Ein Luftschiff, das die Luftqualität misst

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Der Zeppelin NT bei der Messkampagne Pegasos im Jahr 2012.
Der Zeppelin NT bei der Messkampagne Pegasos im Jahr 2012. (Foto: Forschungszentrum Jülich)
Schwäbische Zeitung

Der Zeppelin NT ist wieder im Einsatz für die Jülicher Atmosphärenforschung: Im September werden bei Passagierflügen mit dem Luftschiff Spurengase und Feinstaub gemessen. Die Wissenschaftler verwenden die Daten zur Bestimmung der Luftqualität. Stationen und Flugziele des Zeppelins sind unter anderem Bonn, Köln und Mönchengladbach.

Für die Kampagne „LoCoSens“ bauen Jülicher Experten in der Zeppelin-Werft in Friedrichshafen eine Alubox unterhalb der Passagierkabine ein. Sie enthält neuartige, miniaturisierte Sensoren mit geringem Stromverbrauch, die während der Flüge Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide sowie Ozon messen. Dazu kommen zwei Partikelzähler, die den Feinstaubgehalt der Luft erfassen.

Längerfristiger Einsatz geplant

„Ziel ist es zunächst, diese neuen einfachen Low-Cost-Sensoren im Einsatz auf dem Zeppelin NT zu testen. Längerfristig soll das Instrumentenpaket wiederholt bei Zeppelinflügen im Rheinland eingesetzt werden und Veränderungen der Luftqualität während des bevorstehenden Strukturwandels in der gesamten Region erfassen“, sagt Astrid Kiendler-Scharr, Direktorin des Instituts für Energie- und Klimaforschung, Bereich Troposphäre.

Die Jülicher Atmosphärenforscher nutzen den Zeppelin NT seit 2007 als Messplattform. 2012 und 2013 koordinierten sie den bisher größten wissenschaftlichen Einsatz des Luftschiffs im Rahmen des EU-Großforschungsprojekts Pegasos: Drei mehrwöchige Flugkampagnen führten sie in die Niederlande, um die Alpen, über das italienische Festland, die Adria und nach Finnland. Untersucht wurde dabei die Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel. Die Messkampagnen lieferten experimentelle Daten aus einer bis dahin nur sehr wenig untersuchten Schicht der Atmosphäre.

Die besonderen Flugeigenschaften des Zeppelin NT machen ihn laut der Wissenschaftlergruppe auch 2019 zu einem idealen Transportmittel für die Messgeräte: Er kann langsam schweben, in der Luft anhalten, vertikal auf- und absteigen und bis zu 24 Stunden fliegen. Bei seiner spätsommerlichen Reise über Süd- und Westdeutschland fliegt er in einer Höhe bis zu 300 Meter; insgesamt sind rund 100 Flugstunden eingeplant.

Nach dem Start in Friedrichshafen ist Bad Homburg das erste Ziel des Zeppelins. Von dort aus flog er dieser Tage – dem Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) – über Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet.

Nach Baden-Baden (13.-15. September) sind vom 19. bis 22. September Flüge über Köln und Bonn geplant. Die Reise endet mit Passagierflügen über Mönchengladbach vom 25. bis 29. September.

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