Der Pilot (Guido Weber) spürt, dass der kleine Prinz (Moritz Bierbaum) zurückwill zu seinem Planeten.
Der Pilot (Guido Weber) spürt, dass der kleine Prinz (Moritz Bierbaum) zurückwill zu seinem Planeten. (Foto: Helmut Voith)

Immer mehr sind die Zuschauer am Mittwochabend in den Bann des Musicals „Der kleine Prinz“ geraten, das schon mehrfach im Graf-Zeppelin-Haus zu Gast war. Beim ersten Mal, wenige Wochen nach der Premiere im Dezember 2015, hatte man sich noch gefragt: Ein Musical zu Antoine de Saint-Exupérys so tiefgründigem, poetischem Buch – kann das gutgehen? Soll man es wagen, den magischen Zauber des Buches, die Bilder im Kopf, die poetischen Zeichnungen des Autors überdecken zu lassen? Wie wird die Botschaft des Fuchses herüberkommen, das Geheimnis, das er dem kleinen Prinzen verrät: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“?

Inzwischen weiß man, dass es der Starsängerin und Komponistin Deborah Sasson mit ihrer Musik und Jochen Sautter mit Libretto, Songtexten, Regie und Choreografie wirklich gelungen ist, Poesie und Charme des kleinen Prinzen herüberzubringen, der sich mit der Arie „Ich komm von sehr weit her“ dem gestrandeten Piloten vorstellt. „Bitte, zeichne mir ein Schaf“ sind seine ersten Worte, „ich brauch ein Schaf.“ Und schon entstehen – wie in den Eingangsszenen die Boa mit dem Elefanten – scheinbar in der Luft die Zeichnungen: die abgelehnten Schafe und die Schachtel, in der das Schaf verborgen ist.

Interaktive Animation

Vieles fügt sich hier zu einem reizvollen Ganzen: Die interaktive Videoanimation schafft immer neue Illusionen, ob wir im Geiste durch das All schweben, mit dem Piloten in ein Unwetter geraten, ob dem kleinen Prinzen aus einem Vogelschwarm Flügel zuwachsen, ob aus der Wüste ein geheimnisvoller Urwald sprießt oder rote Rosen über den Prinzen regnen. Auf mehrere Ebenen projiziert, agieren die Bilder mit dem Geschehen auf der Bühne. Stimmungsmalende Musik, die unter der Leitung der ersten Geigerin Aleksandra Kulpa live aus dem Graben kommt, begleitet die Bilder: Eine zärtliche Melodie umschmeichelt den Prinzen, sphärische Klänge begleiten seine Reise durch die Planeten zu Erde, ein flotter Ragtime den steppenden Laternenanzünder. Spanisch tanzt ein Damentrio um den Eitlen, die Schlangen winden sich zu arabischer Musik im Bauchtanz.

Immer wieder bezaubern die Songs: die hellen Koloraturen der kapriziösen Rose (Wiebke Isabella Neulist), die noch kopfüber hängend singende akrobatische Schlange (Simone Neuhold), der suggestive Song des Fuchses (Anna Friederike Wolf): „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

Und mittendrin die zwei Personen, mit denen das Ganze steht und fällt: Der Bariton Guido Weber als warmherziger Pilot, der zuletzt zärtlich die Hülle des heimgekehrten Prinzen umfängt, und Moritz Bierbaum als der kleine Prinz, so passend, so zart, so fragend, als dürfe ihn nie ein anderer spielen. Betörend seine Stimme, die wie ein Knabensopran klingen kann und dann wieder wie ein heller Tenor – ein liebenswerter Bote aus einer fernen Welt, der auf der Erde das Wesen der Liebe kennenlernen darf.

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