Fake-News enttarnt: So machen sich Betrüger die Corona-Krise zunutze

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Schwäbische.de enttarnt von Montag bis Freitag Fake-News und Verschwörungstheorien zur Corona-Krise. Denn mit den erfundenen Geschichten soll Panik verbreitet werden - wir wollen das Gegenteil: Besonnenheit durch Aufklärung.

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online@schwaebische.de - ausgewählte Fake-News werden wir hier überprüfen. Danke!

+++ Corona-Dossier: Informationen und Hintergründe +++

Ihre Enkel sind infiziert und brauchen Geld

Behauptungen: Mitarbeiter des EU-Parlaments wollen wegen Corona telefonisch Ihre Vermögenssituation klären. Anrufer geben sich als infizierte Verwandte aus und bitten um eine Geldspritze - und ein Shop im Internet bietet Ihnen Corona-Schutzmasken zum Spottpreis an. Solche und weitere Anruf-, Kontakt- und Verkaufsmaschen haben derzeit Hochkonjunktur.

Fakt: Sehr oft stecken hinter solchen Anrufen und anderen Arten der Kontaktaufnahme gezielte Betrugsversuche. Kriminelle haben laut Polizei die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen aus der Coronakrise Kapital zu schlagen. Die Zahl der Maschen und Strategien ist dabei sehr groß - deshalb ist erhöhte Wachsamkeit notwendig.

Besonders oft geben sich Anrufer als Verwandte, vermeintliche Vertreter von Behörden oder der Polizei aus. Sie suchen gezielt Kontakt zu arglosen, leichtgläubigen oder älteren Personen. Mit teils abstrusen Geschichten im Zusammenhang mit der Coronakrise soll dann versucht werden, Geldübergaben zu fingieren - zum Beispiel an falsche Polizisten, die Wertsachen vor "Kriminellen" schützen sollen - oder Haus und Vermögensverhältnisse auszuspionieren. 

Auch mit falschen Corona-Tests versuchen Betrüger derzeit in Wohnungen zu gelangen.

Die Polizei rät deshalb zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

  • Trauen Sie keinem Anrufer, egal ob der- oder diejenige angibt, Vertreter einer Behörde oder auch von der Polizei zu sein. Behördenvertreter oder auch die Polizei werden Sie nie anrufen, um sich bei Ihnen zu erkundigen, was Sie an Bargeld, Schmuck, Wertgegenständen oder auch andere Vermögensbestände zuhause oder zur Verfügung haben und wie Sie diese verwahren.
  • Verraten Sie am Telefon keinesfalls sensible Informationen, egal welcher Art (Kontodaten, häuslicher Bargeldbestand, geplante Reisen, etc.).
  • Übergeben Sie nie Wertsachen und Bargeld zur Verwahrung an Personen, die Sie nicht kennen und tätigen Sie auch keine Zahlungen oder Überweisungen an Ihnen unbekannte Personen. Behörden werden Sie nie per Telefon zu irgendwelchen Zahlungen auffordern.
  • Sollten Sie einen solchen Anruf erhalten, merken Sie sich die auf ihrer Telefonanzeige erscheinende Telefonnummer, brechen Sie dann das Telefonat ab und verständigen Sie sofort die Polizei.
  • Vertrauen Sie niemals der sichtbaren Telefonnummer auf dem Display Ihres Telefons. Sie kann manipuliert werden.
  • Ziehen Sie im Zweifel eine Vertrauensperson oder jederzeit die Polizei zu Rate. Rufen Sie nur offizielle Nummern der Polizei an (Telefonbuch, dasoertliche.de, etc.)
  • Helfen Sie auch älteren Mitgliedern Ihrer Familie und informieren diese über mögliche Betrugsarten.

Einmalhandschuhe schützen nicht vor Corona

Behauptung: Latex- oder Einmalhandschuhe schützen nicht vor Viren - sie haben sogar Löcher, durch die Erreger spielend leicht eindringen können.

Fakt: So einfach ist die Wahrheit nicht. Es gibt tatsächlich sehr sichere Einmal- oder Latexhandschuhe, die den Träger - zum Beispiel Ärzte oder Sanitäter - zuverlässig vor gefährlichen Infektionen schützen können. Bei Operationen trägt man sie oft doppelt - aber nur für den Fall, dass ein Handschuh unbemerkt beschädigt wird. Der Hersteller und Marktführer Sempermed weist in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Studie hin.

Diese Sicherheit der Handschuhe lässt sich allerdings nicht einfach auf den Alltag übertragen - wie Kollegen des SWR in einem Video genau erklären. Auf Einmalhandschuhen können sich, vor allem wenn man sie länger trägt, nämlich sehr viele Keime ansammeln. Weil man mit den Handschuhen unter anderem meist das Händewaschen unterlässt, sind sie nach kurzer Zeit sogar deutlich "infektiöser" als normal gewaschene Hände. 

Wer sich dann noch unabsichtlich mit den Handschuhen ins Gesicht fasst oder sie ungeschickt auszieht, hat die ganze Keimlast im Gesicht oder am Körper.

Außerdem ist das Klima unterhalb der Handschuhe warm und feucht. Stundenlanges Tragen schafft also ein Paradies für Krankheitserreger und lässt die Haut an den Händen sogar aufquellen und damit anfälliger für Infektionen werden.

Wer Handschuhe also wirklich sicher einsetzen will, darf sie nur ganz kurz tragen und muss sie professionell wechseln und ausziehen. Das dürfte im Alltag kaum machbar sein. Zusätzlich unterliegen einfache Modelle, die nicht für den medizinischen Gebrauch bestimmt sind, weniger aufwändigen Prüfverfahren.

Flüchtlinge werden heimlich eingeflogen - Corona soll ablenken

Behauptung: Die ganze Corona-Krise ist nur ein Ablenkungsmänover. Während alle daheim hocken, werden heimlich Tausende Flüchtlinge ins Land geholt. 

