Es hat einige Schläge gebraucht, bis es endlich immerhin tröpfelt, als Bürgermeister Andreas Köster (rechts) am Samstag im GZH d
Es hat einige Schläge gebraucht, bis es endlich immerhin tröpfelt, als Bürgermeister Andreas Köster (rechts) am Samstag im GZH den ersten Gerstensaft in Richtung Krug animierte. (Foto: Siegfried Großkopf)
Siegfried Großkopf

Es hat schon spritzigere Starkbieranstiche gegeben: Bis es endlich immerhin tröpfelte, benötigte Bürgermeister Andreas Köster einige Schläge. Mancher hatte schon befürchtet, es kommt überhaupt nichts aus dem Fass. Endlich! Die Erleichterung über die Ankunft des Gerstensaftes war dem Schultes ins Gesicht geschrieben. Um die 600 Starkbierfreunde waren am Samstagmorgen ins Graf-Zeppelin-Haus gekommen, um die Fastenzeit mit Meckatzer-Bockbier, spitzen Bemerkungen und super Musik der La Paloma Boys einzuläuten.

„Es isch mol wida Faschdezeit“, erinnerte Seegockel-Zunftmeister Oliver Venus im Rückblick an die lange Fasnet am Seeufer und die harten Zeiten in der Kitzenwiese, als „Laschder“ („oiner nach äm andere“) die Siedlung als Umleitungsstrecke nutzten und manchen Gartenzaun niedermachten. Die Folge: „Da wird gejammert Tag für Tag und täglich neues Leid beklagt.“ Die Keplerstraße, den Narrenbrunnen und den Güterzug, der eigentlich „dä Bäcker war“ (den Riechnerv betreffend), nahm er auf die Schippe und ließ es dem Schultes immer wieder heiß werden. Nicht vergessend den Hinweis, dass immer mehr junge Leute und Familien Friedrichshafen Richtung Umland verlassen, weil hier nichts los ist. Erst Dieter Thomas Kuhn hat diese Stille unterbrochen, intonierte der Zunftmeister mit seiner Mini-Gitarre und seinem Lied an den Sommer. Auch die große Politik geißelte Venus, beginnend bei einer gewissen Frau Merkel und noch nicht endend beim bayerischen Problem-Bär Bruno, hinter dem sich in Wirklichkeit der Horst und sein Kumpel Söder verbergen.

Mathias Beiter sorgte mit seinen La Paloma Boys fast pausenlos für prächtige Stimmung, beginnend mit dem Märzen, in dem der Bauer sein Rösslein einspannt, weil „das arme Schwein“ keinen Bulldog hat. Keinen Hit ohne Sprit mahnte er für seine Mannen an. Beiter hat den Elferrat im Saal erblickt und seine Obereisenbacher und sogar Badener, die er aber nicht extra begrüßte. „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“, sang die einzige „Sängerin“ der Band, dem Hit folgte das Lied vom „Rehragout“.

Englischlernen in der VHS

Einen Haufen Geld hat der Band das Lied von Ernst Moschs englischer Interpretation über den Brexit Großbritanniens gekostet, denn man hat dafür eigens einen Musiker zum Englischlernen zur Volkshochschule geschickt. Dixie von den Hot Dogs hatten die La Paloma Boys auch drauf. Wobei Beiter verriet: „Die Alten kennen’s noch, mein Vadder hot’s vergesse“. Die Aufforderung, die „Feierzeig‘ rauszuhole“ zur Disco-Musik der 1970er-Jahre funktionierte nicht so richtig. Offenbar waren zu viele Nichtraucher da.

Frank Janßen erwies sich bei der Vorstellung der Band mit spitzer Zunge (nur nicht gegen Schwule, Lesben und Indianer) als intimer Kenner der Musiker. Von den Brüdern, deren Vater schon viele Schwiegertöchter kennengelernt hat, bis zum Superoriginal, das im Sommer Surflehrer und im Winter bei der ZF ist, über den Kollegen, über den gelästert wird, weil er in Lottenweiler wohnt, und dem aus Bavendorf mit dem Traktor, so hoch wie ein Zweifamilienhaus, mit dem er in jedes Schlafzimmer schauen kann, wusste er über alle Interna Bescheid. Eine noch spitzere Zunge als Janßen hatte nur noch Mathias Beiter, der ihm schon einmal zum gefühlten 100. Geburtstag am 18. März gratulierte.

GZH-Chef Mathias Klingler blieb bei so viel gelungenem Starkbier-Anstich nur, allen Sponsoren und Organisatoren – aus seinem Team Anja Keckeisen mit ihrer Mannschaft – sowie seinen Technikern und den hübschesten Service-Kräften im Hafen zu danken.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen