Ein Stück von Demokratie und Unterdrückung

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Die Theatergruppe der Gemeinschaftsschule Leutkirch spielt den „Überaus starken Willibald“ nach dem Buch von Willi Fährmann.
Die Theatergruppe der Gemeinschaftsschule Leutkirch spielt den „Überaus starken Willibald“ nach dem Buch von Willi Fährmann. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Eine Mäuseschar wuselt über die Bühne des Kleinen Theaters in der Bodenseeschule. Während sich die Zuschauer noch ihre Plätze suchen, spielen die Mäuse auf der Bühne miteinander, betreten die Bühne und verschwinden wieder. Die Theater-AG der Gemeinschaftsschule (GMS) Leutkirch hat den „Überaus starken Willibald“ nach dem Buch von Willi Fährmann an den Schul- und Jugendtheatertagen gezeigt. Ein Kinderbuch, das Diktatur und Ausgrenzung zum Thema hat.

Das Mäuserudel sind 18 Schüler der GMS Leutkirch. Obwohl es ein Kinderstück ist, steht ganz klar die politische Aussage im Vordergrund. Der „Überaus starke Willibald“ ist eigentlich eine Maus unter vielen, die aber die allgemein herrschende Angst vor der Katze ausnutzt, um die anderen zu unterjochen. Das Gartentor ist geöffnet worden und die Katze hätte jederzeit einfallen und die Mäuse fressen können. Das macht sich Willibald zunutze. Einen Schuldigen hat er schnell gefunden. Die Albino-Maus Lillimaus, die eben etwas anders ist als alle anderen. Die Gruppe grenzt Lillimaus aus. Während Willibald die anderen bis zum Umfallen marschieren und im wahrsten Sinne des Wortes nach seiner Pfeife tanzen lässt, wird Lillimaus in die Bücherkiste verbannt. Dem Mäuserudel wird vom Boss Willibald „im Interesse der Sicherheit das Tanzen, Spielen und Denken“ verboten.

Doch Lillimaus lernt in der Bücherkiste das Lesen und die Geschichten beflügeln ihre Fantasie. Sie bewahrt sich das eigenständige Denken und findet immer mehr Freunde aus dem Mäuserudel und rettet letztendlich alle vor der totalen Unterdrückung.

Fährmann hat mit der Geschichte auf kindgerechte Weise den Nationalsozialismus aufgearbeitet. Die Theater-AG hat sich eines politischen Themas angenommen und die Spielfreude war den Schülern anzumerken. Dennoch hätte man sich mehr spielerische Akzente gewünscht. Einen herrischeren Willibald, ein stramm marschierendes Mäuserudel oder eine Mausefalle, die man auf der Bühne hätte sehen können. Hier sind die Lehrer gefragt, die mehr aus dem Potential der Darsteller hätten herauskitzeln können.

Dabei ist das Stück bereits mit vielen positiven Elementen bestückt. Motivierte Darsteller, schöne Kostüme, die variable Bücherkiste oder auch das Schattenspiel, mit dem die Vorlesegeschiche der Lillimaus optisch untermalt wird, sind fein herausgearbeitet. Besonders positiv aufgefallen ist die Schlussszene: Die Mäuse kommen auf die Bühne und schminken sich vor dem Publikum ab, während im Hintergrund Kinderstimmen erklären, was Demokratie bedeutet. Sie zeigen Gesicht, bekennen Farbe und beweisen, dass sie in der Lage sind, sich zu wehren.

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