Ganz schön kompromittierend, oder? Zumindest denkt das der Hotelmanager (Sebastian Fetköter, rechts) über George Pigden (links,
Ganz schön kompromittierend, oder? Zumindest denkt das der Hotelmanager (Sebastian Fetköter, rechts) über George Pigden (links, Mathias von Alberti) und Ronnie Worthington (Walter Nägele). (Foto: GSB)
Gudrun Schäfer-Burmeister

„Out of Order“ heißt die Komödie, mit der die englischsprachige Theatergruppe „Bodensee Players“ ihr Publikum derzeit zum Tränenlachen bewegt.

Wer bei „Order“ an ebensolche Rufe aus dem Britischen Parlament denkt, liegt nicht ganz falsch. Tatsächlich gerät in der Inszenierung des Stücks von Ray Cooney im Casino in Fallenbrunnen unter der Regie von Stephanie Kretschmer alles außer Kontrolle, was von Richard Willey (Andreas Ladwig), Minister in der britischen Regierung und offiziell in einer Nachtsitzung des Unterhauses, als Schäferstündchen mit Jane Worthington (Sam Kretchmer), einer Sekretärin der Labour-Oppositionspartei, geplant war.

Nicht nur die Ehefrau Pamela Willey (Maren Matthes) und der Ehemann Ronnie Worthington (Walter Nägele) müssen mit Lügen von der Hotelsuite ferngehalten werden. Dort steckt ein lebloser Körper im vertikalen Schiebefenster, was vertuscht werden muss. George Pigden (Mathias von Alberti), Assistent Richard Willeys, wird herbeigerufen um die Leiche zu beseitigen. Vor dieser Ausgangsituation entwickelt sich ein Gespinst von Ausreden, Versteckspielen, erfundenen und tatsächlich auftretenden Personen, mit denen der jung-dynamische Willey versucht, seine Haut und Karriere zu retten.

Ladwig gehört erst seit diesem Jahr zu den „Bodensee Players“ und mischt das Ensemble mit seinem jugendlichen Schwung gehörig auf. Auch wenn die Situation immer verzwickter wird, hält er als Willey optimistisch mit weiteren Lügenvarianten an seinen Plänen fest und katapultiert den Plot in eine noch höhere Drehzahl, die die Zuschauer mit wachsenden Lachsalven honorieren. Sein charakterlicher Gegenspieler ist Pigden, vom Typ her der Kofferträger des Ministers, der sich nun zu Aktionen gezwungen sieht, die ihm absolut gegen den Strich gehen. Ob er die Leiche abtransportieren soll oder als vermeintlich frisch verheirateter Bräutigam ausgegeben wird, es bleibt ihm nichts anderes übrig, als zerknirscht aber loyal auf vielfältige Weise mit Hand anzulegen. Er entfaltet seinen Charakter von einem knittrigen Muttersöhnchen zum zupackenden Liebhaber.

Sebastian Fetköter spielt den ständig besorgten und eigentlich überforderten Hotelmanager sehr überzeugend mit einem Hauch Stan-Laurel-Humor, Sean Morgan darf sein komödiantisches Talent als Kellner mit einem stets offenen Ohr dank offener Hand entfalten und „Leiche“ Bünyamin Öncel meistert die Herausforderung, sich nicht – oder eben dann doch – zu bewegen meisterhaft.

Walter Nägeles Auftritt als betrogener Ehemann, der immer ein wenig zu spät in die Suite stolpert oder kraftvoll das Nachbarzimmer zerlegt, hat seinen Höhepunkt im Abgang, als er mit seiner Kehrseite blank ziehend die Tür hinter sich schließt. Zwischen zarten Stoffen, hauchdünnen Negligés, Dessous und nackten Tatsachen entwickeln sich die weiblichen Rollen zu lasziver Brillanz. Sam Kretschmer als Jane Worthington scheint froh zu sein, dass das Stelldichein nicht stattfindet und sie wieder in ihr Kleid schlüpfen darf. Ihre Stimme ist großartig. Maren Matthes alias Pamela Willey und Sharon Hainer als Gladys Foster beweisen ihre sirenenhaften Verführungskünste am zunehmend von den Rubenschönheiten begeisterten Pigdeon. Mit der kleinen Rolle des Zimmermädchens, das von Sonja Giesenberg gespielt wird, agieren insgesamt zehn Leute auf der Bühne, die das Handlungstempo ständig hoch halten, sodass an der Premiere gelegentlich der Textfaden abhandenkommt. Macht nichts, denn das Publikum braucht Zeit zum Lachen und Tränentrocknen.

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