Dornier-Sohn fordert Hilfe für Dornier-Museum

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Silivus Dornier feiert am 12. April 2017 seinen 90. Geburtstag.
Silivus Dornier feiert am 12. April 2017 seinen 90. Geburtstag. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Silvius J. Dornier, ältester Sohn aus zweiter Ehe des Flugzeugpioniers Claude Dornier, begeht am 12. April seinen 90. Geburtstag. Hildegard Nagler hat ihm für Schwaebische.de Fragen rund um Dornier gestellt.

Herr Dornier, Sie haben mit viel Herzblut an Ihrem dreibändigen Werk „Flugzeiten“ geschrieben. Gibt es davon noch eine Fortsetzung?

Um Himmels willen, nein. Die intensive Beschäftigung mit der Firmengeschichte, die mir das Schreiben abverlangte, war nicht einfach und kostete mir mehr als genug Kraft. Ich konnte nur auf wenige historische Quellen zugreifen und musste daher vieles nur aus meiner Erinnerung schreiben. Als Angehöriger der Familie und zeitweiser Mitarbeiter des Unternehmens lag mir nur daran, aus dieser besonderen Perspektive etwas Authentisches über die Geschichte des Werks zu berichten. Es gibt ja zur Historie immer auch verschiedene Sichtweisen und mehrere Wahrheiten. Ich wollte auch meine Wertschätzung, die ich gegenüber dem Dornier Firmengeist und der Arbeit ehemaliger Mitarbeiter empfinde, darin zum Ausdruck bringen. Damit ist meine Mission in Sachen Schreiben der Firmengeschichte aber auch erfüllt.

War es schon immer Ihr Traum, das Lebenswerk Ihrer Familie zu dokumentieren?

Nein. In welche Familie ein Mensch hineingeboren wird, in welchem Land und zu welcher Zeit ist Schicksal. Um über das, was dann von einer Familie geleistet oder nicht geleistet wurde, objektiv zu berichten, benötigte man einen größeren Zeitabstand. Abgesehen davon haben mich eigentlich die menschliche Gesellschaft, ihre Fortschritte und Irrtümer sowie der Zeitgeist als Ganzes mehr interessiert.

2015 wurde die Dornier-Baracke, einst Keimzelle der Firma Dornier, direkt neben dem Dornier Museum aufgebaut. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie die Baracke, das heutige DO.labor, am neuen Standort zum ersten Mal betreten haben?

Natürlich habe ich mich über den Erhalt der historischen Baracke und ihre Aufstellung neben dem Museum gefreut. Eine ganze Reihe von Firmen und Personen haben dies dankenswerterweise möglich gemacht. Ich finde es wichtig, dass so beispielhaft gezeigt werden kann, aus welchen bescheidenen Anfängen ein großes Werk entstehen kann. Mittlerweile dient die Baracke als Ort der Wissensvermittlung. Es ist damit eine sehr sinnvolle Ergänzung zu dem Dornier Museum.

Sie selbst haben für die Einrichtung dieser Baracke Erinnerungsstücke Ihres Vaters gegeben. Wo würde sich Ihr Vater wohler fühlen: Im modernen Dornier Museum oder im DO.labor?

Ich weiß es wirklich nicht. Am wohlsten hat sich mein Vater meist in der Natur in den Bergen gefühlt. Dort habe ich ihn jedenfalls immer am glücklichsten erlebt.

Eines Ihrer Lebenswerke ist das Dornie- Museum. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Gerüchte, die beiden technischen Museen in Friedrichshafen, das Dornier-Museum und das Zeppelin-Museum, sollten zusammengelegt werden...

Beide Museen versuchen, ähnlichen Aufgaben und Zielen zu dienen. Sie haben auch eine gemeinsame Vergangenheit, nämlich im Zeppelin Konzern. Die eigentliche Aufgabe beider Museen ist es, historische Pionierarbeiten im Bereich der Luftfahrt zu zeigen, die mit dem Standort der Stadt Friedrichshafen und seinen Menschen verbunden sind. Eine engere Zusammenarbeit beider Museen liegt deshalb auf der Hand. In welcher Weise beide Museen in Zukunft optimal koordiniert und die Erfüllung ihrer Aufgaben im Dienst der Gesellschaft ihnen bestmöglich gesichert werden, kann ich nicht sagen - es wird dies auch abhängen von der Zeppelin-Stiftung und damit von der Stadt Friedrichshafen. Nach den Statuten der von mir begründeten „Dornier Stiftung für Luft und Raumfahrt“, welche das Dornier Museum betreibt, ist der Stiftungszweck „die Förderung von Wissenschaft und Forschung im Bereich der Luft- und Raumfahrt und Neuen Technologien“. Mit kaum zu zählenden Ausstellungsobjekten, darunter auch vielen Leihgaben, mit interessanten Veranstaltungen durch ein engagiertes Team, mit einem wachsenden historischen Archiv und mit einem sehr aktiven Förderverein mit über 1000 Mitgliedern ist das Museum im Laufe der Zeit zu einer geschätzten Begegnungs- und Informationsstätte geworden. Nun ist es aber so, dass kein Museum ohne öffentliche Unterstützung existieren kann. Anlässlich der Einweihung der historischen Baracke hatte ich Herrn Oberbürgermeister Brand und den Ältestenrat des Gemeinderats der Stadt Friedrichshafen darüber unterrichtet, dass es meiner Familie allein auf Dauer nicht möglich sein wird, die finanziellen Lasten, die mit der Zukunftssicherung des Museum verbunden sind, zu tragen. Wenn sich die Verhältnisse so ändern, dass die Erfüllung des Stiftungszwecks nicht mehr möglich ist, kann nach den Satzungen der Dornier-Stiftung der Stiftungsvorstands und der Stiftungsrats den Stiftungszweck ändern oder die Zusammenlegung mit einer anderen Stiftung beschließen. Zwischen wie immer gearteter Weiterführung oder Nichtweiterführung des Dornier Museums, oder seiner Verschmelzung mit dem Zeppelin-Museum mag es aber auch weitere dazwischen liegende Lösungen geben. Museen sind ihrer Natur nach immer vergangenheitsorientiert. Was die meisten Menschen über die Vergangenheit hinaus aber tatsächlich besonders interessiert, ist die Zukunft und ihr künftiges Umfeld. Aus Handlungen und Entscheidungen in Vergangenheit und Gegenwart entsteht und manifestiert sich schicksalhaft die Zukunft. Die Dynamik dieser Entwicklung wird besonders deutlich, wenn die Fortschritte bei technischen Produkten im Zeitverlauf anschaulich gezeigt werden, gewissermaßen als Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes. Das lässt dann auch besonders gut erahnen, wie die Zukunft voraussichtlich sein wird. Ein zusätzlicher Gebäudetrakt neben den Museen, als Zukunftsforum, gewidmet dem „Zeitgeist“, würde deshalb dem Verstehen der allgemeinen Entwicklungsprozesse dienen. Wenn also beide Luftfahrtmuseen ergänzt werden könnten durch ein drittes Gebäude zur Darstellung des Zeitgeists im Sinne eines Forums für Ideen und als Werkstätte für Experimente zur Zukunft - hätte die Stadt Friedrichshafen etwas zu bieten, was in einer so authentischen Form in Bezug auf Pioniergeist kaum irgendwo sonst zu finden ist.

Sie gelten als „graue Eminenz“ in der Dornier-Familie. Wie gehen Sie damit um?

Was versteht man nicht alles unter grauen Eminenzen! Also, grau sind meine Haare tatsächlich geworden. Von Eminenz wird man im Zusammenhang mit mir nicht sprechen können. Wichtig ist, dass bei anstehenden Fragen, welche die Zukunft betreffen, die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Von wem dazu Rat und Anregungen kommen, ist nicht wichtig. Oft führen offene Diskussionen im Team zu den besten Ideen. Manchmal können auch größere Erfahrungen eines langen Lebens von Nutzen sein. Autokratische Systeme, hohle Äußerlichkeiten und Beharren auf Machtansprüchen einer Hierarchie wurden in meiner Familie nicht gerne gesehen. Eminenzen finden sich doch eher beim hohen Klerus.

Angenommen, ein guter Geist käme und würde Ihnen zu Ihrem 90. Geburtstag drei Wünsche erfüllen. Was würden Sie sich wünschen?

Erstens: Ich würde mir wünschen, dass der kühne Pioniergeist, der einst die Luftfahrt und die Luftfahrttechnik entstehen ließ und ihn vorangebracht hat – dass dieser ideenreiche Pioniergeist, der sich besonders in Friedrichshafen etwa in den Werken des Zeppelin Konzerns, in der Zahnradfabrik, im Maybach Motorenbau und auch bei den Dornier Werken zeigte, sowie sich in einzelnen besonderen Persönlichkeiten manifestierte, auch in Zukunft dem Fortschritt in unserem Land dienen wird. Zweitens: Ich würde mir wünschen, dass die Museen in Friedrichshafen ihren Besuchern Anregungen dazu geben und dass vor allem die Jugend sich dadurch inspirieren lässt, zukunftsweisende Ideen aufzugreifen und zu realisieren. Dazu würde ich mir wünschen, dass zu den bestehenden Museen ein weiteres Gebäude gebaut und eine Einrichtung geschaffen wird – gewissermaßen als Werkstatt und Forum für Möglichkeiten der Zukunft. Das sollte natürlich nicht zu Lasten der bestehenden Museen erfolgen, sondern vielmehr, um das Interesse für sie noch zu steigern. Drittens würde ich mir wünschen, dass Pioniergeist und Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams das Interesse und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit finden und auch von ihr gefördert werden.

Was wünschen Sie sich für Friedrichshafen?

Ich wünsche mir für Friedrichshafen und den ganzen Bodenseeraum eine zukunftsorientierte, impulsgebende Entwicklung, wie sie etwa im Silicon Valley in den USA zur Entstehung neuer futuristischer Technologien geführt hat. Mit der Zeppelin Universität, den bedeutenden Industriebetrieben der Stadt, den vorhandenen interessanten Museen und den verfügbaren Persönlichkeiten aus dem Bereich von Forschung und Wissenschaft sind dazu in Friedrichshafen wunderbare Grundvoraussetzungen gegeben. Der Fokus sollte gerichtet bleiben Beiträge zu erbringen, um die wirklich großen und wichtigen Probleme der Menschheit zu lösen. Im letzten Jahrhundert war mit dem „Bauhaus“ in Weimar - später in Dessau - etwas Ähnliches mit großem Erfolg unternommen worden. Der Bodenseeraum war bekanntlich auch schon im frühen Mittelalter Standort wichtiger Zentren geistigen Lebens. Wir leben in einer Zeitepoche weltweiten Umbruchs, erfüllt von großen Unsicherheiten und existentiellen Gefahren. Verantwortliches, weitblickendes Überlegen und visionäres Handeln ist da gefordert. So würde ich mir wünschen, dass Bürger und Bürgerinnen von Friedrichshafen aus allen Schichten und Berufen und besonders die Jugend der Stadt sich dafür einsetzen, dass ganz Europa eine gute, friedliche und glückliche Zukunft haben wird.

Silvius Dornier:

Geboren 1927 in Friedrichshafen ist Silvius Dornier dritter Sohn von Luftfahrtlegende Claude Dornier. Der Diplom-Ingenieur und Verleger war auch im Vorstand der früheren Dornier-Werke. Er lebt in Friedrichshafen und ist Gründer der „Esther und Silvius Dornier Stiftung“.

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