Hermann Marte

Aufführungen finden im Kiesel heute, Freitag sowie am 6. und 9. Oktober statt, jeweils um 20 Uhr.

Die neue Produktion des Theaterspielclubs 19plus hat am Mittwochnachmittag Generalprobe gefeiert. „LOSTnFound“ heißt das neue Stück, das die Gruppe entwickelt hat. Heute um 20 Uhr hat das Stück im Kiesel Premiere.

Seit Mai arbeitet der Theaterspielclub 19plus an dieser Aufführung. Sechs Wochen davon waren allerdings ferienbedingt spielfrei, sodass es am Ende nicht mehr gar so viel Probenzeit war. Dazu kam, dass sich die Gruppe dieses Jahr großteils neu zusammensetzt. Das Kulturbüro hat das Höchstalter für die Teilnehmer auf 35 Jahre herabgesetzt, um mehr junge Leute auf die Bühne zu bringen. Daher gab es in der zehn Personen starken Truppe nur noch drei Mitglieder, die schon einmal unter der Leitung von Alexandra de Jong gespielt hatten. Die anderen waren alles Neulinge. Daher verbrachten die Schauspieler die meiste Zeit mit „Gruppenfindung“ unter der Leitung der Theater- und Kunstpädagogin. Auch das ganze Stück wurde von den Darstellern und der Leiterin aus Improvisationen entwickelt. So stand das Textbuch dann erst Anfang September und das Ende der Probenzeit stellten vier sehr arbeitsintensive Wochen dar.

Der Schauplatz der Handlung ist eine Tankstelle irgendwo am Ende der Welt, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Hier gibt es nicht einmal irgendwo eine Unterkunft für Reisende, von einem Geschäft mit Fahrradersatzteilen wie einem neuen Schlauch ganz zu schweigen. So reicht schon ein platter Vorderreifen aus und eine fremde Frau strandet an dieser Tankstelle. Hilfe kann sie von dem eigenbrötlerischen, höchst wortkargen Tankwart nicht erwarten. Von seiner herrischen Mutter noch viel weniger. Also muss sie hier unbestimmte Zeit warten, bis der bestellte Neureifen eintrifft. Dabei hat sie eigentlich nicht mehr viel Zeit, denn ganz zu Beginn des Stückes hat sie telefonisch eine ärztliche Diagnose erhalten, auf die sie mit einem entmutigt traurigen „Wie lange noch?“ geantwortet hat.

Diese drei Personen sind die tragenden Rollen in dem Stück, alle anderen tauchen nur manchmal kurz auf. Abgesehen von einer kurzen Reprise am Ende des Stückes vor dem geschlossenen Vorhang.

Wer Theaterstücke mag, bei denen auf der Bühne viel passiert, der wird hier nicht glücklich werden. „LOSTnFOUND“ ist eindeutig etwas für Freunde des ruhigen Theaters. Die längsten Sequenzen sind immer die, in denen vor der Tankstelle Müll aufgesammelt wird. Das geschieht langsam, sehr ruhig und gründlich. Zur Eile besteht ja auch kein Grund, in dieser Gegend liegt einfach der Hund begraben. Das Einzige, was hier für Aufregung sorgt, sind die Besuche von Bussen. Und dann geht es richtig ab und die sonst allgegenwärtige stille Langeweile wird schlagartig von Radau und wildem Trubel unterbrochen. Doch wenn die Gäste kurz danach wieder weg sind, bleibt eben nichts weiter zu tun, als ihren Müll aufzuräumen.

Zwei persönliche Verhältnisse bilden den Inhalt des Stückes. Das des Tankwartes und der Fremden zueinander und das des Tankwartes zu seiner Mutter. Beide ändern sich in Abhängigkeit voneinander ganz langsam und mit ganz wenig Worten.

Dazwischen tauchen sternschnuppenartig auch andere Schicksale auf. Junge Bäuerinnen auf verzweifelter Männersuche, der Geistliche auf Urlaubsreise, mit einer Überraschung im Gepäck, und die Flüchtlingsproblematik. Letztere wird von zwei Seiten betrachtet.

Es steckt ganz offensichtlich eine Menge Arbeit in dem Stück und alle Darsteller haben sich mit ihren Rollen und dem Gesamtbild viel Mühe gegeben. Wer ruhiges Theater mag, das sich viel Zeit lässt und sich selbst nicht krampfhaft zum Hochkunstpojekt hochstilisiert, kann hier einen interessanten Abend verbringen.

Aufführungen finden im Kiesel heute, Freitag sowie am 6. und 9. Oktober statt, jeweils um 20 Uhr.

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