Rolf Henke (links), der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, und Stefanos Fasoulas, der Leiter der Prog
Rolf Henke (links), der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, und Stefanos Fasoulas, der Leiter der Programmkommission der Veranstaltung, freuen sich auf den 67. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress. (Foto: Alexander Tutschner)

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist laut eigener Aussage die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetze sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

Könnte ein Flugzeug ohne echten Pilot autonom fliegen? Wird es bald Weltraum-Taxis geben? Diese und andere spannende Fragen werden beim 67. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) diskutiert, der von Dienstag bis Donnerstag im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen stattfindet. Rund 600 Experten treffen sich zu Erfahrungsaustausch, Networking und Diskussion über neue Technologien und Trends der Branche. Die rund 280 Vorträge sind dem Fachpublikum vorbehalten. „Digitalisierung und Vernetzung in der Luft- und Raumfahrt“ ist das Kernthema, ein Schwerpunkt liegt auf der Kommerzialisierung der Raumfahrt.

„Das Thema Digitalisierung ist der Schwerpunkt auf diesem Kongress“, sagt Rolf Henke, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), die den Kongress veranstaltet. „Das ist das Thema der Stunde sowohl für die Luft- als auch für die Raumfahrt.“ Digitalisierung greife in alle Bereiche ein. Das beginne etwa mit der Entwicklung von Flugzeugen mittels Computersimulationen bis hin zu digitalen Zulassungsprogrammen und gehe weiter zur Produktion in der „digitalen Fabrik“. „Thema ist aber auch die Flugführung, die zunehmend digital wird“, sagt Henke weiter. Die Digitalisierung umfasse den gesamten Lebenszyklus eines Flugzeuges oder eben auch eines Raumfahrzeuges.Durch vollständige virtuelle Spiegelung entstehe ein „digitaler Zwilling“, der während des gesamten Flugzeugslebens mitlaufe. Jede Beschädigung wird dabei aufgezeichnet, alle Starts und Landungen gespeichert. „Das erleichtert die Wartungsprozesse und das Ersatzteilhandling“, sagt Henke, am Ende des Flugzeugslebens wisse man genau, welche Teile noch verwertbar seien. Fehler könnten vorhergesagt werden, bevor sie überhaupt entstehen. Ein Stück weit müsse natürlich auch die reale Welt noch eine Rolle spielen: „wenn dann der virtuelle Passagier mit virtuellem Geld bezahlt, wird es schwierig“, sagt Henke mit einem Augenzwinkern.

Auch echte Piloten werden laut Henke noch eine ganze Weile nötig sein. Aber: „Nach einer Schätzung brauchen wir in den nächsten 20 Jahren 600 000 Piloten, die wir vermutlich nicht bekommen werden“, sagt Henke. Unbemannte Fluggeräte werden deshalb zunehmen, meint Henke, zunächst eher im Frachtbereich, „das wird aber auch seinen Weg in die zivile Luftfahrt finden, Air-Taxis sind momentan in aller Munde.“ Man müsse aber unterscheiden zwischen technischer Machbarkeit auf der einen und der Akzeptanz und der Zulassung auf der anderen Seite. „Da sind noch einige Hürden zu nehmen, bevor ein Flugzeug ganz autonom fliegt.“ Auf dem DLRK wird ausgiebig über das Flugzeug der Zukunft diskutiert. Treibstoffeinsparung durch neue Technologien, neue Pilotenassistenzsysteme, Maschinen mit hybrid-elektrischem Antrieb oder neue Oberflächenstrukturen der Maschinen sind weitere Themen.

Satellitengestütztes Internet

„Der DLRK ist die nationale Konferenz für Luft- und Raumfahrt schlechthin“, sagte Stefanos Fasoulas, der Leiter der Programmkommission des Kongresses, „auf dem sich die Experten treffen, um die aktuellen Entwicklungen national, europäisch und international zu diskutieren und sich zu vernetzen.“ Ein wichtiges Thema beim Kongress ist die Kommerzialisierung der Raumfahrt. „Hier werden die Potenziale und die Risiken diskutiert“, sagt Fasoulas, „und insbesondere die Rolle Deutschlands und Europas“. Unter dem Schlagwort „NewSpace“strömten immer mehr kommerziell geprägte Geschäftsmodelle auf den Raumfahrtmarkt. Private Unternehmer wie SpaceX-Gründer Elon Musk wollten den Weltraummarkt mit neuen Technologien erobern und seien damit erfolgreich. Konkrete Beispiele dafür seien etwa das satellitengestützte Internet, oder neue Dienstleistungen, die über Erdbeobachtungssatelliten angeboten werden können. „Vom Verkehrsstau bis zu Veränderungen der Landschaft“ gebe es immer neue Nutzungsmöglichkeiten der Satellitentechnik. Wirtschaftlich liege das größte Potenzial aber im Bereich des Internets.

„Der Durchbruch war sicher der privat organisierte Zugang zum Weltraum durch SpaceX“, sagt Fasoulas, „das neue daran wäre, dass man das künftig auch in der bemannten Raumfahrt macht.“ Denkbar sei also ein Taxi-Dienst für den Weltraum. „Vielleicht erleben wir jetzt die Geburtsstunde des klassischen Raumfahrttourismus.“

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist laut eigener Aussage die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetze sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

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