Posts wie dieser werden derzeit massenhaft verbreitet - aber ebenso regt sich Widerstand gegen die dreisten Falschbehauptungen.
Posts wie dieser werden derzeit massenhaft verbreitet - aber ebenso regt sich Widerstand gegen die dreisten Falschbehauptungen. (Foto: Facebook / Screenshot)

Fakt: Diese These kursiert aktuell in Dutzenden Varianten auf Facebook und Whatsapp. Mitunter treibt sie ganz besondere Blüten. So wurde zeitweise behauptet, am geschlossenen Flugplatz Altenburg Nobitz würden nachts heimlich Flüchtlingstransporte landen und die Menschen durch einen Pavillion am Rande des Flugplatzes geschleust.

Das hat sich nach Recherchen der Ostthüringer Zeitung als blanker Unsinn erwiesen. Weder ist der Flugplatz überhaupt geschlossen, noch landen dort heimlich Flüchtlingstransporte. Der "geheimnisvolle" Pavillion am Rand hat sogar einen ganz konkreten Zweck: Volkswagen hat am Flugplatz Parkflächen für Fahrzeuge angemietet, weil der Konzern für eine Überproduktion von Fahrzeugen aus einem nahegelegenen Werk keine Stellflächen mehr hat.

Im Zelt werden die Fahrzeuge nun aufbereitet und fertig gestellt.

Auch sonst ist an der Behauptung heimlicher Flüchtlingstransporte nichts dran - das hat auch Youtuber Tilo Jung neulich eindrucksvoll belegt

Die Sommerferien werden verkürzt

Behauptung: In verschiedenen Bundesländern - je nach Fake-News Bayern, Hessen oder Baden-Württemberg - werden die Sommerferien dieses Jahr wegen Corona verkürzt.

Fakt: Diese Fake-News hat auf verschiedene Weise Verbreitung gefunden. So gab es tatsächlich den Aprilscherz eines Vaters, der mit einer manipulierten Webseite von Spiegel Online seine Kinder am 1. April reinlegen und dem Nachwuchs weismachen wollte, dass die Ferien in Bayern um drei Wochen verkürzt werden. Der Screenshot ging viral, der Urheber hat sich mittlerweile dafür entschuldigt.

Alles Fake: Ein Vater in München wollte seine Kinder am 1. April mit diesem manipulierten Screenshot von Spiegel Online foppen.
Alles Fake: Ein Vater in München wollte seine Kinder am 1. April mit diesem manipulierten Screenshot von Spiegel Online foppen. Das ging schief, als auch viele andere den Scherz geglaubt hatten und das Foto weiterverbreitet haben. (Foto: Twitter @rohmeo_de)

Unabhängig davon kursieren im Web aber auch angebliche Schreiben von Kultusministerien, die Ähnliches behaupten. Auch diese Schreiben sind Fake, wie die Behörde in Baden-Württemberg in diesem Tweet bemerkt.

An der angeblichen Verkürzung der Sommerferien ist also nichts dran. Schülerinnen und Schüler können sich wieder beruhigen und entspannen. Ob das in gleichem Maße für die Eltern gilt, ist eine andere Geschichte.

Das Coronavirus sorgt gar nicht für mehr Tote

Behauptung: Die Sterberaten durch das Coronavirus haben sich nicht verändert - oder sind nicht schlimmer als bei einer normalen Grippe.

Fakt: Zuverlässige Angaben zu den Sterberaten zu Corona zu erhalten ist in der Tat nicht einfach. Die offiziellen Sterberaten unterscheiden sich weltweit erheblich und reichen von 0,5 (Deutschland) bis zu mehr als 10 Prozent (Italien) - wie die Kollegen der Zeit mit Daten der Johns Hopkins Universität und Behörden zusammengetragen haben.

Grund für die unterschiedlichen Raten ist die unterschiedliche Erfassung von Infizierten. In einigen Ländern werden nur ernsthaft Erkrankte als Corona-infiziert bewertet. Da ist klar, dass der Anteil der Todesopfer höher ist.

Länder, die aber viele Infizierte testen, auch viele ohne oder mit leichten Symptomen, haben zwangsläufig niedrigere Sterberaten. In Deutschland wird vergleichsweise viel getestet, die Sterberate ist also niedrig.

Diese Grafik zeigt die absolute Zahl von Corona-Toten in Ländern weltweit. Auch wenn die Zahlen mit Unsicherheiten belegt sind, ist klar, wie sich die Zahl der Toten insgesamt entwickeln kann.

Unabhängig von der Sterberate entwickelt sich die absolute Zahl der Toten. Hier gilt: Je mehr Menschen mit Corona infiziert sind, umso mehr sterben und umso mehr wird das Gesundheitssystem durch Sterbenskranke belastet.

Wenn es darum geht, ob Krankenhäuser an den Rand der Belastbarkeit kommen, zählt nur die Zahl der absolut behandlungsbedürftigen Menschen. Und da zeigen die Beispiele Italien und Spanien: Diese Grenze kann schnell erreicht und sogar überschritten werden.

Virus ist ungefährlich, wir leben in einer gezielten Massenpanik

Behauptung: Aktuell wird ein Video von Bodo Schiffmann, Spezialist für Schwindelanfälle und Leiter der Schwindelambulanz Sinsheim, viral auf Facebook und Whatsapp geteilt. Schiffmann hält die meisten aktuellen Maßnahmen gegen das Coronavirus für falsch und vollkommen übertrieben. Sie würden zu einer gezielten Massenpanik führen, angetrieben von Politik und Medien, die die Krankenhäuser zusammenbrechen lasse.

Dabei sei das Virus ungefährlich, zumindest nicht gefährlicher als eine normale Grippe. Schiffmann macht sich dabei mit den umstrittenen Ärzten Wolfgang Wodarg (siehe weiter unten) und Sucharit Bhakdi gemein. Er fürchtet, dass das Virus zur Außerkraftsetzung von Bürgerrechten und vielleicht sogar der Zulassung aktiver Sterbehilfe führen werde - obwohl es keine faktischen Gründe für solche Schritte geben würde. 

Als besonders radikales Beispiel für aktuelle Maßnahmen führt er Notfallpläne eines Krankenhauses in Straßburg an, die empfehlen, Patienten über 80 Jahren schmerzlindernde Sterbebegleitung zuteil werden zu lassen.

