Radio Horeb will ganz Deutschland aufzurollen. Dass das mit Hilfe von DAB+ und Sponsoren klappt, rühren Richard Kocher, Friedric (Foto: anton fuchsloch)
Schwäbische Zeitung

In edlem Ambiente und vor einem ausgewählten Publikum haben die Macher von Radio Horeb ihren Sender am Donnerstagabend im Schloss Friedrichshafen präsentiert. Gerne habe er die „ungewöhnliche Anfrage“ positiv beschieden, sagt Friedrich Herzog von Württemberg, gehe es ihm doch um den Erhalt christlicher Werte und Traditionen in einem auf Wettbewerb ausgerichteten Wirtschaftsleben.

Auch wenn Friedrichshafen noch ein weißer Fleck auf der Landkarte von Radio Horeb ist, gibt sich der Geschäftsführer des Senders, Peter Sonneborn, zuversichtlich, dass das christliche Zeugnis bald vom Pfänder herab über die ganze Region strahlt. Die Ausbaupläne sind gemacht, doch die Lizenzen sind teuer. Allein eine Million Euro werden für die DAB+ Lizenz fällig, die Astra-Satellitenfrequenz kostet 400 000 Euro pro Jahr, und die rund 40 Mitarbeiter müssen auch bezahlt werden. Da sich das Unternehmen ausschließlich über Spenden finanziert, sind Sponsoren, Multiplikatoren und Türöffner gefragt. Sie sitzen an diesem trüben Abend – nicht sehr zahlreich, aber überaus aufmerksam – im Gelben Salon zu Füßen der württembergischen Könige, die huldvoll von prächtigen Gemälden herunterschauen. Fast zwei Stunden lassen sich Geschäftsführer, Anwälte, Vorstände und Unternehmer aus der Region Konzept, Geschäftsmodell und Ziele des Senders erklären.

Für die Fundraisingaktion war die gesamte Spitze von Radio Horeb aus dem verschneiten Balderschwang angereist: allen voran Programmdirektor Pfarrer Richard Kocher, Geschäftsführer Peter Sonneborn, Berater Erwin Fritsch, Pianist Daniel Moißl, aber auch Pater Hubertus Freyberg, Leiter des Tagungshauses „Regina Pacis“ Leutkirch, der zur Zeit Radioexerzitien gibt und zu den 600 Referenten zählt, die regelmäßig auf Radio Horeb zu hören sind.

Radio Horeb sendet 24 Stunden am Tag „ein gutes, solides, katholisches Programm“, zwei Drittel davon live, sagt der Geschäftsführer. Das Programm besteht aus Nachrichten, Verkündigung, Spiritualität, Lebenshilfe und Musik. Gebetssendungen haben bei weitem die höchsten Einschaltquoten, versichert Kocher und nennt Rosenkranz, Heilige Messe, Anbetung, Kreuzweg und monastische Liturgieformen. „Da wirkt Gott – direkt und live“, sagt Kocher.

Der Pfarrer erzählt, wie er in seiner Promotion damit beschäftigt gewesen sei, der Vorsehung auf die Spur zu kommen und die Grundlinien des Handelns Gottes in der Welt zu erforschen. Dann habe sie ihn erwählt. In einem Stall in Balderschwang sei 1996 das „Senfkorn des Evangeliums“ aufgegangen. Seither strahlt die Vorsehung aus 1044 Meter herab über ganz Deutschland, und das Beste daran, „es geschehen immer wieder Wunder“, wie der Pfarrer versichert.

So sanft und gütig der Mitfünziger auch erscheinen mag. Seine Kämpfernatur bricht sich immer wieder Bahn. Er verteilt Seitenhiebe nach links (Küng) und nach rechts (Lefevre), nimmt die Bischofskonferenz auf die Schippe („kriegen nichts gebacken“) und bezichtigt die „Süddeutsche Zeitung“ einer „beispiellosen Kampagne gegen Radio Horeb“. „Wir sind die leichte Kavallerie der Kirche“, sagt er mit einem Lächeln und wendet sich an General Wolfgang Schneiderhan, der die Waffengattung bestimmt einordnen kann.

Daten und Fakten

Radio Horeb gehört zur Vereinigung Radio Maria , die 1987 in Italien gegründet wurde und die über ein weltweites Netz von Radiosendern verfügt. Träger des Senders ist der Verein Internationale Christliche Rundfunkgemeinschaft, dessen Vorsitz Pfarrer Richard Kocher seit 1995 inne hat. Kocher ist Programmdirektor von Radio Horeb und Pfarrer von Balderschwang im Allgäu, wo sich auch das Funkhaus befindet. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 45 hauptamtliche und 600 ehrenamtliche Mitarbeiter. Finanziert wird der Sender ausschließlich mit Spenden (3,3 Millionen Euro in 2012). Gesendet wird rund um die Uhr ein Programm aus Nachrichten, Gottesdiensten, Vorträgen und Lebenshilfe, das zu zwei Dritteln live produziert wird. Zu empfangen ist Radio Horeb über UKW derzeit nur in ausgewählten Regionen. Via Live-Stream kann man den Sender aber auch übers Internet hören. Mit DAB+ soll bis 2015 eine Deutschland weite Abdeckung gewährleistet sein.

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