Entspannte Probe: Dagmar Mader (links) und Schüler.
Entspannte Probe: Dagmar Mader (links) und Schüler. (Foto: rup)

Aufgeführt wird die „Gauneroper“ jeweils im Ludwig-Dürr-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses am Freitag, 13. Juli, um 18.30 Uhr, am Samstag, 14. Juli, um 18 Uhr und am Sonntag, 15. Juli, um 10.30 Uhr. Kostenlose Eintrittskarten sind am Montag, 9. Juli von 14 bis 17 Uhr vor dem Ludwig-Dürr-Saal erhältlich. Eventuelle Restkarten gibt es ab Dienstag, 10. Juli, beim GZH-Kartenservice. Auch unmittelbar vor den Aufführungen kann es noch freie Plätze geben. Erwachsene benötigen zur Kartenabholung ein Festabzeichen.

„Hat jemand einen vergammelten Morgenrock?“, fragt Dagmar Mader in die Runde der Theater-AG. „Ich habe den ganzen Seehasenfest-Fundus auf den Kopf gestellt und keinen gefunden. Wir brauchen dringend einen vergammelten Morgenrock!“

Ohne diesen Morgenrock macht der Gangsterboss William Peachum nämlich nicht den biederen Eindruck, den er machen sollte. Er muss sich darin abheben von Macheath, seinem Gegenspieler. Der macht Peachum die Vorherrschaft streitig, ist ein passionierter Schürzenjäger und trägt daher schicke Klamotten.

Peachum, Macheath – wer bei diesen Namen an die „Dreigroschenoper“ denkt, liegt richtig. Trotzdem führt die Theater-AG des GZG beim Seehasenfest nicht die „Dreigroschenoper“ auf, sondern eine Variante: die „Gauneroper“, von Vaclav Havel in den 1970er-Jahren geschrieben. „Ich glaube, damit habe ich eine Coup gelandet“, sagt Mader. „Denn jetzt haben wir die Freiheit, das zu machen, was wir wollen“. Diese Freiheit hätte es bei der „Dreigroschenoper“ nicht gegeben. Brechts Erben dulden nämlich keine Änderungen oder Streichungen im Text, und sie bestehen darauf, dass alle 25 Lieder aufgeführt werden, in der von Brecht und Weill festgelegten Besetzung. „Das würde ganz einfach den Rahmen sprengen“, sagt Dagmar Mader.

Beim Seehasenfest wird die Gauneroper“ nun mit acht Liedern aus der „Dreigroschenoper“ angereichert – darunter die berühmte „Moritat von Mackie Messer“, „Mond über Soho“ und weitere Gassenhauer. Gesungen werden die Lieder von Paul Frey und Verena Seyboldt, begleitet von Tobias Rädle am Klavier. Im Ganzen sind über 25 Schülerinnen und Schüler beteiligt, viele aus dem Abi-Jahrgang.

Alle sind korrupt, niemand handelt ohne Hintergedanken: Das ist die Ausgangsbasis der zynischen Welt, in der die „Gauneroper“ spielt. Ein Probenbesuch im GZG macht das schnell klar. Peachum (Jannis Keller) zum Beispiel will seine Tochter Polly (Caroline Arnold) mit Macheath (Daniel Kailer) verkuppeln. Sie soll Macheaths Vertrauen erschleichen, seine Pläne ausspionieren. Dumm nur, dass dieser skrupellose Plan fehlschlägt: Polly verliebt sich tatsächlich in Macheath und will mit ihm eine glückliche Ehe führen. Aber wer weiß, vielleicht ist das sogar möglich in diesem Moloch des doppelten Spiels. Wie sagt es doch Macheath selbst: „Jeder richtige Weiberheld ist glücklich verheiratet. Und einige, wie ich, sogar mit mehreren Frauen gleichzeitig.“

Für die Mitglieder der Theater-AG besteht die Herausforderung darin, die Zweideutigkeit ihrer Rollen spürbar zu machen, eine Atmosphäre der zerfließenden Moral zu erschaffen. An einer Sache braucht bis zur Premiere aber nicht mehr gefeilt zu werden: dem vergammelten Morgenrock. „Bei Ebay gibt es einen für 15 Euro. Den können wir uns leisten“, sagt Dagmar Mader mit dem Smartphone in der Hand.

Aufgeführt wird die „Gauneroper“ jeweils im Ludwig-Dürr-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses am Freitag, 13. Juli, um 18.30 Uhr, am Samstag, 14. Juli, um 18 Uhr und am Sonntag, 15. Juli, um 10.30 Uhr. Kostenlose Eintrittskarten sind am Montag, 9. Juli von 14 bis 17 Uhr vor dem Ludwig-Dürr-Saal erhältlich. Eventuelle Restkarten gibt es ab Dienstag, 10. Juli, beim GZH-Kartenservice. Auch unmittelbar vor den Aufführungen kann es noch freie Plätze geben. Erwachsene benötigen zur Kartenabholung ein Festabzeichen.

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