Screenshot eines viral verbreiteten Videos des Schwindelexperten Bodo Schiffmann. Foto: Youtube
Screenshot eines viral verbreiteten Videos des Schwindelexperten Bodo Schiffmann. (Foto: Youtube / Screenshot)

Fakt: Nicht alle Überlegungen von Schiffmann, wie auch von seinen Kollegen Wodarg und Bhakdi, sind grundsätzlich falsch. Die Fachzeitschrift Pharmazeutische Zeitung (PZ) wirft solchen Ärzten in einer Analyse vergleichbarer Fälle allerdings vor, gefährliche alternative Denkansätze zu verbreiten und zu übertreiben. Zumindest mit Bezug zu Wodarg und Bhakdi, die im Kern das Gleiche wie Schiffmann behaupten, sei es Fakt, dass deren Inhalte zumindest teilweise auf Verschwörungstheorien basieren oder wichtige Teilaspekte der aktuellen Krise nicht berücksichtigen.

Es kommt also zu einer Vermischung von Wahrheit und gefährlichen Faktenlücken und Falschbehauptungen. So ignoriert Schiffmann zum Beispiel bei den Schilderungen zu Straßburg, dass es sich bei diesen Entscheidungen um Notfällpläne für den Fall handelt, dass eine Klinik einem Ansturm von lebensgefährlich Erkrankten nicht mehr Herr werden kann - weil zum Beispiel Personal oder Plätze fehlten.

In solchen Fällen gibt es weltweit seit Jahrhunderten das sogenannte Triage-System. Es gibt Richtlinien an die Hand, wer bei einem nicht zu bewältigenden Massenanfall von Patienten zuerst und wer zuletzt behandelt wird - inklusive Ratschlägen, wie man mutmaßlich unheilbaren Patienten in einem solchen Fall beim Sterben zur Seite stehen kann. Solche Richtlinien gab es bereits vor Corona.

Die Argumentationsmethoden von Medizinern wie Schiffmann, Wodarg und Bhakdi können laut PZ sehr gefährlich sein. Vor allem dann, wenn solchen Alternativtheorien zu viel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werde. Insbesondere könnten völlig übertriebene Darstellungen von Medizinern zur angeblichen Ungefährlichkeit des Corona-Erregers dazu führen, dass seriöse und dennoch kritische Alternativmeinungen zur aktuellen Lage, wie sie beispielsweise der Würzburger Virologe Carsten Scheller vertrete, kaum noch wahrgenommen oder vorschnell verworfen würden. 

Schiffmann ignoriert in seinen Ausführungen unter anderem den Fakt, dass es der Bevölkerung aktuell noch an einer grundlegenden Immunisierung gegen das Coronavirus fehlt und es keine medikamentösen Behandlungsmethoden gibt - was laut Meinung der meisten Experten zu einer anderen Einschätzung der Gefahrenlage führen muss. Außerdem geht Schiffmann nicht korrekt auf die aktuelle Datenlage ein, die zwangsläufig mit Unsicherheiten belegt ist. Das darf im Umkehrschluss nicht dazu verleiten, alles als ungefährlich anzusehen.

Im Unterschied zu Schiffmann klagt zum Beispiel auch der oben genannte Virologe Scheller aktuell eine stark tendenziöse Datenlage zur Corona-Epidemie in Deutschland an. Das macht er laut PZ aber nicht vorwurfsvoll, sondern er erkenne sehr wohl an, dass das Vorgehen der Verantwortlichen den Zwängen der Situation geschuldet sei. Aus diesen und weiteren Gründen sehe Scheller die aktuellen Maßnahmen ebenfalls kritisch und empfehle, auch über Exitstrategien nachzudenken. Im Gegensatz zu Schiffmann stellt er aber nicht das gesamte System und alle Maßnahmen infrage.

Patientenverfügung lässt Kritiker sterben

Behauptung: Eine Patientenverfügung nötigt Sars-CoV-2-Kritiker, im Falle einer Erkrankung auf überlebensnotwendige Maßnahmen zu verzichten. 

Fakt: Das Schreiben verbreitet sich in der Tat gerade vor allem auf Facebook viral und erhitzt die Gemüter. Zudem sorgt es für neue Verunsicherung. 

Es handelt sich dabei aber keineswegs um eine offizielle Patientenverfügung, sondern um den satirischen Beitrag des Facebook-Nutzers und Rechtsanwalts Jürgen Just vom 28. März 2020, der damit Verschwörungstheoretiker aufs Korn nimmt sowie Menschen, die das Virus verharmlosen.

In einem Kommentar über dem Bild mit der angeblichen Patientenverfügung richtet sich Just an "all die Experten, die weiterhin der Meinung sind, bei COVID-19 handele es sich lediglich um eine harmlose Erkältung und/oder reine Panikmache: jetzt habt ihr die ultimative Möglichkeit, zu zeigen, wie ernst ihr es wirklich meint. Einfach das Formular hier ausfüllen, unterschreiben und für alle gut sichtbar auf eurer Pinnwand posten und ausgedruckt an die Haustüre hängen".

Der Facebook-Post erhielt bislang über 1.600 User-Reaktionen (Stand 30. März 12.30 Uhr), davon rund 1.400 mit Daumen hoch, 200 Lach-Smileys und 40 Herzen. Im Kontext der Erklärung wurde das Bild also wohl einordnend als Satire erkannt.

Zu einem Fake-News-Problem wurde die Satire erst, als das Bild ohne den Kommentar verbreitet wurde. Und deshalb noch einmal in aller Deutlichkeit: Nein, diese Patientenverfügung ist nicht echt!

In Italien sterben die Menschen an Impfungen - nicht an Corona

Behauptung: In Bergamo in Italien wütet Corona besonders schlimm und es gibt dort viele Tote. Die sind aber nicht an Corona gestorben - sondern Opfer von großflächigen Meningitis-Impfungen, die dort im Januar vorgenommen wurden.

