Neues Zeppelin-Hörspiel im Kiesel vorgestellt: Zwei Sprecher demostrieren unter dem Bild des Grafen, wie eine Szene entsteht. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Gerade mal zur Hälfte gefüllt ist der Kiesel im K42 am Montagabend bei der Voraufführung des Hörspiels „Zeppelin in Amerika“ über die Amerika-Reise des Grafen im Jahr 1863 gewesen. Wenig Interesse, und das im Zeppelin-Jubiläumsjahr, für eine kostenlose Veranstaltung mit einem so prominenten Gast wie dem Autor Felix Huby (32 „Tatorte“, „O Gott, Herr Pfarrer“ ...).

Nach einer Idee von Franz Hoben hat Huby den Text für das Hörspiel geschrieben, an das er erst mit gemischten Gefühlen herangegangen sei, wie er im Gespräch mit Redakteurin Christel Freitag bekundete. „Schulfunk“ sei der erste Gedanke gewesen, der ihm vor der Realisierung gekommen sei, dazu die Frage, wie er für das sperrige Thema die geeignete dramaturgische Form finden sollte. Man habe sich dann in Friedrichshafen getroffen, ausgiebig recherchiert.

In traditioneller Technik ist ein Hörspiel entstanden, das zwar auf den klassischen Erzähler verzichtet, aber neben der Geräuschuntermalung jeweils den Ort der Szene benennt. Der historische Zeppelin war auf seiner Amerikareise allein unterwegs, hier bekam er mit Friedrich Löffler einen Landsmann zur Seite, der immer wieder seine Wege kreuzt. Beide Sprecher, Philipp Alfons Heitmann für den Grafen und Markus Michalski für Löffler, waren am Premierenabend anwesend und spielten, als das Hörspiel verklungen war, eine Szene im Zelt vor. Dabei demonstrierten sie auch, wie die Begleitgeräusche zustande kommen, wie das Laufen über Bandschnipsel den Gang über Waldboden simuliert oder wie sich ein Zelt aus dem 19. Jahrhundert anhört, ganz wie im Schulfunk. Christel Freitag erzählte, wie sie eine Klavierdecke als Geräuschlieferant für das Zelt im Feldlager entdeckt hatte.

Graf Zeppelin holt sich in Amerika bei Präsident Lincoln die Genehmigung, als Kriegsbeobachter tätig zu werden, er macht eine Expedition in den Urwald und lernt einen Fesselballon kennen. Das Ganze gewürzt mit Humor und einem Schuss Pilcher. Nein, keine Liebesgeschichte, aber rührend: Auch wenn es ihm schier das Herz brechen würde, würde der junge Ferdinand, der sich schon die Urlaubsbewilligung vom König geholt hat, keineswegs gegen den Willen des Vaters die Reise nach Amerika antreten, um als Beobachter den Bürgerkrieg zu erleben. Der lieben Schwester Eugenia gelingt es, den Vater umzustimmen. Wir hören, wie daheim aus seinen Briefen vorgelesen wird, dann wechselt der Schauplatz wieder nach Amerika, auch Präsident Abraham Lincoln ist im Gespräch präsent. Im Fesselballon hat Zeppelin die Vision von einem lenkbaren Luftschiff – die Zukunft beginnt. Ein strebsamer junger Mann wird hier vorgestellt, der genau weiß, was er will und nicht oft genug sagen kann: „Wenn einer ein Ziel und einen starken Willen hat,...“ Wem da nicht warm ums Herz wird...

Die Ausstrahlung in SWR4 ist am 6. Juli um 21.03 Uhr.

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