Früherer Messegeschäftsführer Ernst Haller ist gestorben

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Ernst Haller ( ) beim SZ-Interview vor der Veröffentlichung seines letzten Buches im Garten seines Hauses in Fischbach.
Ernst Haller ( ) beim SZ-Interview vor der Veröffentlichung seines letzten Buches im Garten seines Hauses in Fischbach. (Foto: sig)
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Es war ein erfülltes Leben, das der überzeugte Fischbacher und weit über Friedrichshafen hinaus bekannte Ernst Haller leben durfte. Im Alter von 81 Jahren ist er jetzt gestorben. Der einstige Messegeschäftsführer und spätere Autor von fünf Büchern sowie unzähligen Buchbeiträgen hat sich in vielen Bereichen Verdienste erworben und Karriere gemacht. Vor allem bei der Messe. Die war sein Leben, wie er einmal bekundete.

Bevor Ernst Haller als Elektrotechniker bei den damaligen Technischen Werken einstieg, hatte er in der freien Zeit vor dem Beginn einer Lehre Messeluft bei der IBO geschnuppert. Nach dem nebenberuflichen Studium der Elektrotechnik und einer Ausbildung zum Betriebswirt war es für ihn die logische Konsequenz, das Angebot als Technischer Leiter bei eben dieser Messe anzunehmen, die 1968 vor dem Standortwechsel vom Riedlewald in die Meistershofener Straße stand.

Die nun neuen (festen) Hallen mussten gefüllt werden. Es waren Ideen gefragt. Und die hatte Ernst Haller. Allein sieben neue Veranstaltungsthemen hat er generiert, darunter die Aero und die Rennsportmesse RMF. 1988 wurde er Geschäftsführer und sein Drängen auf eine Erweiterung erfüllte sich 2002 mit der Neuen Messe, wie sie sich heute präsentiert und an deren Gestaltung er wesentlich beteiligt war.

Mit dem Wechsel in den Ruhestand hat sich sein Schaffensdrang nicht erschöpft. Der ehemalige Messegeschäftsführer wechselte ins Metier Heimatgeschichte und brachte im Gessler Verlag fünf Bücher heraus. Die Kunst- und Kulturstiftung des Bodenseekreises verlieh ihm dafür 2016 den Kulturpreis und würdigte damit nach der Ehrennadel des Landes und dem Stadtehrenbrief seine Reihe kulturhistorischer Arbeiten zum Bodenseekreis, insbesondere zu Friedrichshafen und Fischbach.

„Das lag mir immer schon“, sagte er einmal. Das war schon in der Jugend so gewesen, erst recht als er seine Frau Helga kennenlernte – und er sich als „leidenschaftlicher Briefeschreiber“ entpuppte. Drei Briefe pro Woche waren keine Ausnahme.

Als ihn der damalige Präsident der „Seegockel“, Albert Brauchle, ansprach, eine Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum zu produzieren, ging es richtig los. Aus diesem Engagement wurde das Buch „Fasnetzeiten“ - und Ernst Haller blieb am Ball, und als ihn der einstige Häfler Stadtarchivar Georg Wieland bat, die Geschichte des Weinbaus am Bodensee in ein Buch umzusetzen, war der Bann erst recht gebrochen. Drei Jahre recherchierte er bis zur Herausgabe des Buches „Seewein“. Seither wissen nicht nur die Häfler, dass Buchhorn und ab 1811 Friedrichshafen bis zum Jahr 1912 um die 90 Hektar Rebflächen besaß. Das waren fast so viel wie Hagnau heute hat.

Nach den „Fasnachtszeiten“ und dem „Seewein“ war es der Titel „Mühlen“ in und um Friedrichshafen, unter dem er sich liebevoll und intensiv mit der Geschichte der ehemals sieben Mühlen in Fischbach beschäftigte.Das Jubiläumsbuch „1250 Jahre Fischbach, Manzell und Spaltenstein“ sowie die „Alten und vergangenen Gasthöfe in und um Friedrichshafen“, die er im Verlag Gessler veröffentlicht hat, waren weitere Höhepunkte seines Autoren-Wirkens.

Schließlich gründete er mit anderen den Geschichtsverein Fischbach und engagierte sich auch im Arbeitskreis Stadtgeschichte. Ernst Haller war auch im Verein zur Pflege des Volkstums engagiert, zunächst als Elferrat von 1964 bis 1981, und zuletzt dessen Ehrenmitglied. Außerdem gehörte er dem Präsidium der Traditionsgemeinschaft „Alte Adler“ an, in der Mitgliedsbedingung der Erwerb des Flugzeugführerpatents ist. Denn auch Pilot, aktiver Heißluftballonpilot, Funker mit Amateurfunklizenz und Segler war Ernst Haller. Letzterer Herausforderung stellte er sich im Zusammenhang mit der Ankunft der Aero auf der Häfler Messe.

Politisch war er bei den Freien Wählern in wechselnden Funktionen aktiv. „Ernst Haller war ein verlässlicher und angenehmer Partner und eine Persönlichkeit, bei dem der Mensch im Vordergrund stand. Die zahlreichen persönlichen Begegnungen mit ihm und seine offene, freundliche Art werde ich in bester Erinnerung behalten“, so Oberbürgermeister Andreas Brand.

Seit 1961 war der 1938 in Ravensburg geborene Ernst Haller mit seiner Frau Helga verheiratet. Er hinterlässt neben ihr zwei Söhne mit ihren Familien, darunter vier Enkelkinder.

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