Lassen sich auch durch Verletzungen nicht unterkriegen: Markus Kohlöffel (li.) und Razak Alfaga vom BSV Friedrichshafen wollen
Lassen sich auch durch Verletzungen nicht unterkriegen: Markus Kohlöffel (li.) und Razak Alfaga vom BSV Friedrichshafen wollen bei den Olympischen Spielen in Tokio nach der Goldmedaille greifen. (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

In seiner Heimat Niger ist er ein gefeierter Star, in Deutschland kämpft er noch um Anerkennung. Dabei gehört Abdoul Razak Issoufou Alfaga vom Bodensee-Schulsport-Verein (BSV) Friedrichshafen zu den besten Taekwondokas der Welt. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 hat sich nach dem Grand Prix Finale in Moskau direkt für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert. Für seinen Trainer Markus Kohlöffel werden es bereits die sechsten Spiele sein.

Seit dem Frühjahr 2015 lebt und trainiert Razak Alfaga in Friedrichshafen und avancierte schon 2016 zum Volkshelden. Bei den Afrikanischen Meisterschaften 2014 wurde Markus Kohlöffel auf den 2,07 Meter-Mann aus dem Niger aufmerksam. „Er bewegte sich für seine Körpermaße unglaublich schnell, war beweglich und hatte das gewisse Etwas“, erinnert sich Markus Kohlöffel an das bis zu diesem Zeitpunkt noch sportlich unbeschriebene Blatt. Ein Jahr später kam das schwarzafrikanische Talent mit einem Solidaritätsstipendium des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an den Bodensee und unter die Fittiche von Markus Kohlöffel.

Razak Alfaga lernte schnell. „Koordinations- und Technikmängel waren rasch abgestellt“, so BSV-Trainer Markus Kohlöffel und mit jedem Wettkampf entwickelte er sich taktisch rasant weiter und wusste seine Reichweitenvorteile immer besser zu seinen Gunsten einzusetzen. Im Herbst 2015 gewann er als erster Sportler aus dem Niger die Afrikaspiele und ein Jahr später die Afrikameisterschaften, zudem qualifizierte er sich als erster Nigrer für die Olympischen Spiele. Zuvor hatte das Land lediglich durch die Vergabe von Wildcards an Olympischen Spielen teilnehmen können. Mit Olympiasilber in Rio de Janeiro krönte er seine bisherige sportliche Karriere und setzte 2017 mit dem Weltmeistertitel im Schwergewicht noch einen oben drauf.

Im Jahr 2017 schien das Ausnahmetalent kaum noch bezwingbar, doch dann änderte sich im Dezember beim Grand-Prix-Finale an der Elfenbeinküste alles schlagartig. Er verletzte sich am Knie, Diagnose: Ruptur des hinteren Kreuzbands. „Er wäre nicht der erste Sportler für den eine solch schwere Verletzung das Karriereaus bedeutet hättet“, erläutert Kohlöffel. Doch er kämpfte sich zurück und griff ab 2019 wieder in das sportliche Geschehen ein. Seine sportliche Klasse hatte er nicht verloren, wurde Egypt Open-Sieger, Klub-Europameister und gewann die German Open. „Das Knie hielt, somit hatte sich die ausgiebige Reha gelohnt“, blickt Kohlöffel zurück. Doch kurz darauf der erneute Rückschlag: Teil-Ruptur des hinteren Kreuzbands am anderen Knie und dies bei einer Bewegung außerhalb des Sports.

Die Zeit wurde knapp

Somit musste er erneut eine Reha-Phase durchlaufen und folgende Wettkämpfe aussetzen. Eine Operation war nicht erforderlich, aber Ende des Jahres entschied die olympische Weltrangliste über eine Direktqualifikation zu Olympia. Die Zeit wurde knapp. Im August war sein Knie noch nicht gänzlich beschwerdefrei, doch musste er bei den Afrikaspielen gewinnen, um sich seine Qualifikationschance aufrechtzuerhalten. Und er schaffte es, holte sensationell zum zweiten Mal Gold bei Afrikaspielen. Im Anschluss hatte er wieder etwas mehr Beschwerden im Knie und zusammen mit seinem Trainer begann ein Balance-Akt zwischen weiterführenden Reha-Maßnahmen und Wettkampfteilnahmen, um sich bis zum Ende des Jahres unter den Top-Fünf der Welt zu halten.

Der Balance-Akt ging auf. Der Friedrichshafener ist zum zweiten Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Bei allem Grund zur Freude hielt sich der Jubel beim BSV Friedrichshafen in Grenzen, zog er sich doch beim Grand-Prix-Finale in Moskau abermals eine schwere Verletzung zu. Er brach sich das Schien- und Wadenbein. „Hier von Verletzungspech zu sprechen wäre maßlos untertrieben, diese Anzahl und Schwere von Verletzungen habe ich in meiner gesamten Trainerkarriere noch nicht erlebt“, äußert sich BSV-Trainer Markus Kohlöffel. Dennoch sei bei akribischer Vorbereitung und keinen weiteren Rückschlägen noch alles möglich. „Wir haben unser Ziel Olympiagold noch nicht aufgeben“, äußern sich die beiden kämpferisch und wollen wie schon 2016 in Rio de Janeiro in Tokio ein sportliches Ausrufezeichen setzen.

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