eines schönen Bildes in seiner Zeitung. Keiner!

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen