Die ersten Informationstafeln kommen an: Beim Aufstellen sind – neben den Mitarbeitern der beauftragten Firma – Karin Ruppelt (D
Die ersten Informationstafeln kommen an: Beim Aufstellen sind – neben den Mitarbeitern der beauftragten Firma – Karin Ruppelt (Diplom-Dolmetscherin), Cirsten Widenhorn (ciwi-design), Hartmut Semmler (Stadtarchiv Friedrichshafen) und Christa Tholander (von links) mit dabei. (Foto: Stadt)
Schwäbische Zeitung

Auf dem Hauptfriedhof in Friedrichshafen sind die ersten Infotafeln auf den Ehrenfeldern 19 und 32 aufgestellt worden. Die Schilder erlauben es, sich mit den Hintergründen, aber auch mit den Einzelschicksalen der dort bestatteten Menschen auseinanderzusetzen.

Im Ehrenfeld 32 sind 453 Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene aus der ehemaligen Sowjetunion bestattet worden, die während des Zweiten Weltkriegs in Friedrichshafen und an rund 60 anderen Orten im süddeutschen Raum ums Leben gekommen sind. Derzeit sind die Gräber nur mit Nummern versehen. In einem Totenbuch, das seit 2004 bei der Friedhofsverwaltung ausliegt, können sich die Besucher über die Grablegungen ihrer Angehörigen informieren, fasst die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung zusammen. Am Ehrenfeld 32 werden demnach seitlich an jeder Grabreihe Tafeln mit den Namen sowie den Geburts- und Sterbedaten der Bestatteten aufgestellt. Die Namensangaben auf den Tafeln werden auch in kyrillischen und lateinischen Buchstaben geschrieben. Zwei Infotafeln informieren zudem über die Hintergründe der Entstehung der Anlage, stellen die Einsatzorte dar und erzählen über die persönlichen Schicksale von Menschen, die dort begraben sind, heißt es weiter. Auch das Totenbuch soll aufgrund neuer Recherchen überarbeitet werden. Hier habe besonders Christa Tholander ehrenamtlich mit dem Stadtarchiv zusammengearbeitet, um die Geschichte des Ehrenfeldes aufzuarbeiten. Durch die neuen Tafeln sei es den Besuchern möglich, auch ohne den Blick ins Totenbuch, zu erfahren, wer dort begraben liege.

Im Ehrenfeld 19 erhalten die Besucherinnen und Besucher auf zwei Infotafeln historische Informationen zum Luftkrieg, zur Entstehung der Anlage und zu den Einzelschicksalen von Betroffenen. Neben 208 einheimischen Opfern des Luftkriegs, wurden hier ab 1943 auch Personen aus anderen europäischen Ländern wie Italien, den Niederlanden oder Polen beerdigt, die in Friedrichshafen ums Leben kamen. Begraben wurden dort beispielsweise die Norwegerinnen Aster Martinsen und Solveig Karlsen, der ermordete Ukrainer Nicolai Beslic und die bei einem Luftangriff getöteten italienischen Militärinternierten. Auch hier hat sich Dr. Christa Tholander um die Erforschung der Einzelschicksale verdient gemacht. In den 1950er-Jahren kam es dann zu zahlreichen Umbettungen ausländischer begrabener Menschen an andere Standorte.

Im März 2019 stimmte der Gemeinderat den Planungen für die neue Gestaltung der Ehrenfelder 19 und 32 auf dem Hauptfriedhof zu. Seither gab es mehrere Treffen, unter anderem mit dem Vizekonsul der Botschaft der Russischen Föderation, fasst die Stadtverwaltung in der Pressemitteilung zusammen. Alle Tafeln sind aus Sicherheitsglas mit Hinterglasfolie und werden auf feuerverzinkten Metallständern montiert.

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