Es funktioniert: Der städtische Behindertenbeauftragte Freddy Pfleiderer testet vor dem „Jeans Werk" in der“ Karlstraße die Lego
Es funktioniert: Der städtische Behindertenbeauftragte Freddy Pfleiderer testet vor dem „Jeans Werk" in der“ Karlstraße die Lego-Rollstohlrampen. Die Szenerie wird von den Ministranten aus Jettenhausen und weiteren Rollstuhlfahrern mit Spannung beobachtet. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigtite Geiselhart

Friedrichshafen - Kleine, kunterbunte Legosteine haben am Samstagnachmittag in der Altstadt eine große Rolle gespielt. Zum Spielen wurden sie aber nicht verwendet. Anlässlich der 72-Stunden-Aktion des BDKJ waren sie von Ministranten der Jettenhausener St. Maria Gemeinde zu tragfähigen Rollstuhlrampen zusammengebaut worden. Im Beisein einer Gruppe von Rollstuhlfahrern wurde dann bei teilnehmenden Einzelhandelsgeschäften vor Ort gleich die Probe aufs Exempel gemacht. Mit Erfolg.

Der städtische Behindertenbeauftragte Freddy Pfleiderer zeigte sich beeindruckt. „Ich sehe in Sachen Barrierefreiheit in Friedrichshafen wirklich noch großes Potenzial“, sagte er. Umso wichtiger sei diese Aktion. Begeistert war auch Simone Rathe, Leiterin der Häfler Amsel-Kontaktgruppe. „Wirklich eine tolle Sache. Zumal die Rampen auch für Rollatoren und Kinderwagen verwendbar sind. In jedem Fall die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam machen und erkennen, dass es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten gibt“, betonte sie.

Viele Menschen spenden Steine

Dass es für die Minis aus Jettenhausen seit Beginn der 72-Stunden-Aktion am Donnerstag um 17 Uhr jede Menge zu tun gab, liegt auf der Hand. Insgesamt acht Einzelhändler in der Innenstadt konnten für die Teilnahme gewonnen werden, wie Jugendleiterin Ramona Mang erzählte. Danach galt es, die infrage kommenden Rampengrößen auszumessen. „Und wir mussten natürlich schauen, dass wir genügend unterschiedliche Legosteinen zusammenbekommen“, sagte sie. Über Social-Media-Kanäle wie Instagram und WhatsApp und Co. habe man aufgerufen, sei von Haus zu Haus gelaufen und habe auch Aufrufe in Schulen gestartet, sagte Anja Michel. „Manche haben die Steine vorbeigebracht, bei anderen wurden sie zu Hause abgeholt. Es gab aber auch finanzielle Spenden“, ergänzte Annika Griebel begeistert.

Dann war bei der Erstellung der Rampen technische Feinarbeit gefragt, wie Fabio Griebel berichtete. Mithilfe eines Spezialklebers galt es auch, für die nötige Stabilität zu sorgen. „Alles ging Hand in Hand. Jeder wusste, was er zu tun hatte“, sagte Fabio. „Der Pfarrer ist zur Probe schon mal draufgestanden. Die Rampen halten aber auch leicht ein Auto aus“, waren sich die Minis sicher. Positiv auch die Resonanz bei den beteiligten Einzelhändlern. „Wir freuen uns über die Initiative und das Angebot, mitmachen zu dürfen. Wirklich eine tolle Aktion“, sagte etwa Marco Wagner von Juwelier Uhlenbrock in der Wilhelmstraße.

Zufrieden über den bisherigen Verlauf der 72-Studen-Aktion zeigte sich auch Dekanatsjugendreferentin Sabrina Kemle. „Es ist schon sehr beeindruckend, mit wieviel Engagement und Herzblut die einzelnen Gruppen bei der Sache sind. Trotz vorgegebener Aufgaben bleibt auch die Kreativität nicht auf der Strecke“, fasste sie zusammen.

Bleibt die Frage, ob man bei den Jettenhausener Minis nach diesem erfolgreichen Samstagnachmittag sich schon zufrieden zurücklehnen durfte? „Nein, natürlich nicht. Jetzt muss noch nachgearbeitet werden, sodass alles am Schluss genau passt“, so die Erklärung. „Gefeiert wird dann erst nach Abschluss der Aktion gemeinsam mit allen anderen Beteiligten am Sonntag in den Gärten von St. Canisius.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen