Eine Reise durch die höfische Lautenmusik

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Lautenmusik der Renaissance spielte Thorsten Bleich beim zweiten Sommerkonzert in der Schlosskirche.
Lautenmusik der Renaissance spielte Thorsten Bleich beim zweiten Sommerkonzert in der Schlosskirche. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Zum zweiten Sommerkonzert in der Schlosskirche hat Kantor Sönke Wittnebel den Lautenisten Thorsten Bleich eingeladen, einen profunden Kenner der Alten Musik, insbesondere der Lauteninstrumente. Das von ihm erarbeitete Gesprächskonzert unter dem Titel „Martin Luthers Reisetagebuch“ sollte noch einmal anknüpfen an das vergangene Lutherjahr, das noch lange nicht alle Facetten der Lutherzeit erfassen konnte.

Die Verbindung zu Luther erschien zwar etwas weit hergeholt, doch nahm der Musiker beim intimen Konzert im Altarraum der Schlosskirche seine Zuhörer mit seiner Renaissance-Laute mit zur Musik zu Luthers Zeit, zum Zentrum der Lautenmusik in Oberitalien sowie an Höfe in Deutschland, Frankreich und England. Das erste Stück „Tastar de Corde“ von Joan Ambrosio Dalza führte hinein in den Klang der Renaissance-Laute, einer mit den Fingern angeschlagenen Knickhalslaute in Quart/Terz-Stimmung, die in Europa in der Renaissancezeit üblich war. Deren Klang begleitete die Zuhörer nun eineinhalb Stunden. Sanft und beruhigend, ja meditativ wirkte die Musik, mal zärtlich wiegend, mal tänzerisch bewegt, doch für ungeübte Ohren letztlich schwer unterscheidbar. Auf seiner Reise nach Rom habe Martin Luther sicher die Laute als „Kofferradio“ im Reisegepäck gehabt, ebenso auch beliebte Lieder seiner Zeit wie das folgende Lied „Mille regretz“, das Lieblingslied Kaiser Karls V. von dessen Hoflautenisten Luis de Narváez.

Vom Schottenkloster in Erfurt, für das drei schottische Stücke standen, ließ Bleich den reisenden Luther nach Mailand ziehen, ein Grund, Francesco da Milano, den Lautenisten des Papstes, vorzustellen. Lieblich klang dessen Solostück „Ricercare 10“. Dass sich die europäischen Monarchen von dort berühmte Lautenisten an ihren Hof geholt hatten, war Thorsten Bleich Anlass zu Ausflügen an den Hof des französischen Königs Franz I. wie an den Hof von Heinrich VIII. in England. Anmutig, aber auch schwermütig waren die Stücke von Albert de Rippe und Pierre Attaigant, man sah zierliche Ballette vor Augen, hörte auch ein Liebeslied. Von Paris führte Bleich an den englischen Hof, wo der für seine unglücklichen Frauen bekannte Heinrich VIII. auch ein großer Musikliebhaber gewesen sei, der das dargebotene Stück „Past Time“ wohl selbst komponiert habe. Auch hier hielten sich Wehmut und eleganter höfischer Tanz die Waage. Der Venezianer Marco d’Aquilla stand dafür, dass Luthers Rückreise vielleicht, aber wenig wahrscheinlich über Venedig geführt hatte. Dann ging die Reise wieder zurück zum Schottenkloster Erfurt, wo die Stücke aus dem „Rowallan Lute Book“ volkstümlich und tänzerisch klangen. Lebhaft war zuletzt die Fassung von „Mille regretz“ aus der Feder des Nürnberger Lautenisten und Lautenbauers Hans Gerle.

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