ZU-Professor Jürgen Wieland begrüßt Claus Hipp (rechts) im Rahmen der Bürgeruniversität.
ZU-Professor Jürgen Wieland begrüßt Claus Hipp (rechts) im Rahmen der Bürgeruniversität. (Foto: Kirsten Lichtinger)
Kirsten Lichtinger

Wie Wirtschaft und Ethik zusammenpassen, erfuhren die zahlreichen Zuhörer am Donnerstagabend bei der Bürgeruniversität von Claus Hipp. Der 81-jährige Bio-Pionier aus dem bayrischen Pfaffenhofen plauderte im voll besetzten großen Hörsaal der Zeppelin-Universität unterhaltsam aus seinem unternehmerischen Leben. Er richtete den Fokus ebenso auf die allgemeine Wirtschaft.

„Wir erleben unschöne Dinge wie Schummel-Software bei Autos, aber auch Banken, die ihre eigenen Papiere nicht verstehen“, sagte er. Dagegen müsse vorgegangen werden. Das Hauptproblem in Deutschland ist aus seiner Sicht nicht die Steuerbelastung, sondern die Überregulierung. Sein Rat: Für jedes neue Gesetz ein anderes Gesetz streichen. „Wir kennen die Sucht, Verträge zu machen und teure Juristen zu beschäftigen, aber ein Handschlag bindet mehr als Papier“, lautete seine Empfehlung. „Wir bejahen den Wettbewerb und verdienen gerne Geld. Wie verantwortungsvoll wir damit umgehen, ist aber die entscheidende Frage“, sagte Hipp. Es sei wichtig, klug zu sein, Ideen zu haben und diese durchzusetzen. Dennoch sei nicht alles was erlaubt ist, auch legitim. „Wir können großes Unrecht begehen und trotzdem legal handeln.“

Insgesamt gelte es, Jugendliche zu bilden, nicht nur auszubilden. Wichtig sei, Menschen die praktische Fähigkeiten hätten, anzuerkennen. „Wir brauchen sie“, sagte er. Außerdem gehe es darum, Kreativität zu fördern. „Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass kreative Menschen leistungsfähiger und sozialverträglicher sind.“ Er plädierte für einen anständigen Umgang miteinander. Dabei bezog er sich auf die vier wichtigsten Tugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhaltung. Niederlagen gehörten zum Leben. „Wir lernen aus Scheitern mehr als aus Erfolgen“, gab er zu bedenken. „Der Tapfere steht wieder auf und lernt aus seinen Fehlern.“

Einige Regeln hat Hipp auf sein Unternehmen übertragen. So gebe es unter anderem eine langfristige Erfolgsorientierung auf anständige Weise und es gebe keine Versprechen an Kunden, die nicht eingehalten werden können. Vereinbarungen mit Führungskräften, Aus- und Weiterbildung, eine jährliche Beurteilung der Mitarbeiter, aber ebenso eine anonyme Beurteilung der Führungskräfte gehörten zur Unternehmensstrategie. Er hält das Betriebsrestaurant für die schnellste Informationsplattform. In Pfaffenhofen gebe es jetzt eine vorbildliche Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit sei wichtig. Es brauche ein gesundes Verhältnis zwischen Ehrgeiz und Rücksichtnahme. Von Unternehmensberatern halte er nicht viel, er schätze die freie Rede mehr als Powerpoint-Präsentationen. Seine größte Herausforderung sei es gewesen, den biologischen Landbau für seine Produkte einzuführen und durchzuhalten, gab er in der anschließenden Fragerunde zu Protokoll. „Bleiben Sie der Idee treu und lassen Sie sich nicht entmutigen. Seien Sie optimistisch, denn Erfolg hat nur der Optimist“, so sein Credo.

Claus Hipp ist eine außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit und vielseitig interessiert. Er übernahm 1967 die Unternehmensleitung des Babynahrungs-Herstellers Hipp von seinem Vater. Zuvor absolvierte er ein Jurastudium. Parallel dazu arbeitete er als Meisterschüler an einer Münchner Malschule und ist seither auch als freischaffender Künstler tätig. Eine weitere Leidenschaft gilt dem Reitsport. Er arbeitete zu Studienzeiten als Stuntman, wobei er Filmgrößen wie Curd Jürgens doubelte, und startete später bei internationalen Springturnieren. Neben vielen weiteren Auszeichnungen erhielt er unter anderem das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

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