Ein Loch ist im Eimer: Pedro Krisko und Zarina Abdrakhmanova bei ihrer Performance vor dem Kunstverein.
Ein Loch ist im Eimer: Pedro Krisko und Zarina Abdrakhmanova bei ihrer Performance vor dem Kunstverein. (Foto: Fotos: Harald Ruppert)

„Zeppelinin, unsere Heldin, trägst uns viermal um die Erdin“ - das war der lustige Beitrag des Performance-Duos „Weisser Westen“ zum Kunstfreitag, der am Weltfrauentag stattfand. Mit einem zu Bruch gegangenen Luftschiff auf dem Kopf erwies „Weisser Westen“ vor allem dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer seine Referenz, und damit dem Bauhaus-Zeitalter, auf das auch die Ausstellung „Ideal Standard“ im Zeppelin-Museum blickt. Musikalisch bot die gut besuchte Performance im Foyer des Museums viel Sausen, Fiepen und Dada-Witz. Überdeutlich waren die Anleihen bei der Pop-Poetin Anne Clark. Schon wegen gleich drei Ausstellungen war das Zeppelin-Museum das Zentrum des gut besuchten Kunstfreitags. Nur der Jazz wurde schon besser angenommen. Engagiert vom Verein Jazzport machte die Band The Real Mob Jazz für wahre Jazzfans, und die sind beim Kunstfreitag eine Minderheit.

Nicht auf die Masse schielte auch das Kulturbüro. Es zeigte im Kiesel Kurzfilme, die rund um die Poesie kreisten. Darin diskutierten etwa tunesische Studenten die Übersetzungsmöglichkeiten eines Gedichts - ambitioniert, aber wenig unterhaltsam. Das Publikum war beim sonst an Kunstfreitagen vollen Kiesel deshalb rar gesät.

Auf reges Interesse stießen im Medienhaus die Führungen durch die neuen Dauerleihgaben der Artothek. Warum man sich für zehn Werke von sieben Künstlerinnen aus dem Bodenseeraum entschieden hatte, erklärte Artothek-Leiterin Katrin Lörcher. 85 Prozent der Kunstausstellungen werden laut eine Studie von Männern bestritten, obwohl das Geschlechterverhältnis an den Kunsthochschulen ausgeglichen sei. Da war er wieder, der Bezug zum Weltfrauentag.

Im ZF-Turmatelier im Zeppelin-Museum löste der neue ZF-Stipendiat Franz John die oft gehörte Forderung nach einer gesellschaftlich wirksamen Kunst ein. Er baut mithilfe von Farbstoffen von Pflanzen lichtdurchlässige Solarzellen. Sie wirken wie gefärbtes Glas und können deshalb Teil der Fassade werden, anstatt wie konventionelle Solarpaneele auf Dächern aufgestellt zu sein. Zum eigentlichen Künstler wird John, wenn er diese farbigen Fensterflächen entwirft oder sie für leuchtende Lichtinstallationen benutzt. Zur Bedingung macht er, dass die genutzten Pflanzen aus der unmittelbaren Umgebung des Ortes stammen, an dem ein Kunstwerk aufgestellt wird. Für seine Ausstellung am Ende des Stipendiums im Zeppelin-Museum experimentiert er daher mit in Tettnang angebauten Hopfensorten.

Auch eine unauffällige Performance bekam viel Aufmerksamkeit: Pedro Krisko schöpfte mit einem löchrigen Eimer Wasser aus dem Bodensee und marschierte mit unermüdlich maschinenhaften Bewegungen auf seine Partnerin Zarina Abdrakhmanova zu. Er schüttete den Restinhalt in ihren Eimer, und sie goss ihn, in derselben Maschinenhaftigkeit, wieder in den See zurück. War es ein sinnloser Vorgang, der da in vielen Wiederholungen ablief? Eher ein der Sinnlosigkeit abgerungenes „Trotzdem“, das den Alltäglichkeiten unseres Lebens entspricht, dessen wir dennoch nicht müde werden.

Viel Anklang fand die Mitgliederausstellung im Kunstverein. Zum einen wegen ihrer Vielseitigkeit, zum anderen weil einzelne Ausstellende Auskunft über ihre Arbeiten gaben. So wird sichtbar, dass der Kunstverein nicht nur aus einem aktiven Vorstand besteht.

Die Galerie Lutze ist und bleibt die Kunstfreitagsstation, an der wie nirgends sonst seit Jahrzehnten Kunstarbeit mit Herzblut und Unbeirrbarkeit gemacht wird. Diesem Ernst entspricht die konzentrierte, fast auf die Leinwand meditierte Malerei der ausgestellten Künstlerin Hyun-Sook Song.

In der Plattform 3/3 erlebte die Vernissage der Ausstellung von Alma Göring und Carla Chlebarov einen Besucheransturm. Viele wanderten von dieser energiestrotzenden Malerei dann auch weiter zur Vernissage in der Zeppelin-Universität. Dort traute man seinen Augen nicht: Der japanische Künstler Yoshiaki Kaihatsu hat die White Box mit weißem Flokati ausgelegt. Selbst die zum Versinken weichen Sitzbänke, ein Tisch und ein Rednerpult, waren mit dem Kunstfell überzogen. Nur mit weißen Überziehern darf der Raum betreten werden - damit kein Schmutzschatten der Außenwelt hineingetragen wird. Aber Kaihatsus Kunst ist nicht realitätsabgewandt, im Gegenteil. Er möchte hier einen Raum schaffen, dem die Härte und Unnachgiebigkeit der Wirklichkeit abgehen und der deshalb die Möglichkeit gibt, reale Probleme und Konflikte anzusprechen und sie zivilisiert auszutragen - in einer Atmosphäre, die so friedlich ist, als seien sie schon gelöst.

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