Ein Spaziergang durch Deutschlands zweitgrößtes Apfelanbaugebiet

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Leona Remler

Mit über 20 Kilogramm Jahresverzehr pro Kopf ist der Apfel das mit Abstand beliebteste Obst der Deutschen. Gerade die Bodenseeregion zeichnet sich durch ihre herrliche Apfellandschaft mit einzigartigem Alpenpanorama aus und so ist es nicht verwunderlich, dass sie das zweitgrößte Apfelanbaugebiet Deutschlands ist.

Die Ortschaft Ettenkirch machte sich diesen Vorzug zu Nutzen und lud im Rahmen des diesjährigen Apfelwandertags Interessierte zu einer Benefizveranstaltung ein. Alle zwei Jahre haben Besucher die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Kernobstproduktion im Häfler Hinterland zu blicken und so fand in diesem Jahr der fünfte Apfelwandertag unter dem Motto „Alles rund um den Apfel“ statt. Das Programm versprach nicht zu viel und so öffneten am Sonntag, 01. September, vier landwirtschaftliche Betriebe ihre Hoftore und begrüßten ihre Gäste zu einem kulinarischen Apfelfest. In Verbindung mit der Landesaktion „Gläserne Produktion“ nahmen der Obsthof Bernhard in Furatweiler, die Höfe Amann am Krehenberg und Schmeh in Huiweiler und der Bio-Obsthof Schütterle in Wirgetswiesen ihre Besucher in Empfang.

Die diesjährige Aktion führte die Apfelliebhaber auf einen 4,5 Kilometer langen Weg, der keine Langeweile aufkommen ließ. Information- und Spielstationen am Wegrand bereiteten Groß und Klein Freude und gewährten einen Einblick in die Arbeit der regionalen Apfelbauern.

„Die Vorbereitungen laufen bereits seit einem Dreivierteljahr“, so Franz Bernhard. Ungefähr 250 fleißige Häfler seien im Einsatz gewesen und unterstützten tatkräftig das Orga-Team. Bernhard ist Organisator und seit Kind auf eng mit der Landwirtschaft in Kontakt. Sein Beruf als Richter am Landgericht hat nicht direkt mit dieser Branche zu tun, dennoch macht er sich um die Zukunft der Klein- und Biobauern in der Region sorgen. Besonders beschäftigt ihn das umstrittene Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das für stärkeren Artenschutz in Baden-Württemberg steht. „Eine Unterschrift unter das Begehren zu setzen ist leichter, als tatsächlich das eigene Kauf- und Konsumverhalten zu ändern“, so Bernhard.

Trotz vereinzelten Regenschauern wurde der Tag rund um den Apfel um 9 Uhr in Furatweiler mit einem Freiluftgottesdienst auf dem Hof Bernhard eröffnet. Hiltrud und Norbert Bernhard sind seit Tag Eins Teil des Apfelwandertags, der sein Debüt im Jahr 2011 feiern durfte. Sie informierten auf ihrem Hof über den konventionellen Obstanbau, stellten ihre hauseigene Brennerei vor und verschafften Einblicke in die Lagerung und Sortierung des Kernobsts. Die Musikkapelle Ettenkirch spielte zum Frühschoppen auf und gestaltete somit den musikalischen Rahmen. Pünktlich um 10 Uhr machten sich die ersten motivierten Wanderer auf den Weg und peilten den Bio-Obsthof Schütterle an, der zum Einkehren einlädt.

Darunter auch „Obst vom Bodensee“-Apfelkönigin und -prinzessin Sabrina Heiß und Ann-Kathrin Kolb. Für die beiden war der Sonntag ein besonderer Tag, denn bald müssen sie ihre Krone weitergeben. Grund dafür ist die bevorstehende Jury-Entscheidung am kommenden Mittwoch, 4. September. Da der Apfelwandertag einer der letzten offiziellen Termine der Hoheiten war, luden die Zwei ihre Kolleginnen und Freundinnen, wie die Allgäuer Käsekönigin Ivonne Keck, zum gemeinsamen wandern ein.

Der Hof Schütterle in Wirgetswiesen ist der zweite Anlaufpunkt der Route. Besucherin Rosi Rueß bevorzugt regionale Produkte: „Ich will Bauern wie die Familie Schütterle unterstützen.“

Frisch zubereitete Dinette und ein großes Angebot für das junge Publikum lockten zum Verweilen. Neben leckeren Speisen durften ebenso wenig Apfelsaft und Most fehlen. Für sieben Euro konnten sich die Besucher für den Tag ein „Benefizglas“ kaufen, wozu es drei Gratisfüllungen gab. Der Erlös kommt der örtlichen Jugend- und Vereinsarbeit zugute.

Ein besonderes Highlight bot der Hof Amann am Krehenberg, der zum ersten Mal Teil des Wandertags war. Mit ihrer Holzkunst sind sie in der Region bekannt, denn Hofbesitzer Paul Amann bearbeitet das Material mit einer Motorsäge, was zu einem sehenswerten Endresultat führt.

Zu guter Letzt steuerten die Wanderlustigen den Hof Schmeh in Huiweiler an, der mit einer eigenen Imkerei Honigprodukte verkaufte. Neben einer großen Hüpfburg und reichlich Bierbänken wurde für Grüne Berufe geworben.

Nach diesem erfolgreichen Sonntag freuen sich die zahlreichen Teilnehmer auf den nächsten Tag „rund um den Apfel“, der im Zweijahres-Rhythmus erst wieder im Jahr 2021 stattfindet. Bis dahin ist es bestimmt keine schlechte Idee, öfters Mal regional beim Apfelbauer seine tägliche Portion Obst zu kaufen. Denn wie heißt es so schön: „An apple a day keeps the doctor away - Ein Apfel am Tag hält den Arzt fern.“

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