Fakt: In Italien gab es in den Monaten vor dem Jahreswechsel einige Tote, die an Hirnhautentzündung (Meningitis) gestorben sind. Meningitis ist eine gefährliche Krankheit. Zwei Drittel der Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen laut Angaben des RKI eine Hirnhautentzündung. Jeder Zehnte einen septischen Schock, der oft tödlich endet.

Ausschnit aus einem Post, wie er in ähnlicher Form hundertfach auf Facebook kursiert.
Ausschnit aus einem Post, wie er in ähnlicher Form hundertfach auf Facebook kursiert. (Foto: Screenshot: Facebook)

Die Krankheit kommt in westlichen Ländern wegen hoher Hygienestandards und Impfempfehlungen selten vor, in Afrika kann sie ein ernstes Problem mit Tausenden Toten in kurzer Zeit sein. Jüngste Impfungen in und um Bergamo waren vor Corona also eine Strategie, um einen dortigen Krankheitsherd der Meningitis einzudämmen. Die Impfung ist in Deutschland und vielen anderen Ländern seit Jahren für bestimmte Menschen oder Kinder empfohlen und ist in Italien für bestimmte Altersgruppen auch Standard.

Eine Häufung an Toten in Italien lässt sich damit also nicht erklären. Wenn diese Fake-News stimmen würden, müsste es praktisch in allen westlichen Industrieländern seit Jahren Horrormeldungen wegen Meningitis-Impftoten geben. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Impfungen werden weltweit Leben gerettet.

Schock! Infiziertes Klopapier

Behauptung: Immer noch kursiert in Sozialen Medien die Horror-Meldung für jeden Klopapier-Hamsterkäufer: Seine Luxusware könne mit Sars-CoV-2 infiziert sein, der Erreger habe sich in den feinen Gewebefasern eingenistet.

Fakt: Ursprung der Meldung ist ein sogenannter "Fake Generator", mit dem scheinbar echte Nachrichten suggeriert werden können.

Das Tool spuckt dazu täuschende Bilder aus, die vermuten lassen, es handele sich dabei um einen Screenshot von einem TV-Nachrichtensender.

Ergebnis eines Faken-News-Generators.

Fakt ist aber, die Meldung ist eine klassische Fake-News und tatsächlich völliger Blödsinn. Fakt ist aber auch: Für Klopapier-Hamstern gilt dieses Urteil ebenso.

Professionelle Schutzmasken selber basteln

Behauptung: Atemschutzmasken muss man nicht kaufen, man kann sie basteln. In den sozialen Medien kursieren derzeit zahlreiche Anleitungen und Aufrufe zum Selbernähen von Mundschutz-Masken gegen das Coronavirus.

Fakt: Die Aufrufe sind nur dann relativ unproblematisch, wenn die Masken nicht im akuten Infektionsfall -oder Verdacht als Ersatz für professionelle Masken zum Einsatz kommen.

Denn aus Expertensicht ist die selbstgebastelte Alternative nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll. „Für den medizinischen Gebrauch eignen sie sich nicht“, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Baden-Württemberg. „Das wird das Problem, das wir in den Arztpraxen haben, nicht lösen.“

Allerdings könnten selbstgenähte Masken für Privatpersonen einen Nutzen bringen — vor allem, wenn es darum gehe, andere Menschen zu schützen.

 Viele Menschen setzen derzeit auf Mundschutz.
Viele Menschen setzen derzeit auf Mundschutz. (Foto: Hans Klaus Techt/dpa)

Wenn man beispielsweise niesen oder husten müsse, sei es besser, einen solchen Schutz vor dem Mund zu haben, als gar nichts. Allerdings dürfe dies nicht zur Sorglosigkeit führen. „Es ist völlig falsch, anzunehmen, wenn ich so was aufhabe, kann ich mich in der Öffentlichkeit bewegen und stecke mich nicht an“, sagte der Sprecher.

Auch die Stiftung Liebenau veröffentlichte kürzlich eine Video-Anleitung zum Selbernähen von Stoffmasken. Das Nähwerk der Stiftung stattet momentan Mitarbeiter zum Beispiel in der Küche und der Wäscherei mit einem sogenannten Behelfs-Mund-Nasen-Schutz aus.

Aber auch die Stiftung betont: Der Schutz könne zwar die Verteilung von Tröpfchen in die Umgebung verringern und das Anfassen von Mund und Nase verhindern, aber: „Der gebotene Mindestabstand sollte auch beim Tragen eines Mundschutzes unbedingt eingehalten werden.“

Das Virus ist eine Erfindung zur Stilllegung unseres Finanzsystems

Behauptung: Das globale Finanzsystem steht vor dem endgültigen Zusammenbruch. Das Coronavirus soll den Zusammenbruch beschleunigen. Aktuelle Maßnahmen wie Ausgangssperren dienen dazu, Proteste und Widerstand im Vorfeld zu unterdrücken. Das und anderes behaupten zwei Herren namens Ernst Wolff und Alex Quint in einem aktuellen Youtube-Talk. 

Fakt: Das Coronavirus ist tatsächlich eine erhebliche Herausforderung für das weltweite Finanzsystem. Das haben Autoren der Süddeutschen Zeitung sehr gut herausgearbeitet.

Aber auch sie kommen zu dem Schluss: Nach anfänglicher Panik kehrt vermehrt wieder Ruhe ein. Anleihenkäufe der Notenbanken helfen, die Märkte wieder in Bewegung zu bringen. "Das Vertrauen kommt vorsichtig zurück, so sehen das viele Banker Ende der Woche", heißt es in der entsprechenden Analyse.

Die These, dass das Finanzsystem durch eine harte Phase geht, ist also nicht ganz falsch - dass das Virus aber willentlich dafür eingesetzt wird oder Behörden die Bevölkerung einsperren wollen, entspringt der reinen Fantasie der beiden Talkpartner.

Das wissen die beiden offenbar auch ganz genau - und schreiben unter das Video: "Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr hinsichtlich der inhaltlichen Richtigkeit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der Informationen." 

Ernst Wolff ist übrigens Verfasser von finanzsystemkritischen Büchern, die passend zum Video beworben und über den Kopp-Verlag vertrieben werden - ein bekanntes Sammelbecken von Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Rechtsradikalen.

