Julius Böhm

Und jährlich grüßt das Murmeltier und klaut dem VfB Friedrichshafen im letzten Moment die Meisterschale. So scheint es zumindest, denn zum dritten mal in Folge kommen die Berlin Recycling Volleys in die ZF-Arena an den Bodensee und entscheiden die Meisterschaft im letzten Moment für sich. Lange Gesichter in Blau und Weiß, Feierlaune bei Spielern und Fans in Orange. Die Enttäuschung ist freilich groß, doch bei den meisten Fans der Häfler überwiegt der Stolz auf ihre Mannschaft.

VfB-Geschäftsführer Guido Heerstraß bringt es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wenn du ein Finalspiel hier zu Hause so knapp verlierst, ist die Enttäuschung groß. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Saison natürlich mit zwei Titeln sehr erfolgreich war. Und auch ein Lob an unsere Fans: Die Atmosphäre war wirklich große Klasse und hat unserer Mannschaft noch einen extra Schub gegeben.“

Von der ersten Sekunde waren die 3810 Zuschauer in der Arena – zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft – lautstark da. Das kann man vom VfB nicht gerade behaupten. Die ersten beiden Sätze gingen sang und klanglos an die Gäste. Aber einer der Häfler versuchte, die sensationelle Stimmung in der Halle für sich und sein Team zu nutzen: Rafael Redwitz.

Der Franzose feierte jeden Punktgewinn, als wäre der Titel schon sicher und heizte immer wieder die Massen an. Das fruchtete, denn Friedrichshafen kämpfte sich beeindruckend zurück ins Spiel. Umso größer die Enttäuschung am Ende. „Die Stimmung war super. Ich wollte dafür sorgen, dass wir selbstbewusster und aggressiver auftreten. Wir haben den Fans gezeigt, dass wir alles für die Meisterschaft geben – aber es hat nicht gereicht“, sagte Redwitz.

Denn im fünften und entscheidenden Satz setzten sich die Berliner hauchzart mit 16:14 durch und durften feiern – stilecht mit mitgebrachtem Berliner Pilsener aus der Hauptstadt. „Wir waren auf eine Meisterfeier vorbereitet“, sagte Gäste-Kapitän Sebastian Kühne nach dem Spiel zur „Schwäbischen Zeitung“ und lachte, „das gehört dazu. Man muss selbstbewusst in ein solches Spiel reingehen. Aber großes Lob an Friedrichshafen und das sensationelle Publikum heute. Sie haben uns alles abverlangt, ab dem dritten Satz ein wirklich geiles Spiel gezeigt und dann auch noch mit dieser Stimmung im Rücken. Ich denke, das war heute Werbung für den Volleyball-Sport.“

Stolz auf die Häfler überwiegt

„Wir hätten es einfach verdient gehabt, weil wir eine überragend sympathische Mannschaft haben“, sagt Sandra Kluge aus Friedrichshafen, „aber trotzdem einen großen Dank für dieses spannende, geile Spiel an die Mannschaft – und Glückwunsch an Berlin.“ Daniel Kurz aus Markdorf stand das ganze Spiel mit blau-weiß gefärbtem Gesicht vor der Tribüne und heizte den Fans mit seiner Trommel ein. Natürlich war er enttäuscht, „aber irgendwie auch glücklich. Die Mannschaft hat so sehr gekämpft, da kann man gar nicht böse sein.“

Obwohl es immer wieder Friedrichshafen gegen Berlin im Finale um Meisterschaft heißt, ist von Fanrivalität keine Spur. Freundschaftlich verabschiedete der Häfler Trommler sein Pendant aus dem Berliner Fanblock. Mehr als 100 Fans waren per Bus, Auto und Flugzeug aus der Hauptstadt angereist. Und während Berlins Manager Kaweh Niroomand ankündigte, „von jetzt bis Mittwoch ist durchgehend Party“, ging es für die meisten Fans auf eine zehnstündige Tour auf der deutschen Autobahn in Richtung Heimat.

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