„Falschparken“ der Blauen Blume beendet

Lesedauer: 4 Min

Die Blaue Blume soll vor das Heizhaus ziehen.
Die Blaue Blume soll vor das Heizhaus ziehen. (Foto: Ralf Schäfer)

Das Wohn- und Kulturprojekt Blaue Blume soll vor das alte Heizhaus im Fallenbrunnen ziehen. Damit soll der illegale Standort auf dem Stellplatz Windhager Straße aufgelöst werden. Das hat der Gemeinderat Friedrichshafen am Montag entschieden.

Die CDU kritisierte mehrheitlich die laut Fraktion den Buchstaben des Gesetzes widersprechende „Besetzung“ der Obstwiese durch die Initiative. Fraktionschef Achim Brotzer betonte in einer Erklärung vor allem, dass die CDU diesen Rechtsbruch nicht auch noch mit einem Grundstück belohnen wolle. Inhaltlich sprach er aber von Sympathie, die er der Blauen Blume gegenüber habe. Die anderen Fraktionen bewerteten die „Besetzung“ des Grundstücks weniger problematisch, so wie es auch die Stadtverwaltung getan hatte. „Haben wir keine anderen Probleme, als jungen Menschen ein Stückchen grüne Wiese zur Verfügung zu stellen?“ fragte Hannes Weber (Freie Wähler).

Es gab schon eine Besetzung

Karl-Heinz Mommertz (SPD) urteilte ähnlich. Er erzählte die Geschichte von Jugendlichen, die 1972 bereits ein Geschäft in Friedrichshafen besetzt hätten, um dort zu arbeiten. Die Verwaltung unter dem damaligen OB Max Grünbeck habe ihnen ein leerstehendes Haus zur Verfügung gestellt - pikanterweise jenes der heutigen Kanzlei Brotzer. Aus dieser Initiative entstand später das Jugendzentrum Molke. „Ohne diese Grenzüberschreitungen hätte es nie politische Veränderungen gegeben“, stellte Mommertz fest und verglich das Vorgehen der Blauen Blume mit „Falschparken“.

Von Seiten Regine Ankermanns (Grüne) musste sich die CDU vorwerfen lassen, juristisch über etwas urteilen zu wollen, was sie nicht einmal kennen würde. Die Grünen befürworteten die alternativen Kulturprojekte der Blauen Blume und die damit zusammenhängende Offenheit als Gegenmodell privater Abschottung. Auch ÖDP und FDP stimmten dem Verwaltungsvorschlag zu, die Blaue Blume vorübergehend vor dem Heizhaus unterzubringen. Oberbürgermeister Andreas Brand verteidigte aus seiner Position die Haltung der Verwaltung in dieser Sache und betonte, stets dem politischen Willen der Räte gefolgt zu sein und ihn umgesetzt zu haben. Danach solle, so die Verwaltung, „in einer zeitlich überschaubaren Perspektive ein endgültiger Standort für die Blaue Blume“ gefunden werden.

Die Stadt schließt nun mit der Zeppelin-Universität (ZU) einen Pachtvertrag ab und die ZU regelt Weiteres mit der Initiative. Offen sind noch die Kosten, die der Blauen Blume nun für den Umzug und dazu gehörende Genehmigungen und Gebühren entstehen.

Friedrichshafen (ras) – Das studentische Wohn- und Kulturprojekt  „Blaue Blume“ ist in Friedrichshafen mit Bauwagen auf eine Streuobstwiese gezogen. Sie wollen dort einen Raum für Begegnungen schaffen.
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen