Ein Popstar der Herzen: Wincent Weiss bei seinem ausverkauften Konzert auf dem Kulturufer.
Ein Popstar der Herzen: Wincent Weiss bei seinem ausverkauften Konzert auf dem Kulturufer. (Foto: Harald Ruppert)

Diese etwa 30 Mädchen sind beinharte Fans: 19 Stunden warten sie vor dem großen Zelt, um beim Konzert von Wincent Weiss in der ersten Reihe zu stehen. Sie kommen aus Augsburg, München, Tübingen und der Schweiz, haben Decken, Verpflegung und Sonnencreme dabei. Zwischen 16 und 19 Jahren sind sie alt und es gewohnt, Wincent nachzureisen. Was ist eigentlich so toll an diesem 25-jährigen Senkrechtstarter aus Schleswig-Holstein? „Er ist bodenständig“, „Er verstellt sich nicht“, „Er sieht gut aus“, kommen die Antworten der Mädels, die sich gerade eine wagenradgroße Pizza teilen. Kurzum: „Er ist einfach er selbst“.

Liebesgaben von den Fans

Wincent Weiss ist also ein ganz normal gebliebener Popstar. Sein Auftritt am Abend im seit Wochen ausverkauften großen Zelt bestätigt das. Wincent geht mit seinen 1150 Fans um, als wäre er mit ihnen in derselben Schulklasse. Eine Klasse, die vor allem aus Mädchen besteht; die jüngsten davon gerade mal zehn Jahre alt. Einige haben ihm Liebesgaben mitgebracht: verpackte Geschenke, T-Shirts und sogar einen kleinen Schnaps. Wincent öffnet das Fläschchen, legt sich den Schraubverschluss auf die Nasenspitze und kippt den Kurzen; ein echter Kumpeltyp.

Er ist einfach er selbst“

Wer zu Wincent kommt, will die beste Zeit seines Lebens haben und bekommt sie. Wincent macht Musik für den Bauch. Dorthin zielen die wuchtigen Schlagzeugbeats, der starke Bass und die Vehemenz, mit der er seine Texte singt. Das heißt, sofern er überhaupt zu singen braucht. Die schwitzige Menge im aufgeheizten Zelt singt einen Song schon mal von vorn bis hinten ohne ihn: „Ey, da müsste Musik sein, überall wo du bist. Und wenn es am schönsten ist, spiel’ es wieder und wieder.“ Die Lieder von Wincent Weiss beschwören mit Euphorie die großen Gefühle – die Liebe, das Verlassensein, das unbedingtes Vertrauen zueinander: „Wenn alle Stricke reißen, halten wir uns aneinander fest“.

Dabei ist Wincent immer völlig bei seinen Fans. Mehrfach steigt er von der Bühne und wird Teil der Menge, er dirigiert und animiert sie: mal zum Hüpfen auf der Stelle, mal zum Lichtermeer aus Handy-Taschenlampen. Er holt aber nicht nur das junge Publikum ab, sondern auch das erwachsene – nicht nur, indem er den Eltern dafür dankt, den Nachwuchs zu seinem Konzert begleitet zu haben.

Er singt auch Texte voller Nostalgie, mit denen das Mädchen aus der Mittelstufe ebenso viel anfangen kann wie dessen Mutter: „Wisst ihr noch, wir saßen alle im Kreis. Wir haben die Flasche gedreht und die Wahrheit geteilt. Und heute noch, damit uns niemand vergisst, stehen uns’re Namen in Herzen in Tische geritzt.“

Jede Strophe ist ein Fest und jedes Lied eine Hymne mit Texzteilen, die wie Werbeslogans nachhallen: „Lass und leben wie ein Feuerwerk“, singt Wincent, und das schlägt ein wie eine Bombe. Der Blick ins Gesellschaftliche oder gar Politische spielt bei den jungen deutschen Popstars keine große Rolle mehr. Das eigene Erleben ist das Maß der Dinge. Es wird ins Monumentale gesteigert und macht auch das Konzert von Wincent Weiss zur Party, auf dem das Publikum sich selbst feiert.

Die Fans schicken eine Dankbarkeit in Richtung Bühne zurück, die bereits Wincents Vorband fast auf Händen trägt: den 27-jährige Xavi und seine Musiker. Verdient habe sich sich die warmen Reaktionen allemal. Xavi gelingen ja auch die vielleicht schönsten Liedzeilen dieses Abends: „Das Leben hat kein Versmaß, nur ’ne schiefe Melodie. Doch wahrscheinlich liegt gerade da die Poesie.“

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