Das Virus ist nur eine Wahnvorstellung - Rohkost hilft

Behauptung: Gerade ist ein langer Kommentar zur aktuellen Lage als Text und Video im Netz in Umlauf. Er stammt von der für Fake-News und Verschwörungstheorien bekannten Webseite KenFM. Er enthält etliche Behauptungen, im Kern diese: Das Coronavirus ist weder besonders, noch gebe es Belege dafür, dass es gefährlicher ist als andere Grippe- oder Erkältungsviren.

Dem Virus wurde nur ein besonders griffiger Name verpasst ("Corona") und die Aussagekraft der Tests darauf sei überhaupt nicht belegt. Vielmehr leide die Gesellschaft an einer Art kollektiver Wahnvorstellung.

In Wirklichkeit lasse sich das vermeintliche Virus durch Kontaktpflege mit anderen Menschen, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Sonnenlicht, Rohkost, die Aufarbeitung von Traumata und Ähnlichem in den Griff bekommen.

Fakt: Corona und die bekannte Grippe sind - auf lange Sicht - möglicherweise vergleichbar gefährlich. Klar ist das derzeit nicht. Das erklärt sehr genau das anerkannte Wissenschaftsmagazin quarks.de.

Das Problem ist aber, dass es in der Bevölkerung keinerlei Immunität gegen die neuartige Variante von Coronaviren gibt - anders als bei "normalen" Grippeviren. Menschen sind dem Virus also schutzlos ausgeliefert. Es verbreitet sich deshalb enorm schnell.

Weil es so viele Menschen infiziert, ist auch zwangsläufig mit sehr vielen Toten zu rechnen. Wer sich die Lage in Italien ansieht, versteht: Das neuartige Coronavirus kann ein ganzes Gesundheitssystem lahmlegen.

Rohkost ist grundsätzlich gesund, kann aber auch zu einem Mangel an Eisen-, Magnesium- oder Vitamin führen. (Foto: dpa)

Wissenschaftlich korrekt heißt das neuartige Coronavirus zudem SARS-CoV-2. Die Bezeichnung "Corona" wird gegenwärtig nur zur Vereinfachung verwendet. Coronaviren bilden eine Familie von Viren, zu der auch das neuartige SARS-CoV-2 gehört. 

Wegen des genannten Problems der schnellen Ausbreitung und Grundimmunität ist die Empfehlung, weiterhin Kontakt mit anderen Menschen zu halten, ernsthaft gefährlich und unverantwortlich.

Auch Rohkost mag zu einer gesunden Ernährung gehören - gegen die akute Virenbedrohung hilft sie nicht.

Noch ein Wort zu den Tests: Die aktuell angewandte Testmethode gilt als etabliert und zuverlässig. Allerdings muss sie sehr sorgfältig angewendet werden. Die meisten Fehler passieren bei der Entnahme und dem Transport von Proben und vor der Analyse. Ein aktueller Fall aus der Region beleuchtet das Problem. 

Delfine, Schwäne und Elefanten: Tiere dringen in Städte vor

Behauptung: Weil weniger Touristen unterwegs sind, sind die Schwäne und Delfine in venezianische Kanäle zurückgekehrt. Außerdem ist eine Gruppe von Elefanten durch ein verlassenes Dorf spaziert und hat sich an Maiswein betrunken.

Fakt: Die Berichte über Wildtier-Triumphe sind falsch. Das hat das Magazin National Geographic recherchiert.

So kommen die Schwäne bereits jetzt schon regelmäßig nach Venedig – allerdings auf die kleine Insel Burano, auf der das Foto laut National Geographic aufgenommen wurde.

Die Aufnahmen der Delfine stammen außerdem gar nicht aus Venedig sondern einem Hafen auf Sardinien. Und die betrunkenen Elefanten kommen gar nicht so selten in dem chinesischen Dorf in der Provinz Yunnan vorbei. Mit sozialer Isolation hat keine der Geschichten etwas zu tun.

Vitamin D hilft gegen Corona

Behauptung: Eine Frau erweckt den Eindruck, dass sie in einer Klinik arbeitet und erzählt in einer elfminütigen Sprachnachricht, dass Vitamin D und C gegen Covid-19 helfen würden.

Weil die Vitamine aber sehr günstig zu haben sind, wolle die Pharmaindustrie verhindern, dass das bekannt wird. Außerdem sei das Coronavirus künstlich im Labor hergestellt worden und auch die Handystrahlung 5G spiele eine Rolle.

Fakt: Das mit 5G und der künstlichen Herstellung von Sars-Cov-2 haben wir hier bereits widerlegt. Die Behauptung mit Vitamin D ist ebenfalls Unsinn. Die Kollegen des Bayerischen Rundfunks haben eine Expertin gefragt, ob ein Vitamin-D-Mangel Menschen anfälliger für das neuartige Coronavirus macht und Vitamin C sogar helfen könne, Corona zu heilen.

Barbara Schmidt, Professorin am Institut für Mikrobiologie und Hygiene in Regensburg, wird bei BR24 deutlich: „Beides ist völlig absurd.“

Zwar hätten viele Menschen in West- und Mitteleuropa einen Vitamin-D-Mangel, doch dass dieser auch Ursache für eine Covid-19-Erkrankung sei, lasse sich nicht nachweisen. Auch für Behandlungserfolge mit Vitamin C oder D, gibt es laut BR24-Bericht bisher keine Belege.

Die Frau in der Sprachnachricht verweist auf die Internetseite swiss-biohealth.com. Doch auf der Seite der Zahnklinik heißt es: „Derzeit kursieren Fake-News in Form einer Sprachnachricht, welche angeblich in unserem Namen verbreitet werden oder unsere Meinung widerspiegeln sollen. Wir distanzieren uns von allen News, welche subjektive Meinungen im Zusammenhang mit der SWISS BIOHEALTH AG oder SDS SWISS DENTAL SOLUTIONS AG zum Inhalt haben.“

Diese Zahnklinik aus der Schweiz hat nichts mit der Whatsapp-Nachricht zu tun. (Foto: Screenshot)

Sonnenbaden hilft - Das Virus ist nicht hitzebeständig

Behauptung: Das neue Coronavirus ist nicht hitzebeständig und stirbt bei einer Temperatur von 26 bis 27 Grad. Heißes Wasser zu trinken und Sonnenbaden schützt vor einer Infektion.

