Kurt Olaf Venger, Vorsitzender des Ältestenrats des Württembergischen Yachtclubs (von links), Josef Büchelmeier, Vorsitzender de
Kurt Olaf Venger, Vorsitzender des Ältestenrats des Württembergischen Yachtclubs (von links), Josef Büchelmeier, Vorsitzender des Vereins Amici di Imperia und Fotograf Adolfo Ranise, dessen Bilder bis 29. März im GZH zu sehen sind
Gudrun Schäfer-Burmeister

Der Friedrichshafener Verein Amici di Imperia feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Am Freitag fand im Alfred-Colsman-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses der Festakt statt. Die Eröffnung der Fotoausstellung „Das ganze Meer im Rausch der Segel“, die bis zum 29. März im Foyer des GZH zu sehen ist, bildete den Auftakt.

Fotograf Adolfo Ranise war am Vortag aus seiner Heimatstadt Imperia über den vom Schneesturm gepeitschten San Bernardino angereist. Auch die 25 Bilder in seinem Gepäck zeigen stürmische Ansichten. Hart am Wind kreuzen die historischen Segelyachten, die er im Spiel von Licht und Gegenlicht, Wasserglitzern und wellenbewegtem Meer durch die Fotolinse in ganz besondere Momente gebannt hat. Alle zwei Jahre findet vor der ligurischen Partnerstadt von Friedrichshafen die Regatta „Vele d'Epoca“ statt. Mit einem motorisierten Schlauchboot nähert sich Ranise seinen Objekten, was nicht ungefährlich ist und ebenso viel Geschick wie Geduld erfordert. Die Aufnahmen bearbeitet der preisgekrönte Fotograf künstlerisch, sodass sie eine gemäldeartige Optik bekommen.

„Veronique“ heißt die Fotografie der gleichnamigen Yacht, die Ranise als Geschenk für den Württembergischen Yachtclub mitgebracht hat. Sein Lieblingsbild ist „Moonbeam IV“ und zeigt die 29 Meter lange Yacht aus dem Jahr 1914, an deren steil aufragendem Bug eine unerschrockene Seglerin mit den Naturgewalten kämpft. Der zehnjährige Geburtstag des Vereins mündete vor fünf Jahren in der offiziell besiegelten Partnerschaft beider Städte an Wasser und Bergen. Unterstützt wurde die Suche nach einer Partnerstadt in Italien vom damaligen Oberbürgermeister Josef Büchelmeier, der als Vereinsvorstand Vernissage und Festabend moderierte und dessen von den italienischen Freunden mitunter in den Saal geworfene Spitzname „Vulcano Peppone“ auf sein besonderes Engagement dieser Freundschaft hinweisen mag.

Reisen von Sport- und Musikgruppen, Besuche zur Olivenernte und zu Weinverkostungen, regelmäßige Schüleraustauschfahrten und private Besuche knüpften und festigen die persönlichen Verbindungen.

Die Herausforderung Europas

Der Männerchor Friedrichshafen-Fischbach, der den feierlichen Abend mit musikalischen Gänsehauteffekten bereicherte, zählt dazu. Die Verbindung des persönlichen und bürgerschaftlichen Engagements mit der Entwicklung gemeinsamer gesellschaftlicher und politischer Ziele zählt zu den historischen Ursprüngen von Städtepartnerschaften. Auf die Bedeutung dieser gemeinsamen Ziele, im Hinblick auf die Herausforderungen Europas in Gegenwart und Zukunft, wiesen die Redner in ihren Grußworten hin.

Norbert Lins, Mitglied des Europäischen Parlamentes, sieht eine Stärkung der Europäischen Union als unerlässlich, „um in einer komplexen Welt bestehen zu können“. Den von Populisten geschürten Vorurteilen gelte es entgegenzutreten, „zu meinem Bedauern muss ich leider feststellen, dass auch in Ihrem Land zwei europaskeptische Parteien an der Macht sind“, wandte sich Lins an die Gäste aus Imperia.

Massimo Darchini, Generalkonsul der Republik Italien in Stuttgart, betonte, dass Klimawandel, Fluchtbewegungen und soziale Gerechtigkeit als europäische Aufgaben zu begreifen sind. Sein klares, enthusiastisch geäußertes Bekenntnis Italiens zu Europa wurde mit Begeisterung aufgenommen.

Auch im Namen von Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand überbrachte Bürgermeister Dieter Stauber die Glückwünsche der Stadt. Sein Gruß galt den „Amici di Imperia“, die mit ihrem Einsatz das Feld für die Städtepartnerschaft bereitet haben. Seit zwei Jahren wird die Basisarbeit auch durch den Verein Amici di Friedrichshafen in Imperia verstärkt. Silvia Masserini, Präsidentin des italienischen Partnervereins, nahm als Geschenk der Stadt Friedrichshafen aus Staubers Händen einen Scheck über 5000 Euro entgegen, der den Fischern in Imperia zugute kommen und dem Wiederaufbau des Infostandes des Fischerkonsortiums dienen soll, der bei den schweren Unwettern im vergangenen Herbst zu Schaden kam. „Dieser Scheck soll ein Zeichen für die gelebte Partnerschaft sein und dafür, dass man sich beisteht.“

Josef Büchelmeier durfte für die Amici di Imperia ebenfalls einen Scheck entgegennehmen: „Es ist eine Null weniger als bei Frau Masserini“, schloss Stauber. Silvia Masserinis Mutter stammt aus Deutschland. Ihr Rat an die Tochter, die ihr erzählte, sie müsse in Friedrichshafen eine Rede halten, lautete: „Sag bloß nichts Politisches.“ Doch eine Partnerschaft zwischen Deutschland und Italien sei bereits etwas Politisches. Es gehe nicht nur um schönes Essen und Trinken oder darum, Ausflüge zu machen. „Man entscheidet sich damit gegen Vorurteile.“

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