Diese Freundschaft hält bereits seit 30 Jahren

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Im Rahmen einer Bürgerreise feiern Bürger aus Polozk und Friedrichshafen in Polozk gemeinsam das 25-jährige Bestehen der Städtep
Im Rahmen einer Bürgerreise feiern Bürger aus Polozk und Friedrichshafen in Polozk gemeinsam das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft. (Foto: stadt)
Schwäbische Zeitung

Rund 2200 Kilometer trennen Friedrichshafen und Polozk – und doch sind sie sich ganz nah. Vor 30 Jahren haben Friedrichshafen und Polozk eine Städtepartnerschaft geschlossen. Auch wenn in der Zeit der Corona-Pandemie keine großen Feste gefeiert werden können, wurde an das Jubiläum erinnert, und zwar mit Gottesdiensten in Friedrichshafen und Polozk, wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung schreibt.

Am 26. Mai 1990 unterzeichneten Konstantin Homitsch, der damalige Vorsitzende des Exekutivkomitees der Stadt Polozk, und der frühere Friedrichshafener Oberbürgermeister Bernd Wiedmann die „Geburtsurkunde“ für die Städtepartnerschaft. Das außerordentliche Engagement der Menschen, darunter der frühere Erste Bürgermeister Wolfgang Sigg, in den beiden Städten hat dazu geführt, dass die Städtepartnerschaft seit 30 Jahren blüht.

In Friedrichshafen engagieren sich zahlreiche Bürger für die Städtepartnerschaft. Dazu gehören der Freundeskreis Polozk, der im Juni sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, und der Arbeitskreis MEFP (Mission-Entwicklung-Frieden-Polozk) der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Bis vor wenigen Jahren engagierte sich auch der Polozk-Treff für die Städtepartnerschaft.

Seit 1990 rufen alle Organisatoren gemeinschaftlich zur vorweihnachtlichen Aktion „FN hilft Polozk“ auf. Die Häfler spenden seither für unterschiedliche Aktionen. Anfangs schickten sie Lebensmittelpakete, später Kleider und andere humanitäre Gütern. Durch diese Aktionen sind Spenden im Wert von mehreren Millionen Euro in die Partnerstadt geflossen.

Bei vielen Begegnungen lernten sich die Menschen beider Städte kennen und verstehen. So wurden Vorurteile abgebaut und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Verständigung der Menschen in Europa geleistet. Wertvolle Arbeit für die Partnerschaft mit Polozk leistet seit Jahren der Arbeitskreis Polozk, dem Mitglieder aller Partnerschaftsorganisationen und der Stadt angehören. Fritz Rück und Heinz Rinderspacher standen dem Arbeitskreis vor. Seit 2003 koordiniert Uwe Lenz als Vorsitzender des Arbeitskreises die Zusammenarbeit beider Städte. Für seine besonderen Verdienste um die Partnerschaft wurde ihm die Ehrenmedaille der Stadt Friedrichshafen verliehen. Als Dank für sein Engagement wurde er in Polozk zum Ehrenbürger ernannt. Für ihre Verdienste um die Partnerschaft wurden auch zahlreiche Bürger aus Polozk mit dem Ehrenbrief der Stadt Friedrichshafen ausgezeichnet.

In den vergangenen 30 Jahren organisierten sie gemeinschaftlich unzählige Hilfsprojekte und Hilfstransporte, um die Menschen in Polozk zu unterstützen. Hier engagierte sich besonders der Polozk-Treff unter dem Vorsitz von Fritz Rück. Seit Beginn der Partnerschaft organisierte der Verein Hilfslieferungen und unterstützte das Waisenhaus in Polozk, die katholische Kirche, das Orthodoxe Frauenkloster und viele weitere Institutionen.

