Napoleon Aniche ist Elektroingeineur und soll die Leitung der neuen Berufsschule übernehmen.
Napoleon Aniche ist Elektroingeineur und soll die Leitung der neuen Berufsschule übernehmen. (Foto: Vivien Götz)
Vivien Götz

Die Bodenseeschule St. Martin unterstützt in Nigeria den Aufbau eines Berufsschulzentrums. Der zukünftige Rektor der neuen Schule, Napoleon Aniche, war in den vergangenen Wochen in Deutschland zu Gast, um sich über das duale Ausbildungssystem zu informieren. Der Elternverein der Bodenseeschule ist schon seit Jahren in der Region um die Stadt Okigwe engagiert, die im Hinterland des Nigerdeltas liegt. Seit Beginn des Engagements arbeitet die Bodenseeschule dabei mit dem nigerianischen Geistlichen Father Josephat zusammen. Er ist der direkte Ansprechpartner vor Ort, gut vernetzt und hat einen großen Kreis an Unterstützern.

„Von der Möglichkeit einer Berufsschule hat Father Josephat seit Beginn unserer Zusammenarbeit geträumt“, berichtet Andreas Glatz, der an der Bodenseeschule unterrichtet und zu dem sechsköpfigen Kernteam gehört, dass die Hilfe für Nigeria organisiert. In dem westafrikanischen Land fehlt vor allem der Mittelstand, junge Menschen mit Studienabschluss finden kaum Jobs, es gibt aber auch keine strukturierte Alternative in Form einer anerkannten Berufsausbildung.

Begonnen hat das Projekt Berufsschule mit der Idee, in der nigerianischen Schule, die von der Bodenseeschule unterstützt wird, mehrere handwerkliche Arbeitsplätze einzurichten. „Am Ende haben wir einen astwagen mit Werkzeug und Material im Wert von 35 000 Euro nach Nigeria verschifft“, erzählt Alexandra Jelitte von Ow. Sie gehört der Elternvertretung an, hat das Projekt von Anfang an begleitet und vor allem viele Handwerker ins Boot geholt. Diese haben nicht nur Werkzeug gespendet, sondern auch mit ihren praktischen Erfahrungen zum Erfolg des Projekts beigetragen.

In Nigeria sei Father Josephat die treibende Kraft der Projekte, sind sich Andreas Glatz und Alexandra Jelitte von Ow einig. Ihm sei es zu verdanken, dass die vorherigen Projekte, eine Schule und ein Krankenhaus, inzwischen selbständig funktionieren und nicht mehr auf Unterstützung aus Deutschland angewiesen sind.

„St. Martin-Hope-Institute of Technology“ soll die neue Berufsschule heißen. Father Josephat kennt den zukünftigen Rektor Napoleon Aniche schon seit Jahren. Der 60-Jährige ist Elektroingenieur, war Rektor eines Gymnasiums und hat 34 Jahre lang unterrichtet. „Wenn die jungen Leute ordentlich ausgebildet sind, dann werden sie sich auf dem Arbeitsmarkt auch behaupten können“, ist Aniche überzeugt. Er ist noch bis zum 28. Oktober in Deutschland, um sich über das duale Ausbildungssystem zu informieren. Das Berufsbildungserk Adolf Aich in Ravensburg und die Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm in Friedrichshafen haben Napoleon Aniche in den vergangenen Wochen einen Einblick in die duale Ausbildung zum Maurer, Schlosser und Schreiner ermöglicht. „Ich bin davon sehr beeindruckt. Die Kombination aus theoretischem Unterricht und den praktischen Einheiten - das will ich auch in Nigeria übernehmen“, sagt er.

Für die Berufsschule in Okigwe werden die Gebäude eines alten Krankenhauses nach und nach saniert. Der Schulbetrieb soll im Oktober starten, zunächst mit 18 Auszubildenden. Mit der Fertigstellung weiterer Gebäude, wird auch die Zahl der Schüler wachsen, ist Napoleon Aniche überzeugt. Die Ausbildung am „St. Martin Hope-Institute for Technology“ soll vier Jahre dauern. Die Schüler und Schülerinnen sollen Grundlage im Maurern, Schreinern und Metallbauen erlernen.

Napoleon Aniche hofft, dass seine Absolventinnen und Absolventen eigene Betriebe gründen werden, in denen zukünftige Schüler wiederum die Gelegenheit zum Lernen bekommen. Wenn das funktioniere, bestünde eine Chance, dass sich rund um die Berufsschule ein Netzwerk für eine informelle duale Ausbildung bilde, hofft der 60-Jährige, der für die Gründung der neuen Schule extra aus der Rente zurückgekehrt ist.

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