Flughafen Friedrichshafen will schnell Ersatz für Germania finden

Lesedauer: 7 Min
Germania
Ein Airbus A319 der deutschen Fluggesellschaft Germania hebt vom Flughafen ab. (Foto: Christoph Schmidt / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Mit der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania bricht dem Bodensee-Airport Friedrichshafen ein großer Teil des Angebots weg. Im vergangenen Jahr flog etwa ein Drittel aller Passagiere am Bodensee mit der Airline.

„Für die Region und den Bodensee-Airport ist der Ausstieg der Germania äußerst bedauerlich“, sagte Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr. Die Routen seien wirtschaftlich erfolgreich gewesen. „Wir sind deshalb zuversichtlich, dass ein passendes Flugangebot auch in Zukunft alle Chancen hat. Wichtig für die Region ist, dass wesentliche Verkehrsangebote auch weiterhin bestehen.“ Landrat Lothar Wölfle ergänzte: „Der Flughafen wird nun die nötigen Schritte einleiten, um den finanziellen Schaden möglichst gering zu halten. Der Ausfall der Germania trifft uns hart aber nicht unvorbereitet.“

Bürger reagieren auf Insolvenz von Germania
Germania ist pleite. Die viertgrößte Fluglinie Deutschlands ist insolvent. So reagieren die Bürger aus Friedrichshafen darauf.

Zugleich dämpfte er die Hoffnung auf schnellen Ersatz: „Die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit hat gezeigt, dass solch eine Lücke nicht so schnell zu füllen sein wird.“ Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand forderte in einer ersten Stellungnahme von der Flughafen-Geschäftsführung, die „kurz-, mittel- und langfristige Planung neu auszurichten und mit Aufsichtsrat und Gesellschaftern abzustimmen.“ Stadt und Kreis sind zu je knapp 40 Prozent Gesellschafter des Flughafens.

Pauschalreisende sollen Veranstalter kontaktieren

Der Flughafen riet Passagieren, die eine Pauschalreise gebucht haben, sich mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen, um eine Alternative zu organisieren. Man sei in Kontakt mit allen großen Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften, um die Lücke im Flugplan umgehend zu schließen.

In der Nacht hatte die insolvente Fluglinie den Betrieb eingestellt. Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft mbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Nicht betroffen sind die Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle.

„Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb“, erklärte Geschäftsführer Karsten Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe,habe aufgrund der Gesetzeslage keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung.

Unlängst war bekanntgeworden, dass die Fluggesellschaft Germania mit mehr als 30 Mittelstrecken-Jets in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr.

Sagen wir mal so - die Urlaubsfreude ist nicht mehr ganz ungetrübt. Eine Betroffene

Vom Bodensee aus flog die Airline zuletzt unter anderem Ziele in den Urlaubsregionen Mallorca, Antalya, Rhodos und Teneriffa an. Von dort meldete sich am Dienstag eine Betroffene bei der „Schwäbischen Zeitung“. Erst am Freitag war sie mit ihrem Partner vom Bodensee-Airport in Friedrichshafen auf die Atlantik-Insel geflogen. Die 45-Jährige aus einer Gemeinde im Bodenseekreis sagt: „Genau aus solchen Gründen buchen wir über Reiseveranstalter und Reisebüro.“ Als sie von der Insolvenz der Airline erfuhr, habe sie gleich eine E-Mail an das Reisebüro geschrieben. Von dort habe sie die Information erhalten, dass sie sich mit dem Reiseveranstalter vor Ort in Verbindung setzen müsse. „Nun schauen wir also mal, wo wir diesen hier finden", sagt sie. 

Da bei einer Pauschalreise der Veranstalter für die Rückreise sorgen muss, kann das Paar aus dem Bodenseekreis vergleichsweise entspannt bleiben. Dennoch sagt die Betroffene: „Man ist leicht verunsichert, da man nicht weiss wie oder wann und wohin man nun nach Hause kommt. Sagen wir mal so - die Urlaubsfreude ist nicht mehr ganz ungetrübt... “ Und weiter: „Ich empfinde die Insolvenz als sehr schade, da Germania echt klasse ist, Urlaubsflüge ab Friedrichshafen echt bequem sind und auch nicht soviel mehr kosten, als an anderen Standorten.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen