Die Ausstellung wird am Freitag, 14. September, um 19 Uhr im Kunstverein am Buchhornplatz eröffnet. Sie dauert bis 11. November. Geöffnet ist sie jeweils mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ist das die Vertreibung aus dem Paradies? Ein Mann und eine Frau treten aus einer Blätterkulisse. Sie haben Speck auf den Hüften, wirken kraftlos, verwirrt und sie sind nackt, von kurzen Hosen mal abgesehen. Der 25-jährige Schweizer Künstler Andriu Deplazes zeigt im Kunstverein Friedrichshafen eine eigenwillige Welt. Allgegenwärtig sind in ihr die Körper und die Natur. Oft malt er grob wie einst die „Jungen Wilden“, aber seine Bilder haben eine Melancholie, die man bei den „Wilden“ der 1980er-Jahre vergebens suchte.

Deplazes’ Malerei kann befremden, sogar erschrecken. Das liegt nicht an Szenen, die auf vordergründigen Horror setzen, sondern an dem labilen Menschenbild, das sie vermitteln. Permanent erscheint der Mensch in seiner Wesenheit bedroht. Etwa durch die Natur, die mit ihren fetten Blüten ebenso fleischlich wirkt wie die meist nackt gemalten Menschen selbst. Das Kulturwesen Mensch scheint von der Natur aufgesogen zu werden, und zwar ironischerweise umso mehr, je stärker die Zivilisation seine Körperformen entgleisen lässt.

Aber geht es wirklich um Zivilisationskritik? Der Bruch reicht tiefer. Deplazes Menschen sind unheimliche Wesen; er zieht es denn auch vor, sie nicht als Menschen, sondern als „Körper“ zu bezeichnen. „Sie machen Dinge, die Menschen tun“, sagt Kurator Julian Denzler. „Aber man distanziert sich davon, weil sie nicht wirklich menschlich zu sein scheinen.“ Da ist etwa jenes Bild, das drei Nackte auf allen Vieren bei Yoga-Übungen zeigt. Nur wirken sie dabei wie Hunde oder Schweine. Oder das Paar, das vor einer dichten Blätterwand wie ein Hochzeitspaar erscheint – er mit einem Gesicht, das an eine Totenkopfmaske erinnert, sie kraftlos auf ihn gestützt, mit einem nackten rosaroten Wohlstandsbauch über dem langen weißen Rock. Dieses Paar gleicht Geschöpfen aus dem Operationssaal des Dr. Moreau. Sie versuchen, Menschen zu imitieren, weil ihnen ihre Tiernatur geraubt wurde.

Mensch, Tier und Pflanzenwelt nähern sich einander an. Es droht das Ununterschiedene, Amorphe. Brüchig werden auch Grenzen zwischen Wachen und bizarren Träumen. Oft leuchtet die Natur so neongrell, als sei ihre eigentliche Aufgabe, das drohend Unbegriffene im dunklen Hintergrund zu betonen. Die Körper vor diesen Kulissen haben bisweilen dunkle Knie, als seien sie beschmutzt oder blutig – vielleicht weil sie sich in Demut und Verzweiflung zum flehentlichen Gebet niederwarfen? Es könnte sich bei den Knien aber auch um mechanische Gelenke handeln. Sind die Körper also bloße Gliederpuppen und zeichnet sich in den apathischen Gesichtern daher keineswegs Entgeisterung ab, sondern nur die Geistlosigkeit des fehlenden Bewusstseins?

Dennoch bricht das Triebhafte hervor: In einer Landschaft steht ein Mann, schaut nieder auf einen Hund und onaniert. Die Landschaft, in der er steht, zeigt das Meer, Berge, Wolken. Hintergründe wie diesen findet man auch in den Porträts großer Meister, etwa der „Mona Lisa“ oder einem Selbstporträt von Dürer. Als ironische Replik auf die ideelle Aufgeladenheit solcher Ikonen der Kunstgeschichte taugt Andriu Deplazes’ Malerei allemal.

Trotzdem liegen solche spielerischen Verweise an der Oberfläche dieser Ausstellung. In der Tiefe berührt sie, weil sie eine Traumwelt erschafft. Sie liegt auf der Nachtseite von Leitbildern, die den Menschen für ein von Vernunft und humanistischen Werten geleitetes Kulturwesen halten. Vielleicht ist aber alles ganz anders. Andriu Deplazes sagt: „Diese Bilder sind immer auch ganz einfach das, was sie sind.“ Um es mit dem Titel zu sagen, den die Ausstellung trägt: Sie sind „Körper, Blume, Wasser, Gras“.

Die Ausstellung wird am Freitag, 14. September, um 19 Uhr im Kunstverein am Buchhornplatz eröffnet. Sie dauert bis 11. November. Geöffnet ist sie jeweils mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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