In den Goldbacher Stollen in Überlingen sollte während des Zweiten Weltkrieges die regionale Rüstungsindustrie verlegt werden –
In den Goldbacher Stollen in Überlingen sollte während des Zweiten Weltkrieges die regionale Rüstungsindustrie verlegt werden – am 11. Juli wird dort eine Führung angeboten. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung

Wolfgang Rieg und Stadtarchivar Jürgen Oellers führen am Donnerstag, 11. Juli, ab 18 Uhr zum zweiten Mal im Rahmen des Gedenkens an die Zerstörung Friedrichshafens vor 75 Jahren durch den Goldbacher Stollen in Überlingen, in den die Friedrichshafener Rüstungsindustrie 1944/45 verlagert werden sollte. Die Führung dauert laut Vorschau etwa zweieinhalb Stunden.

Unmittelbar nach der Bombardierung Friedrichshafens am 28. April 1944 sollten auf Befehl Adolf Hitlers die Rüstungsunternehmen Dornier-Werke und Zeppelin-Konzern (Luftschiffbau Zeppelin, Maybach Motorenbau und Zahnradfabrik) zum Schutz vor weiteren Luftangriffen der Alliierten in den günstig gelegenen Molassefelsen bei Überlingen ausgelagert werden. Von Oktober 1944 bis April 1945 wurden dafür von KZ-Häftlingen Hohlräume in den Goldbacher Felsen getrieben. Knapp 250 Häftlinge, von denen 97 auf dem KZ-Friedhof Birnau begraben sind, überlebten die Haft und Arbeitsbedingungen nicht. Nur zwei Häftlingen gelang die Flucht aus dem Konzentrationslager.

Unter dem Tarnnamen „Magnesit“ beauftragte die vor Ort zuständige Rüstungsinspektion Oberrhein mehrere Baufirmen mit der Verlagerung der Friedrichshafener Rüstungsindustrie mit einem Platzbedarf von 100 000 Quadratmetern. Es dauerte bis zum Frühherbst 1944, bis KZ-Häftlinge beim nordwestlich von Überlingen gelegenen Aufkirch ein Barackenlager errichteten und in zwei Schichten zu je zwölf Stunden schwere Arbeit verrichteten.

Das KZ-Außenkommando Überlingen/Aufkirch, das am 2. September 1944 erstmals erwähnt wurde, umfasste während der Aushubarbeiten im Stollen durchschnittlich 700 Mann. Die vom KZ Dachau zur Verfügung gestellten Häftlinge kamen aus sämtlichen Kriegsgebieten Europas, darunter nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch zahlreiche verschleppte Zivilisten. Etliche der Häftlinge starben infolge von Misshandlungen, mangelhafter Ernährung und harten Arbeitsbedingungen. Begrub man die ersten beiden Toten noch auf dem Überlinger Friedhof, so wurden die weiteren leblosen Körper dem Konstanzer Krematorium überführt und zuletzt einfach in einem nahe gelegenen Wald verscharrt.

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