Eis muss nicht immer gefrorenes Wasser sein

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Mit Tanz, Akrobatik und vielen Kostümen begeisterte der „Russian Circus on Ice“ sein Publikum im Graf-Zeppelin-Haus.
Mit Tanz, Akrobatik und vielen Kostümen begeisterte der „Russian Circus on Ice“ sein Publikum im Graf-Zeppelin-Haus. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Friedrichshafen - Emma-Maria Müller ist schon ganz aufgeregt. Das zehnjährige Mädchen ist aus Kirchdorf an der Iller gekommen – zusammen mit fünf Cousins und Cousinen. Natürlich auch mit Mama und Papa, Onkel und Tante, die mit den Eintrittskarten für den Eiszirkus als Weihnachtsgeschenk offenbar genau ins Schwarze getroffen haben. Dass sich Emma-Maria auf die kommenden zwei Stunden freut, steht außer Frage. Zumal sie selbst schon als Dreijährige mit dem Ballett angefangen hat. „Ich glaube, dass es wunderschön wird“, sagt sie in großer Vorfreude. „Ich tanze auch schon seit ich vier bin“, ergänzt ihre siebenjährige Cousine Antonia Wehrle. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Kostüme“, meint sie. „Vielleicht kann man sich auch fürs Eislaufen was abgucken.“

Der „Russian Circus on Ice“ im nahezu ausverkauften Graf-Zeppelin-Haus ist zweifellos eine Veranstaltung für die ganze Familie. Das vermeintliche Eis auf der Bühne entpuppt sich nicht als gefrorenes Wasser, sondern als zusammensteckbare Kunststoffplatten. Aber Schlittschuhe und Kufen sind echt, die Kostüme sind abwechslungsreich und bunt, und die Performance ist klasse, auch wenn die Höhepunkte zunächst eher Mangelware bleiben. Trotzdem: Es wird ein kurzweiliger Abend mit Akrobatik, Tanz und purer Ästhetik. Körper kreisen durch die Lüfte, Künstlerinnen wirbeln mühelos mit ihren Reifen, Tänzerinnnen verbiegen ihre Körper in alle denkbaren und undenkbaren Richtungen. In eislauftechnischer Hinsicht kann in erster Linie Dariia Serebrennikova in der Rolle der Gerda mit ihrer eleganten Ausstrahlung und ihren gelungenen Sprüngen überzeugen.

Die Geschichte nach dem Märchen von Hans Christian Andersen spielt im Reich der Schneekönigin. Dort herrscht Kälte, und wenn dann noch der Teufel einen Spiegel zerspringen lässt, dessen Splitter das Herz des armen Kay zu Eis erstarren lässt, dann ist guter Rat teuer. Aber seine Freundin Gerda lässt nichts unversucht. Sie trifft auf ihrer Reise auf eine Räuberprinzessin, auf Zinnsoldaten, auch auf eine Krähe und ein blaues Rentier – und hat viele spannende Abenteuer zu bestehen.

Musikalisch gesehen trifft die Kleine Nachtmusik von Mozart auf Tschaikowskis Nussknacker und auf den Fledermauswalzer von Johann Strauß. Ein schrilles „O sole Mio“ wird mit einer Säge und der Säbeltanz von Chatschaturjan sogar mit Glasflaschen vertont.

„Einfach toll“, sagt Emma-Maria in der Pause. Sie fachsimpelt mit Antonia darüber, ob die Rolle der Gerda womöglich doppelt besetzt ist, weil ihr Kleid einmal rote und einmal blaue Streifen hatte. Und sie freuen sich darüber, dass sie sich zusammen mit anderen Kindern beim „Eisstockschießen“ im Foyer beweisen dürfen.

Anschließend nimmt die Aufführung spürbar an Fahrt auf. Auch die Optik kommt mit verschiedenen Lichteffekten nicht zu kurz. Mit Schlittschuhen auf Ein- oder Hochrädern zu fahren oder fantastische Seilakrobatiknummern zu präsentieren, scheint für die Artisten kein Problem zu sein. Einer der künstlerischen Höhepunkte ist sicher auch das Hüpfen und Springen über und durch verwirrend schwingende und rotierende Seile. Und was passiert mit Gerda und Kay? Natürlich siegt am Schluss das Gute über das Böse und die Kraft der Liebe kann jedes zu Eis erstarrte Herz erweichen. Dankbarer und langanhaltender Applaus des großen und kleinen Publikums für einen letztlich doch entzückenden Ausflug ins Märchenland.

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