Fakt: Die Körpertemperatur eines gesunden Menschen liegt bei rund 37 Grad, trotzdem stirbt Covid-19 nicht ab. Laut Weltgesundheitsorganisation helfen auch heiße Getränke, ein heißes Bad oder Sonnenbaden nicht gegen eine Infektion. 

Gesundheitsministerien, Robert-Koch-Institut und Weltgesundheitsorganisation sind sich einig: Entscheidend ist zu verhindern, dass das Virus überhaupt erst in den Körper gelangt.

Dieser lange Kettenbrief mit unzähligen falschen Tipps und Ungenauigkeiten kursiert durch soziale Netzwerke. (Foto: Screenshot (20.03.): Facebookpost)

Alle 15 Minuten Wasser zu trinken, tötet das Virus

Behauptung: Wer alle 15 Minuten Wasser trinkt oder mit warmem Wasser, Essig oder Salzwasser gurgelt, tötet das Virus ab.

Fakt: Regelmäßig Wasser zu trinken, schützt nicht davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Vor diesen falschen Nachrichten warnt die Weltgesundheitsorganisation schon seit Anfang Februar, beispielsweise auf Twitter. Sobald der Virus mit der Schleimhaut in Berührung kommt, breitet er sich aus. Auch Gurgeln hilft da nicht.

Entscheidend ist stattdessen zu verhindern, dass der Erreger überhaupt erst in den Körper gelangt, darin sind sich Gesundheitsministerien, Robert-Koch-Institut und Weltgesundheitsorganisation einig. Ausreichend zu trinken ist für die Gesundheit aber trotzdem wichtig.

Dieser Screenshot eines Facebook-Posts wurde uns von einem Leser zugeschickt. (Foto: Screenshot eines Lesers (17.03.))
Genug zu trinken ist zwar gesund, schützt aber nicht vor einer Infektion mit dem Coronavirus. (Foto: World Health Organisation (WHO))

Behörden und Banken brauchen jetzt persönliche Daten

Behauptung: Institutionen und Banken, wie die Sparkasse, brauchen aufgrund der Coronakrise persönliche Daten.

Fakt: Kriminelle passen ihre Betrugsmaschen auf die Coronakrise an. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor Internetkriminellen, die das Thema Covid-19 als Köder in Phishing-E-Mails verwenden. Indem sich die Absender darin als Banken oder Behörden ausgeben, wollen sie persönliche Daten erschleichen. Zu diesen Betrugsversuchen gehört auch die angebliche Sparkassen-Mail (siehe Foto), auf die die Verbraucherzentrale aufmerksam wurde.

Das Landratsamt Tirschenreuth, das die erste Ausgangssperre in Deutschland verhängt hat, warnt vor falschen Mitarbeitern des Gesundheitsamts, die sich illegal Zutritt zu Wohnungen verschaffen wollen.

Auch bekannte Betrugsmaschen, wie den Enkeltrick, passen Betrüger an die Situation an. Die Polizei warnt: Kriminelle rufen Senioren an, geben sich als Angehörige aus, die sich mit dem Virus infiziert hätten und fordern finanzielle Unterstützung zur Begleichung der Behandlungskosten oder für den Kauf von Medikamenten.

Das Bundesministerium empfiehlt, unbekannte Dateien nicht zu öffnen, den Ursprung von E-Mails zu überprüfen und sowohl Absender als auch enthaltene Verlinkungen gründlich zu hinterfragen. (Foto: Verbraucherzentrale NRW)

Corona-Tote sind Opfer des Mobilfunkstandards 5G

Behauptung: Das Coronavirus sei eine Erfindung, um die gesundheitlichen Folgen des Mobilfunkstandards 5G zu vertuschen. Tatsächlich würden die Menschen durch diese "militärische Waffe" krank. Durch die Vertuschung werde die "5G-Industrie und ihre Milliarden an Investitionen weltweit" geschützt, die Wuhan als Pilotstadt auserkoren habe.

Fakt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO und auch das Bundesamt für Strahlenschutz gehen davon aus, dass Mobilfunkstrahlung nach derzeitigem Kenntnisstand und im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte kein gesundheitliches Risiko darstellt. Zwar haben Studien Effekte von Mobilfunkstrahlung auf den menschlichen Körper nachweisen können - umstritten ist aber, ob dies negative gesundheitliche Folgen hat und überhaupt mit der realen Strahlenbelastung vergleichbar ist. Langzeitstudien zu diesem Thema ergeben bislang kein völlig eindeutiges Bild. Es ist nicht gelungen, konkrete negative Folgen für die Gesundheit zu beweisen.

Wuhan ist nur eine von 16 Städten in China, die 5G testen. Die chinesische Regierung hat dafür bereits rund eineinhalb Jahre vor dem Corona-Ausbruch, im Mai 2018, grünes Licht gegeben. Im Oktober 2019 verkünden China Mobile, China Telecom und China Unicom, dass sie zum 1. November 2019 offiziell mit 5G starten würden.

Webseiten und Blogs, die diese Theorie vertreten, machen oft auch Werbung für angebliche Wundermittel und Enthüllungsbücher. (Foto: Screenshot (19.03.): connectiv.events)

Arzt Wolfgang Wodarg: Maßnahmen gegen das Virus sind Panikmache und Geldmacherei

Behauptung: Wolfgang Wodarg stellt sich im Internet als Lungenarzt und Internist vor und sagt, die Maßnahmen rund um das Coronavirus seien reine Panikmache. Es würden nicht mehr Menschen sterben als in einem normalen Winter. Die Panik sei nur dazu da, um Coronavirus-Tests zu verkaufen.

Zu dem Video haben uns zahlreiche User-Anfragen erreicht mit der Bitte um Einordnung. Das tun wir gerne.

