Ex-Fraktions-Chefin der Grünen verbucht das Aus für die Colani-Therme als größten Erfolg

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 Ade Friedrichshafen, hallo Freiburg: Mathilde Gombert, die Ex-Fraktionsvorsitzende der Grünen.
Ade Friedrichshafen, hallo Freiburg: Mathilde Gombert, die Ex-Fraktionsvorsitzende der Grünen. (Foto: gus)
Regionalleiter

Wenn am 26. Mai der neue Häfler Gemeinderat gewählt wird, werden danach einige altgediente Mandatsträger nicht mehr dabei sein. Eine aus der vordersten Reihe hat schon im Januar einen Schlussstrich gezogen: Mathilde Gombert, die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Als größten Erfolg ihrer 23 Jahre im Rat nennt sie das Aus für die Colani-Therme in Fischbach.

Als sie 1991 als eine von zwei Grünen in den Häfler Gemeinderat nachgerückt ist, galten Politiker ihrer Partei zumindest im konservativen Süden noch als Exoten. „Wir waren nicht beliebt“, erinnert sich die heute 69-Jährige an ihre kommunalpolitischen Anfänge. „Damals gab es noch einen funktionierenden bürgerlichen Block aus CDU und Freien Wählern, der uns das Leben schwer gemacht hat.“ Die etablierten Parteien hätten oft einen Informationsvorsprung gehabt, grüne Anträge seien stets chancenlos gewesen. „Wir waren ganz klar Opposition“, sagt Gombert. „Das hat uns frustriert, aber auch motiviert. Ich war von unserem Weg immer überzeugt.“

Drei Oberbürgermeister hat sie als Rätin erlebt: Bernd Wiedmann, Josef Büchelmeier und Andreas Brand. Letzterer zeichne sich dadurch aus, dass er versuche, Räte und Bürger mitzunehmen, und dass er für die Dinge wirbt, die ihm wichtig sind. Waren es anfangs nur zwei Grüne, sitzen heute sieben Vertreter der Partei im Rat. Das Verhältnis zu den anderen Fraktionen und der Verwaltung sei entspannt und respektvoll, immer wieder gelinge es, grüne Ideen durchzubringen. Nur manchmal spüre man noch die alten Konfliktlinien, bei der Fahrradpolitik etwa oder beim Thema Parkplätze. Der Streit um den Seewald zeige, dass auch die anderen Parteien sensibel für Umweltthemen seien, Bedenken aber zurückstellten, sobald andere Interessen dem entgegenstehen.

„Teufel mit dem Beelzebub“

Als größten Erfolg ihrer politischen Arbeit bezeichnet die Grüne die Verhinderung der Colani-Therme, die ihr und vielen Mitstreitern gelungen sei. Der Umweltgedanke sei jetzt viel weiter verbreitet in der Bevölkerung, auch der Ausbau der Radwege sei ein grüner Erfolg, ebenso die Tatsache, dass die Schätzlesruh noch nicht bebaut ist. Als Misserfolg wertet Gombert, die nie als Lautsprecherin aufgefallen ist, aber durchaus als beharrliche Nachfragerin, den Bau der B 31-neu, die „den Teufel mit dem Beelzebub austreibt“, weil die Straße den Verkehr und die Belastung der Anwohner nur verlagere. Den Bau der neuen Messe und den neuen Flughafen-Terminal habe man nicht verhindern können.

Mathilde Gombert ist im Schwarzwald aufgewachsen, hat in Freiburg Englisch und Französisch studiert und ist 1984 wegen ihres Mannes nach Friedrichshafen gekommen. Die 68er-Bewegung und der Kampf gegen das Atomkraftwerk in Wyl haben haben sie politisch geprägt. Schon im Schwarzwald hat sie einen grünen Ortsverband mitgegründet, auch in Friedrichshafen, wo sie als Lehrerin an den Beruflichen Gymnasien gearbeitet hat, hat sie gleich in ihrer Partei mitgemischt. „Es hat mir beim Einleben geholfen, dass ich mich mit den Themen der Stadt beschäftigt und identifiziert habe“, erinnert sie sich. Nun zieht es sie in die alte Heimat, vor allem der Familie wegen, denn in Freiburg, wo sie ab April wohnt, wird Gombert als Oma gebraucht. In den Gemeinderat dort drängt sie nicht. 23 Jahre (mit einer Legislaturperiode Unterbrechung) „sind genug“. Vor allem das Amt der Fraktionsvorsitzenden habe Zeit und Kraft gekostet. Bis zum Bezug eigener Fraktionsräume habe sie zuhause ein Arbeitszimmer komplett mit Ratsunterlagen belegt.

Der Stadt Friedrichshafen wünscht Gombert, „dass sie sich noch mehr auf den ökologischen Weg macht“. Ihrer Partei traut sie einen Stimmenzuwachs bei der Wahl am 26. Mai zu. „Unser Ziel muss es sein, drittstärkste Fraktion zu werden.“ Sie selbst freue sich darauf, „jetzt meine Familie ganz in der Nähe zu haben“. Am Tag der Wahl wird sie aber sicher mit mehr als einem halben Auge Richtung Friedrichshafen gucken, denn „Politik wird immer ein Teil meines Lebens bleiben“.

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