Erster Schweizer durchschwimmt den Bodensee in seiner gesamten Länge

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Bruno Baumgartner hat gut lachen. Der Schweizer durchquert den Bodensee in seiner gesamten Länge und dies trotz großer Schwierig (Foto: Oliver Halder)
Schwäbische Zeitung

Geschafft! Vieles ist nicht nach Plan gelaufen. Dennoch hat es Bruno Baumgartner geschafft und den Bodensee in seiner gesamten Länge über 64 Kilometer von Bodman nach Bregenz nonstop ohne Neoprenanzug durchschwommen. 24 Stunden 20 Minuten und 12 Sekunden benötigte der sympathische Extremschwimmer, Bruno Baumgartner aus Höfen bei Thun, um die Distanz von 68,060 Kilometern als erster Schweizer und zweiter Schwimmer überhaupt, nonstop und ohne Neoprenanzug zurückzulegen. Dabei stand das Schwimmen mit einer Wassertemperatur am Start von nur 18,8 Grad Celsius unter keinem guten Stern und bereits sechs weitere Stunden nach dem Start, vor dem Aus.

Bereits vor dem Start wehrte sich der Bodensee. Mit gerade einmal 18,8 Grad. Wassertemperatur lag er da und man hatte den Eindruck er wollte in dieser Saison kein zweites Mal bezwungen werden. Der 44-jährige Extremschwimmer, Bruno Baumgartner aus Höfen bei Thun in der Schweiz wollte die Temperatur überhaupt nicht wissen, als der Veranstalter der Bodenseequerung, Oliver Halder, diese vor dem Start ermittelte. Da dies jedoch ein wichtiger Punkt ist, um den Start zu entscheiden, war die Information unumgänglich. Ein Motivationsschub war es auf keinen Fall, doch das Wasser war ruhig, das Wetter gut und alles bereits lange Zeit organisiert. Deshalb erfolgte dann auch der Start planmäßig um genau 21 Uhr am Strandbad in Bodman.

Starke Strömungen im Überlinger See auf den ersten 20 Kilometern machten mehrere Kurskorrekturen notwendig was dazu führte, dass sich ein Seil des extra angebrachten „Bremsfasses“ um die Schiffschraube wickelte und zu einem Stillstand des Begleitbootes führte. Es ging nicht mehr vor und nicht zurück. Die Wassertemperatur lag hier bei etwa 19 Grad und das gesamte Projekt stand vor dem Aus. Bruno Baumgartner schwamm in dieser Zeit bereits Runden um das Boot, um nicht weiter auszukühlen. Es blieb keine andere Möglichkeit, als die Schiffsschraube unter dem Boot von dem Seil zu befreien, um diese wieder gangbar zu bekommen. Oliver Halder, selbst erfahrener Schwimmer, zog sich kurzerhand um und stieg in Badehose, Schwimmbrille und einer für den Unterwassereinsatz suboptimalen Lampe in das schwarze kalte Wasser des Bodensees. Beim dritten Tauchgang unter das Boot gelang es ihm das Seil, das sich zwischen dem Ruder und der Schiffsschraube verwickelt hatte, zu lösen. In dieser dreiviertel Stunde musste Bruno Baumgartner weiter seine Runden um das Begleitboot ziehen, ohne auch nur einen Meter voranzukommen.

Nachdem diese Schreckminuten überstanden waren, ging es mit neuer Motivation weiter. Die starken Strömungen vor Langenargen wurden durch geschickte Navigation relativ gut bewältigt, doch der zunehmende Verkehr auf dem See erschwerte das Vorankommen mehr und mehr. Ungeachtet aller Widrigkeiten schwamm Baumgartner seinem großen Ziel weiter entgegen. Der Plan, noch vor der zweiten Nacht Bregenz zu erreichen, wurde aufgrund der vielen Verzögerungen nicht eingehalten. Die optische Navigation wurde dadurch natürlich erheblich erschwert und auch die gefürchteten Strömungen im Bregenzer Raum traten ein.

Es wurde ein unglaublich harter und unerbittlicher Kampf auf den letzten Kilometern. Etwa 500 Meter vor dem Ziel begann Bruno Baumgartner zu halluzinieren, was bei derartigen Anstrengungen und Belastungen für Körper und Geist durchaus vorkommen kann. Mit vereinter Kraft und gutem Zureden, gelang es der Crew, Bruno Baumgartner wieder auf Kurs zu bringen. Die letzten Meter wurde er mit großem Jubel von Land aus begrüßt und stieg am 30. August um 21:20 Uhr aus dem Wasser. Er hat den Bodensee über die gesamte Distanz von 64 Kilometer bezwungen. Schwimmend legte er über 68,060 Kilometer zurück, wobei hier die Extrarunden um das Begleitboot nicht berücksichtigt sind.

Informationen zur Bodenseequerung sind im Internet unter www.bodenseequerung.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/bodenseequerung zu erhalten.

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