Fakt: Der Arzt und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete vermischt Wissenschaft und Spekulation. Aktuell präsentiert er sich ausgiebig mit seiner Theorie im Internet und nennt zahlreiche Studien, Zahlen und Daten. 

Das Recherchezentrum Correctiv hat seine Aussagen und Beispiele umfassend hinterfragt. Ihren Informationen zufolge lässt Wodarg vor allem eine Sache außer Acht: Für COVID-19 gibt es bisher weder einen Impfstoff noch eine Immunität in der Bevölkerung. Lässt Deutschland der Pandemie also ihren Lauf, ist das Gesundheitssystem schnell überlastet.

Im Moment gehen nicht nur das Robert-Koch-Institut, sondern auch die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche Behörden im In- und Ausland davon aus, dass COVID-19 mehr Menschen infiziert und tödlicher ist als eine Grippe.

Wodargs Aussagen verharmlosen also eine medizinische Gefahr für Menschen in Risikogruppen - auch wenn aktuell noch niemand sagen kann, wie sich die Zahlen entwickeln und ob die statistischen Daten überhaupt vergleichbar sind.

Wolfgang Wodarg vermischt seine wissenschaftlichen Theorien zudem mit politischen Ansichten. Auf seiner Webseite schreibt Wodarg: "Europa ist durch die Panik gelähmt und China lächelt."

Als Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland schreibt er, es gäbe "Unternehmen, die Seuchen erfinden, um aus Angst Profit zu schlagen." 

In der Beschreibung des Youtube-Videos wird Werbung für die Verschwörungstheorie der Chemtrails gemacht.

(Foto: Screenshot(18.03.): Youtube GEOENGINEERING-HAARP)

Zwiebeln saugen Corona aus der Luft

Behauptung: Reality-TV-Darstellerin Carmen Geiss rät dazu, aufgeschnittene Zwiebeln in der Wohnung zu verteilen. Die würden Viren und Bakterien aus der Luft absorbieren und so vor einer Ansteckung mit Coronaviren schützen.

Fakt: Bei COVID-19 handelt es sich um ein Virus. Zwiebeln töten keine Viren. Zu dieser Wirkung gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, sagt Haike Antelmann, Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität. 

Zwiebeln wirken allerdings antimikrobiell. Das heißt, sie schränken die Ausbreitung von Bakterien ein. Es reicht allerdings nicht, die Zwiebel aufgeschnitten in die Wohnung zu legen. Damit Zwiebeln das Immunsystem stärken, müssen sie gegessen werden.

"Bitte lest das, es ist mir sehr wichtig", sagt Carmen Geiss in dem kurzen Video zu ihrer Fakenews-Kettennachricht. "Ich glaube auf jeden Fall daran." (Foto: Screenshot (18.03.): Instagram carmengeiss_1965)

40.000 US-Soldaten besetzen Europa

Behauptung: Die Krise rund um das Coronavirus ist ein Ablenkungsmanöver. Es soll darüber hinwegtäuschen, dass im Moment 40.000 US-Spezialkräfte in der EU landen. Diese seien immun gegen das Virus und würden sich jetzt auf europäischem Boden festsetzen.

Fakt: Defender-Europe 20 ist keine geheime Operation, sondern eine offizielle und kommunizierte Militärübung. Alle Informationen zu der Übung gibt es hier auf der Webseite der Bundeswehr. 

Bei Defender-Europe 20 soll die Verlegung von umfangreichen Kräften aus den USA nach Osteuropa geübt werden. Wie die Bundeswehr im Vorfeld informierte, könnten deswegen nachts Transportkolonnen über die Autobahn fahren oder Panzer auf Binnenschiffen im Ruhrgebiet zu sehen sein.

Doch da weder die deutschen noch die US-amerikanischen Soldaten immun gegen das Virus sind, wurde die Übung jetzt vorzeitig beendet. Schiffe auf dem Weg nach Deutschland wurden umgelenkt. Auch von deutscher Seite sind laut Bundeswehr alle Übungsteile abgesagt worden.

(Foto: Screenshot (17.03.) von: www.maroczone.de)

MMS-Wundermittel hilft gegen Corona

Behauptung: Eine chinesische Studie habe die Wirksamkeit von Chlordioxid-Lösungen gegen das Coronavirus belegt. Die Herstellungszeit sei kurz, die Rohstoffkosten lägen bei 20 Cent. Doch die Pharmaindustrie verhindere die Verbreitung des Wundermittels, das nebenbei auch noch gegen Krebs, HIV und Hepatitis helfen soll.

Fakt: Das sogenannte Wundermittel Miracle Mineral Supplement (MMS) hat keine nachgewiesenen positiven Wirkungen. Chlordioxid wird als Bleichmittel und zur Desinfektion verwendet. Die chemische Verbindung wirkt - je nach Konzentration - auf Haut und Schleimhäute reizend bis ätzend.

Mögliche Folgen einer Einnahme sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, Darmschädigungen und Blutdruckabfall. Zahlreiche Behörden warnen mit Nachdruck davor, Chlordioxid-Lösungen zu sich zu nehmen. Darunter das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM), die US-Gesundheitsbehörde FDA und die Verbraucherzentrale.

Die Studie, die manche Quellen im Internet anführen, gibt es allerdings tatsächlich. Das Tianjin Institute of Environment and Health hat getestet, wie widerstandsfähig ein Coronavirus im Wasser gegen Desinfektionsmittel ist. Doch nur, weil Desinfektionsmittel das Coronavirus abtöten, sollte sie niemand trinken, warnt das BFARM.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM) stufte Produkte, die zu einer Chlordioxid-Lösung gemischt und als Miracle Mineral Supplement (MMS) verkauft werden, im Jahr 2015 als zulassungspflichtig und bedenklich ein. (Foto: Screenshot der Webseite connectiv.events)

Luftanhalten als Schnelltest bei möglicher Infektion

Behauptung: Wer zehn Sekunden die Luft anhalten kann, ohne zu husten oder ein Gefühl der Enge in der Brust zu verspüren, ist nicht infiziert. Diese "einfache Selbstkontrolle" empfehlen laut einer Whatsapp-Kettennachricht Experten aus Taiwan.

Fakt: Probleme beim Luftanhalten können vielfältige Gründe haben - beispielsweise Allergien oder Asthma. Und: Eine Lungenfibrose, eine unheilbare Schädigung der Lungen, die laut Deutscher Lungenstiftung in zahlreichen Fällen zum Tode führt, ist kein Kennzeichen von Covid-19.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Robert-Koch-Institut (RKI) sind das vor allem Fieber und Husten. Auch über Grippe-Symptome wie Schnupfen, Kurzatmigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Halsweh und Kopfschmerzen werde berichtet, manchmal über Übelkeit und Durchfall.

Nachrichten über Whatsapp oder soziale Medien verbreiten oft Märchen über das Coronavirus.
Über Whatsapp oder andere soziale Medien verbreiten sich derzeit häufig Märchen über das Coronavirus. (Foto: Screenshot/Lilia Ben Amor)

Coronaviren sind nicht neu

Behauptung: Laut Pegida-Gründer Lutz Bachmann ist das Coronavirus ein Ablenkungsmanöver und keine neue Entdeckung. Das beweise die Aufschrift auf einem Desinfektionsmittel von 2016.

Fakt: Das ist eine gezielte und ziemlich tückische Fake-News, da sie mit einer halben Wahrheit spielt. Coronaviren sind nicht neu, denn es handelt sich dabei nicht nur um EIN Virus, sondern um eine Viren-Familie. Laut Robert-Koch-Institut wurden Coronaviren erstmals Mitte der 1960er Jahre identifiziert. Deswegen gibt es auch ältere Desinfektionsmittel, die mit dem Schutz gegen Coronaviren werben.

Doch das Gerede von Ablenkungsmanöver ist Unsinn, denn SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren ist durchaus neu, weswegen auch oft von dem neuartigen Coronavirus gesprochen wird.

Die Krankheit, die dieses neue Virus auslöst, wird als Covid-19 bezeichnet.

Supermärkte sprechen sich ab und schließen gleichzeitig

Behauptung: Große Supermarktketten hätten sich abgesprochen und würden gleichzeitig schließen. Eine angebliche Angestellte warnt in einer Sprachnachricht über Whatsapp davor und animiert zu Hamsterkäufen.

Fakt: Aldi Süd reagiert mit einem Facebook-Post auf die Kettennachricht und versichert seinen Kunden: "All unsere Filialen bleiben selbstverständlich weiterhin geöffnet." Bund und Länder haben am Montag beschlossen, eine Vielzahl von Geschäften zu schließen. Darunter beispielsweise Spielhallen, Ausstellungen oder Kneipen. 

Ausdrücklich nicht geschlossen werden sollen Supermärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen — aber auch Poststellen, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte oder der Großhandel. Diese Geschäfte sollen sogar entgegen der üblichen Regelung sonntags geöffnet werden dürfen.

Ibuprofen verschlimmert Corona-Infektion

Behauptung: Ibuprofen erhöhe die Anfälligkeit für das Coronavirus und verschlimmere den Krankheitsverlauf. Das hätten Forscher der Uniklinik Wien herausgefunden.

Fakt:  Der Zusammenhang von schweren Krankheitsverläufen und der Einnahme von Ibuprofen ist nicht gesichert. Die Uniklinik Wien distanziert sich über Twitter von dieser Falschmeldung.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran schrieb am Samstagmittag allerdings über Twitter, Entzündungshemmer wie etwa Ibuprofen könnten eine Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Im Falle von Fieber solle man Paracetamol nehmen, riet Véran.

NEUE ENTWICKLUNG: Kurzzeitig hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus davon abgeraten, ohne ärztlichen Rat das Medikament Ibuprofen einzunehmen. Diese Warnung hat die WHO wieder zurückgezogen. Die Organisation habe Studien und Ärzte konsultiert und sei zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe.

Coronavirus
Eine Medizinisch-technische Assistentin hält auf zwei Fingern ein 3D Druck von einem Coronavirus. (Foto: Robert Michael / DPA)

Das Coronavirus ist im Labor gezüchtet worden

Behauptung: Das Coronavirus sei im Labor entstanden, um als Biowaffe gezielt eingesetzt zu werden. Andere Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass das Virus in die Welt gesetzt wurde, um Geld mit Medikamenten zu verdienen.

Fakt: Die genaue Herkunft des Virus ist nicht bewiesen. Doch Behörden, wie das Bundesgesundheitsministerium, und Institutionen, wie das Robert-Koch-Institut oder die World Health Organisation, haben dieselbe Theorie: SARS-CoV-2 wurde von Fledermäusen auf den Menschen übertragen.

Nach Angaben der chinesischen Behörden in Wuhan waren einige Patienten als Händler auf einem Fischmarkt tätig. Dort wurden auch Wildtiere, Tierorgane und Reptilien angeboten. Die Experten gehen davon aus, dass das Virus dort auf den Menschen übergegangen ist.

Psychothriller "The Eyes of Darkness" hat Corona vorhergesehen

Behauptung: Der Psychothriller "The Eyes of Darkness" von Dean Koontz habe schon 1981 eine Lungenkrankheit vorhergesehen, die um das Jahr 2020 den gesamten Globus befallen werde.

Fakt: Der Verein Mimikama, der unter anderem Falschmeldungen und Internetmissbrauch offenlegt, hat sich das Buch genauer angeschaut. Laut Mimikama fällt in der vermeintlichen Prophezeiung zwar das Wort "Wuhan", ansonsten habe die Vorhersage aber nichts mit der aktuellen Corona-Lage gemeinsam.

Außerdem seien Inhalte des Buchs in vielen Posts und Beiträgen mit Texten vermischt, die gar nicht aus "The Eyes of Darkness" stammen.

Dieser Text wird täglich mit enttarnten Falschmeldungen und kruden Verschwörungstheorien aktualisiert.

Helfen Sie dabei mit! Melden Sie uns neue Fake-News oder Verschwörungstheorien mit der entsprechenden Quelle per Mail an online@schwaebische.de - danke!

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