Besonders wichtig war es, die medizinischen und technischen Voraussetzungen in den Krankenhäusern in Polozk zu verbessern. Seit 1991 besucht regelmäßig medizinisches Personal das Häfler Klinikum, um sich zu informieren und fortzubilden. Regelmäßig wurden medizinische Geräte für die Klinik nach Polozk gebracht. Die Geräte vor Ort werden von Uwe Lenz gewartet, damit sie in einem einwandfreien Zustand sind und jederzeit einsetzbar sind. Eine junge Ärztin aus Polozk arbeitet dauerhaft am Klinikum Friedrichshafen.

1994 wurde damit begonnen, Polozker Kinder, die einen angeborenen Herzfehler haben, in Deutschland zu untersuchen und zu behandeln. Bisher wurden unterstützt vom Verein „Friedrichshafener Herzkind“ laut Stadt 15 Kinder behandelt und zehn Kinder operiert. Darüber hinaus half Karl Fränkel mit Spenden in Form von Lebensmitteln, Speiseöl, Schokolade und kommunalen Fahrzeugen. Auch hat er sich beim Bau der Kirche St. Babola in Polozk finanziell und materiell engagiert.

Vor 20 Jahren wurde das Programm „Sauberes und gesundes Wasser – Polozk“ gestartet. Mit dem Bau einer Wasseraufbereitungsanlage konnte die Wasserqualität für die Menschen in Polozk verbessert werden. Das Projekt wurde sowohl personell wie auch finanziell aus Friedrichshafen unterstützt. Für die Verbesserung des Wasseraufbereitungssystems und die Koordination engagierte sich Horst Keller mit viel Engagement und Einsatz. So wurde die Trinkwasserqualität erheblich verbessert.

Von besonderer Bedeutung sind auch die regelmäßigen Lehrer- und Schüleraustausche sowie die Bürgerreisen mit einem interessanten kulturellen Programm. 1991 besuchten zum ersten Mal Schüler aus Polozk Friedrichshafen. Seit 1999 gibt es zwischen der Schule Nr. 16 und der Graf-Soden-Realschule regelmäßige Treffen.

Ein besonderes Projekt in der 30-jährigen Geschichte der Städtepartnerschaft war im Februar 2009 das EU-Projekt SURE. Hier unterstützte Friedrichshafen Polozk auf dem Weg, dem Konvent der Bürgermeister beizutreten, was im September 2011 soweit war. Die dafür erforderlichen Bedingungen hinsichtlich einer 20-prozentigen Verringerung des CO-Ausstoßes, einer 20-prozentigen Erhöhung der Energieeffizienz und einer Erhöhung des Energieanteils aus erneuerbaren Energiequellen auf 20 Prozent bis zum Jahr 2020 wurden so erfüllt.

Große Hilfen waren auch die zahlreichen Projekte der Partnerschaftsvereine, dazu gehören mehrere Wohltätigkeitsveranstaltungen und das Projekt „Hör mal“. Bisher wurde die Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis voll ausgestattet und Hörgeräte für 43 Kinder angepasst. Die Idee zu dieser besonderen Aktion hatten Rotraut Binder und Karl Bachmann vom Freundeskreis Polozk und Andreas Wolter in Friedrichshafen.

Den Engagierten im Arbeitskreis MEFP ist es besonders wichtig, nachhaltige Hilfe und auch Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. So unterstützten sie die Kirchengemeinden Sankt Babola in Polozk und Herz Jesu in Novo-Polozk finanziell beim Bau von zwei Kirchen und zwei Schwesternhäusern. Sie halfen beim Aufbau der Kinder- und Jugendarbeit, der Altenarbeit und von verlässlichen karitativen Infrastrukturen in den beiden Gemeinden.

Um an das 30-jährige Bestehen zu erinnern, fand ein Gottesdienst in der Kirche St. Petrus Canisius statt. In dem Gottesdienst wurde auch der Verstorbenen der ersten Stunde der Partnerschaft gedacht. Auch die Gemeinden Sankt Babola in Polozk und Herz Jesu in Nowopolozk haben Gottesdienste gefeiert, um an die langanhaltende und wertvolle Freundschaft zwischen den Menschen beider Städte zu erinnern.

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