In der Kapelle der Bodensee-Schule gibt die Camerata Serena ein inniges Adventskonzert.
(Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Zweimal hat das Vokalensemble Camerata Serena unter der Leitung von Nikolaus Henseler am Sonntag sein besinnliches Adventskonzert gesungen: am Nachmittag in der Kapelle der Bodensee-Schule St. Martin in Friedrichshafen und am Abend im Augustinum in Meersburg.

Die Camerata Serena zählt zweifellos zu den derzeit besten Kammerchören der Region. Nikolaus Henseler gelingt es, für die Projekte immer einen ausgewogenen Chor aufzustellen. 18 Sänger waren es für das besinnliche Adventskonzert: Stimmen, die solistisch tragen und sich dennoch harmonisch einfügen, Stimmen, die in den mehrstimmigen Werken ein transparentes Klanggebilde schaffen.

Klug ausgewählt war auch das Programm, das sich mit Werken von Bach bis in die Gegenwart in einem großen thematischen Bogen dem Wunder der Menschwerdung Christi annäherte und traditionell in Bachs Choral „Ich steh an Deiner Krippen hier“ mündete. Bach-Choräle aus dem Weihnachtsoratorium gliederten die Abschnitte. Johannes Brahms’ „Es flog ein Täublein weiße“, eine Allegorie auf das Christkind, eröffnete das Programm: Maria empfängt ihr Kind, die Hoffnungen und Erwartungen der Menschheit stehen vor ihrer Erfüllung. Ein Genuss war die ausgeprägte Pianokultur, die feine Balance der Stimmen, die Nuancierungen in Klangfarbe und Tonstärke.

Ein kunstvoll stille Nacht

Dreimal sang der Chor in Wolfram Buchenbergs Chorfassung das „Adeste fideles“. Erst sehr getragen auf Latein, dann in dynamischer Steigerung auf Englisch und in noch drängenderer Freudigkeit auf Deutsch: Das „Herbei, oh ihr Gläubigen“ zog geradezu magisch zur Krippe hin. Mit drei lateinischen Adventsmotetten von Josef Gabriel Rheinberger spürte Henseler mit seinem Chor der individuellen Erfahrung nach, fragte danach, was die Weihnachtsbotschaft im Einzelnen auslöst. Tiefe Gläubigkeit und freudige Erwartung sprach aus den warmherzigen Motetten.

Eine geradezu scheue Annäherung prägte Hugo Distlers Vertonungen, süßer Duft schwebte im Raum beim vertrauten „Es ist ein Ros’ entsprungen“. Innig trug der Frauenchor, von den Männern leise untermalt, in Heinrich Kaminskis „Maria durch ein’ Dornwald ging“ die Botschaft vor. Zum tiefen Erlebnis wurde in Eusebius Mandyczewskis Fassung die „Stille Nacht, Heilige Nacht“ – kunstvoll und in andächtiger Schlichtheit, die das allgegenwärtige kommerzialisierte Gedudel vergessen ließ. Hell ließen die Stimmen mit Francis Poulenc die Sterne über der Krippe erstrahlen, ehe mit Bachs Choral ein zum Herzen sprechendes Konzert zu Ende ging.

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